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Klinik wird im März eröffnet

Hilfe für Tsunami-Region an der Ostküste Sri Lankas - 19.11.2009

Das künftige Versorgungs- und Beratungszentrum in Kalmunai soll rund 20 Notfall-Betten bekommen. Es wird nach dem ehemaligen GfK-Vorstand Heinrich Litzenroth benannt, der ebenfalls bei dem Tsunami 2004 ums Leben kam. © privat


Ursprünglich wollte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) diese Einrichtung als Krankenhaus in Kalkuda errichten (die NZ berichtete mehrfach). Denn der damalige GfK-Vorstand Heinrich Litzenroth gehörte zu den bekanntesten deutschen Opfern des Tsunamis. Die rund 10 000 weltweiten Mitarbeiter der Unternehmensgruppe spendeten für das Projekt 100 000 Euro, Partnerunternehmen stockten die Summe auf 200 000 Euro auf. Die GfK selbst (Jahresgewinn 2008: 82 Millionen Euro) gab dann auch noch 100 000 Euro dazu.

Im November 2005 begannen die Arbeiten für das neue Krankenhaus in Kalkuda. Doch kaum war das Fundament errichtet, kam es in dem grenznahen Ort zu Gewaltausbrüchen, die ethnischen Konflikte wandelten sich schließlich zum Bürgerkrieg. Die aus Colombo stammende Baufirma stoppte die Krankenhaus-Arbeiten, das Projekt blieb liegen, berichtet Ulrike Schöneberg vom Verein «Menschen helfen in Sri Lanka» im Rückblick.

Als die Waffen 2008 endlich wieder ruhten, sondierte der Verein die Lage in Kalkuda und suchte über die Stadt München Kontakt zum Zentrum der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen (UN-Habitat). Schnell wurde klar: Die Not in dem Fischerdorf Kalkuda war noch immer sehr groß, die medizinische Versorgung desaströs - aber angesichts immer neuer Gewaltausbrüche zwischen Tamilen und Muslimen war an eine sichere Durchführung des Projekts nicht zu denken. UN-Habitat riet der GfK und dem Verein, auf Kalmunai auszuweichen und im muslimischen Teil eine Station zu errichten.

Auch dort konnte von medizinischer Versorgung kaum die Rede sein, berichtet Markus Spring, der die Ostküste Sri Lankas in den letzten Jahren für die Stadt München rund 20 Mal besucht hat. Im Stadtteil Sainthamaruthu, direkt am Indischen Ozean, gab es im Männerbereich der Krankenstation weder Toilette noch fließendes Wasser, die sechs Betten waren zeitweise mit 20 Menschen belegt. Bis heute drückt das hoch stehende Grundwasser während der Monsun-Zeit die Kloake in die Straßen - der Stadtteil wird dann zur Brutstätte von Keimen.

Hier wird die neue, mit den GfK-Mitteln erbaute Kranken- und Beratungsstation wichtige Hilfe bringen, so Schöneberg. Im März soll der Bau eröffnet werden. Den Betrieb will der Verein über Verträge mit der Gemeinde sicherstellen und für 20 000 Euro eine (medizinische) Erstausstattung zur Verfügung stellen.

Und vielleicht entsteht dann noch eine Mini-Zahnklinik: das hat die Stiftung «Zahnärzte ohne Grenzen» dem Sri-Lanka-Verein gestern angeboten (siehe Beitrag rechts).

Tilmann Grewe

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