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Nach dem Feuer: Wirtin kämpft um ihr Barockhäusle

«Wenn’s eine schafft, dann Rosi» - 17.02.2010

Wirtin Rosi Hofmann nimmt die Dinge selbst in die Hand – auch die Schleifmaschine. Drei Tage lang hat sie die Bänke im Barockhäusle mit tatkräftiger Unterstützung von Freunden und Gästen geschliffen.


Der Schock sitzt immer noch tief. Rosi Hofmann kämpft mit den Tränen, als sie von der Nacht erzählt, die ihr Leben gründlich über den Haufen warf. «Das war schrecklich», sagt die 48-Jährige. Seit 13 Jahren ist sie Wirtin im Barockhäusle – zuerst als Mieterin, gemeinsam mit ihrem Mann. Als er 2007 verstarb, kaufte sie das Lokal. «Das Barockhäusle ist mein Leben.» Und gerade deshalb verwandelte sich die Verzweiflung der Wirtin schnell in Tatendrang: «Eigentlich schon am Tag darauf. Ich habe nie daran gezweifelt, dass ich das hier wieder aufbaue», sagt sie und schaut sich um.

Noch ist die Gaststätte eine einzige Baustelle. Die Fenster sind zersplittert, Werkzeug liegt herum, Kabel hängen aus der Wand. Heute wird die Elektrik verlegt. Die Handwerker sind gerade im Bad. «Die letzten Monate habe ich auf dieser Baustelle verbracht», sagt Rosi Hofmann. Stolz zeigt sie die Holzbänke. «Meine Gäste haben mir geholfen, sie abzuschleifen. Das hat drei Tage lang gedauert.» Nun sehen sie aus wie neu. Niemand würde auf die Idee kommen, dass sie noch vor kurzem verrußt waren.

Überhaupt, ihre Gäste. «Manche kommen jeden Tag hier vorbei, um zu schauen, ob’s mir gut geht», erzählt Rosi Hofmann und lächelt. Alles, was nach dem Brand so aussah, als sei es noch zu retten, hat die Wirtin in Kisten gepackt. «Jeder meiner Freunde und Gäste hat so eine Kiste mit nach Hause bekommen.» Bilderrahmen, Lampen: Ein bisschen schleifen und putzen, schon sind die Sachen so gut wie neu. Zum Dank für die Hilfe hat Rosi Hofmann am Wochenende eine «Baustellenparty» gegeben.

Sie deutet auf ein Stück verrußtes Holz: «So sahen alle Balken hier drin aus.» Inzwischen wurden sie mit Sand abgestrahlt und warten auf eine Nachbehandlung. «Wenn der Sand weiß gewesen wäre, hätten wir eine Strandparty schmeißen können, so viel lag hier herum», sagt Rosi Hofmann und fügt nach kurzem Nachdenken hinzu: «Das ist das Wichtigste: dass ich meinen Humor nicht verloren habe.»

Viele, berichtet sie, hätten Zweifel daran gehabt, dass sie die Bier- und Weinstube wieder auf Vordermann bringen würde. Und dann habe es andere gegeben, die gesagt hätten: «Wenn es eine schafft, dann die Rosi.» Das hat ihr Kraft gegeben. «Ich werd’s ihnen zeigen», sagt die zierliche Frau mit den blonden Locken, und die Augen blitzen kämpferisch.

Leicht wird das nicht für Rosi Hofmann: «Ich war schlecht versichert», sagt sie mit einem Schulterzucken. Sie wird also Schulden machen müssen. «Dann muss ich eben noch mehr malochen, egal.» Die Wirtin hofft nun nur, dass ihre Gäste ihr treu bleiben. «Man kann schon reservieren», betont sie. Und bei der Johanniskärwa Ende Juni mischt das Barockhäusle auch wieder mit. Das steht jetzt schon fest. «Ich lasse mich nicht unterkriegen.»

Bier- und Weinstube Barockhäusle, 39 93 10. 

Stephanie Siebert (Text) und Roland Fengler (Fotos)

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