Einmal um die ganze Welt

19.8.2010, 18:38 Uhr
Rast am „Hirschsprung“: Das Höllental im Frankenwald   ist ein beliebtes Wanderziel. Der Sage nach haben sich an der Felsspitze hoch über dem Flüsschen Selbitz, wo heute eine  weithin sichtbare Hirschfigur aus Holz  steht,  in frühen Zeiten des öfteren in die Enge getriebene Hirsche durch einen Sprung ins Tal zu retten versucht.

Rast am „Hirschsprung“: Das Höllental im Frankenwald ist ein beliebtes Wanderziel. Der Sage nach haben sich an der Felsspitze hoch über dem Flüsschen Selbitz, wo heute eine weithin sichtbare Hirschfigur aus Holz steht, in frühen Zeiten des öfteren in die Enge getriebene Hirsche durch einen Sprung ins Tal zu retten versucht. © oh

Da kommt man sich vor wie in Hinterindien: So ähnlich dachte Heiko Hartmann (35), als er vor zehn Jahren mit Freunden an der Ködeltalsperre im Frankenwald durch den hintersten Winkel Frankens streifte. Der Mediengestalter konnte damals nicht wissen, dass sich aus dem Gedankenblitz ein originelles Projekt entwickeln sollte, das heute irgendwo zwischen Geheimtipp und Kultstatus einzuordnen ist.

Schon in seiner Kindheit war Hartmann gerne mit der Familie auf Ausflügen im beschaulichen Oberfranken unterwegs gewesen. Aus den vielen Eindrücken bei seinen späteren Touren entstanden Fotos, die er ins Internet stellte. Daraus entwickelte Hartmann eine Wanderseite, die mehr und mehr Publikum erreicht.

Hinterindische Winkel

In der Szene weiß man längst, dass sich hinter www.hinterindien.de kein südostasiatischer Web-Auftritt verbirgt, sondern eine Sammlung mit den schönsten Touren zu den hinterindischsten Winkeln Frankens. 90 Wanderungen hat der 35-Jährige mittlerweile ins Netz gestellt — allesamt eigenfüßig abgelaufen und akribisch dokumentiert. Mit Wegbeschreibung, Streckenlänge und Gehzeit, mit Schwierigkeitsgrad und Sehenswürdigkeiten am Wegesrand.

Regelmäßig zieht der in der Wolle gefärbte Franke mit Wanderkarte, Notizblock und Kamera los, um seine Heimat zu erkunden. Mittlerweile präsentiert der Kulmbacher jeden Monat einen neuen Wandertipp. Für September schlägt er eine Tour zum Petersberg bei Bad Windsheim vor.

Nicht nur Hartmann hat festgestellt, dass Wandern immer mehr zum Trend wird und sich längst vom muffigen Knickerbocker-Image gelöst hat. Der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg beispielsweise setzt seit Jahren verstärkt auf den Ausflugsverkehr. Er hat zahlreiche Wandervorschläge ausgearbeitet, die auch in gedruckter Form vorliegen. Quellen der Inspiration sind gleichermaßen die Internetangebote www.nordbayern.de/Service&Freizeit und www.franken-wiki.de unserer Zeitung.

Achsen im Wanderparadies Franken sind die beliebten Fernwege, die sich gut abschnittsweise bewältigen lassen. Gleich neun davon tragen das Gütesiegel „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“. Eine der ersten Premium-Routen war der „Frankenweg“, der wie der „Fränkische Gebirgsweg“ kreuz und quer durch die schönsten Gebiete der Fränkischen Schweiz führt — herrliche Aussicht garantiert und Naturerlebnisse inbegriffen.

Entlang der Europäischen Wasserscheide ist im Naturpark Frankenhöhe eine weitere zertifizierter Fernroute ausgewiesen. Ansbach und Schnelldorf sind die Endpunkte dieser waldreichen, 98 Kilometer langen Tour. Der „Steigerwald-Panoramaweg“ verbindet auf 153 Kilometern Bad Windsheim mit Bamberg. Als besonderer Tipp gilt der „Altmühltal-Panoramaweg“, der zu den „Top Trails of Germany“ zählt.

Eine fränkische Spezialität sind die vielen Lehrpfade und Themenwanderwege. Beispiele sind der Treidelpfad am alten Ludwigskanal und der Mühlenweg im Fränkischen Seenland. Zur inneren Einkehr und Glaubenserfahrung laden die vielen Verästelungen des Jakobswegs ein.

Franken ist also nichts für Stubenhocker. Hier können Tourengeher sogar einmal um die Welt wandern — wenigstens rein rechnerisch. Denn zu Ausflügen regen markierte Wanderwege mit einer Gesamtlänge von mehr als 40.000 Kilometern an.