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Dichte Fenster: Dicke Luft an Nürnberger Schulen

Energetische Sanierung sorgt für hohe Formaldehyd-Konzentration - 20.01.2012 07:50 Uhr

Die energetische Gebäude-Sanierung von Schulen im Rahmen des Konjunkturpakets II der Bundesregierung, so wie hier am Dürer-Gymnasium, ist in Nürnberg abgeschlossen.

19.01.2012 © Harald Sippel


Betroffen sind die Friedrich-Wanderer-Schule, die Wahlerschule und die Schule Laufamholz, die Mittelschulen Schlößleinsgasse und Neptunweg, die Dunant-Schule sowie die Kindertagesstätte Dunantstraße (siehe Kasten rechts). Kinder und Eltern werden heute von den Schulen informiert.

Schulbürgermeister Klemens Gsell stellte klar, dass an allen Schulen und Kindertagesstätten, die im Rahmen des Konjunkturpakets II der Bundesregierung einer energetischen Sanierung unterzogen wurden, regelmäßig die Zimmer gelüftet werden müssen, um die Versorgung mit Frischluft zu sichern: „Die Gebäude sind dicht.“ Einen Frischluftaustausch über Zugluft oder einen Luftaustausch durch undichte Fenster gebe es nicht mehr. Deshalb müssten alle 13 Schulen und die fünf Kindertagesstätten, die neue Fenster sowie eine Innen- oder Außendämmung bekommen hätten, in jedem Fall zwischen den Unterrichtsstunden lüften, wenn keine Belüftungsanlage vorhanden ist, weil sonst die Kohlenstoffdioxidwerte (CO2) zu hoch sind. Darauf seien die Lehrer hingewiesen worden, so der Schulreferent.

Kopfschmerzen und Konzentrationsschwächen

CO2 wird auch von Menschen über Atemluft ausgestoßen und kann bei entsprechender Anreicherung in der Luft zu Kopfschmerzen, Müdigkeit und Konzentrationsschwäche führen. Die Lüftungsmaßnahmen sollen auch verhindern, dass es zu Schimmelbildung in den Räumen kommt.

Die Schulen, bei denen nach der Sanierung eine erhöhte Formaldehydkonzentration gemessen wurde oder 2-Chlorpropan-Werte gefunden wurden, hätten einen weiterer Grund zum Lüften, so Gsell. Formaldehyd kann zu Reizungen von Schleimhäuten führen. Bei 2-Chlorpropan gebe es überhaupt keine Richtwerte, und es sei auch nicht klar, ob es gesundheitsgefährdend ist, so Gsell: „Der Stoff ist aber in der Raumluft unerwünscht.“ Gemessen wurden zwei bis 58 Mikrogramm 2-Chlorpropan pro Kubikmeter Luft. Eine Unbedenklichkeit des Stoffes könne man derzeit nicht attestieren, meint Constanze Sturm vom Gesundheitsamt. Nach umfangreicher Lüftung sei die hohe Konzentration von 2-Chlorpropan in einer Bucher Kindertagesstätte deutlich zurückgegangen.

Nach dem Abschluss der Sanierung von städtischen Gebäuden wird die Raumluft immer darauf untersucht, ob es gesundheitsschädliche Ausdünstungen gibt. Dafür hat die Stadt die Gruppe Bauen – Umwelt – Gesundheit eingesetzt. Die Messungen erfolgen in Räumen, die stundenlang ohne Luftaustausch sind. Die Belastung mit Formaldehyd könnte an alten Einbaumöbeln mit Spannplatten liegen, vermutet Gsell. 2-Chlorpropan könnte von dünnen Dämmplatten stammen. Wenn dies tatsächlich so sei, müssten sie ausgetauscht werden. Baumaterialien würden im Einzelfall immer wieder unterschiedlich reagieren. Wolfgang Vinzl, Leiter des Hochbauamts, will künftig nicht nur nach Ende der Sanierungsarbeiten, sondern schon vor ihrem Beginn die Raumluft messen lassen.

Trotz des Lüftungsproblems halten Gsell, Vinzl und Thomas Niemuth von der Wbg Kommunal, die an dem Projekt ebenfalls beteiligt war, die energetische Sanierung mit den Mitteln des Konjunkturpakets II für erfolgreich: 25 Hochbaumaßnahmen wurden pünktlich abgeschlossen. Statt der kalkulierten 33,68 Millionen Euro wurden „nur“ 30,96 Millionen für neue Fenster und Dämmung ausgegeben. Die Förderquote lag bei 74 Prozent. Laut Gsell wird eine Energieeinsparung von 260000 Euro pro Jahr erzielt.

 

André Fischer E-Mail

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