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In tierisch guter Gesellschaft: Unterwegs in Uganda

13.3.2021, 07:53 Uhr
Löwenjunges beim

Löwenjunges beim "Powernapping" in Uganda. © Christophe Courteau, imago

"Muzungu, Muzungu“, rufen die Jungs und rennen neben dem Landcruiser her, mit dem wir durch ein Mini-Örtchen nahe dem Biwindi Impenetrable National Park ruckeln. Roter Schlamm spritzt aus den knöcheltiefen Regenpfützen. Die Jungs stört das nicht. Wo sie zuhause sind, öffnet der Himmel täglich seine Schleusen und kippt Wasser auf die tropisch-grüne Landschaft, so dass die Seen üppig gefüllt sind und jedes Fleckchen Erde aussieht, als hätte jemand einen Paradiesgarten anlegen wollen.

Es blüht und wuchert aus allen Ritzen. Schmetterlinge flattern in dichten Schwärmen über die tropfnassen Wiesen und schillernd bunte Vögel huschen vorbei, so als würde jemand Tülltücher in den Himmel werfen. Mal öffnet sich der Blick auf eine weite Hügellandschaft, die in der Ferne im Dunst verschwimmt. Mal legen sich Teeplantagen wie knallgrüne Teppiche aufs Land. Mal schimmert geheimnisvoll das Ruwenzori-Gebirge in der Ferne.

Im Zauberwald der Vegetation

Bis 5 100 Meter hoch ragt das schroffe Gebirge in den Himmel – die nach dem Kilimandscharo und dem Mount Kenya dritthöchste Erhebung Afrikas. Nur selten wagen sich abenteuerlustige Bergsteiger in dieses Chlorophyll-Labyrinth, das vom Regen durchtränkt ist und wie ein genetisch mutierter Zauberwald die größte Vegetationsdichte auf unserem Planeten bietet.

Wir stoppen mit unserem Landcruiser neben den Jungs und kaufen ihnen geröstete Bananen ab, die sie in linierte Schulheftseiten wickeln. „Muzungu“ hatten sie gerufen, das heißt „weißer Mensch“, klärt uns Abdallah Beki auf, unser Fahrer und väterlicher Freund, der uns zwei Wochen mit geradezu schlafwandlerischer Sicherheit durch Schlaglöcher hoppelt, lehmige Abkürzungswege kennt und stets darüber wacht, dass alles reibungslos klappt. Beki kennt auch die besten Rolex-Stände.

Regenwald in den Ruwenzori Mountains in Uganda.

Regenwald in den Ruwenzori Mountains in Uganda. © Robert Caputo, imago

Man ahnt es schon, es handelt sich keineswegs um die Luxuszeitmesser mit dem hohen Statusfaktor. Rolex in Uganda ist wie die Bratwurst bei uns. Wir halten also am Straßenrand und lassen uns von einer freundlichen Frau mit Maske und knallbuntem Baumwollturban über einem glühenden Kohletopf „Roll of eggs“ zubereiten: verquirlte Eier, dazu klein geschnippeltes Gemüse wie Tomate, Paprika, Zwiebel und ein Chapati-Fladen. Die Rolle flutscht in eine kleine Butterbrottüte und wechselt für rund 50 Cent den Besitzer – Streetfood für jedermann.

Hungern muss im fruchtbaren Uganda übrigens keiner, doch Jobs sind rar. Immerhin nimmt der Tourismus seit einigen Jahren Fahrt auf und die Welt beginnt zu realisieren, dass Idi Amis Schreckensherrschaft schon bald 40 Jahre zurückliegt und das Land tatsächlich die „Perle Afrikas“ ist, wie Winston Churchill einst feststellte. Vor allem das Uganda Wildlife Authority unternimmt beachtenswerte Anstrengungen, um das Land für den Tourismus attraktiv zu machen. Nationalparks werden ausgewiesen und nach und nach wieder mit den dort ehemals heimischen Tieren bevölkert, die in den Bürgerkriegsjahren der Jagd nach Fleisch zum Opfer fielen.

Der frühe Vogel sieht den Löwen

Neben den für ihre Berggorilla-Population berühmten Nationalparks Biwindi und Mgahinga ist vor allem der Queen Elizabeth National Park Anziehungsmagnet für Wildlife-Liebhaber. Wir gehören dazu und starten früh am Morgen. Beki trommelt schon mit den Fingern auf der Kühlerhaube, als wir noch schlaftrunken mit einem Becher Kaffee in der Hand anschlurfen. Er mahnt zur Eile, denn nur frühmorgens stehen die Chancen gut, Löwen in Aktion zu sehen. Auf dem Weg zum Nationalpark gabeln wir Harriet auf, ein wandelndes Wildlife-Lexikon, die mit ihrer fröhlichen Unterrichtsstunde erfolgreich verhindert, dass wir in unsere Sitze gekuschelt wegschlummern. Es gibt also Löwen im Park, Büffel und Böckchen sowie Leoparden, die gerne in den Kaktuswolfsmilchbäumen rumhängen und Kraterseen, die rosarot schimmern, weil die Flamingos dort Versammlungen abhalten.

Doch plötzlich wird die graue Theorie zur (fast) hautnahen Wirklichkeit. Beki bremst abrupt hinter einem Landrover, aus dem verschiedene Kameraobjektive ragen. Wir rappeln uns aus den Sitzen, schieben das Safaridach in die Höhe und sehen eine perfekte Wildlife-Homestory: Eine Löwenfamilie tollt auf der weiten Ebene herum, im Hintergrund die Ruwenzoriberge im Morgendunst. Wie niedlich, zwei der Kids rangeln um ein Seil. „Ähem“, meint Beki, „das ist ein Büffelschwanz“. Die Vegetarier unter uns reißen sich zusammen, die Fleischesser schauen fasziniert zu, wie Mama-Löwe hundert Meter entfernt an einem halben Büffel kaut, der offenbar im Morgengrauen sein Leben ausgehaucht hat.

Flusspferd in Uganda.

Flusspferd in Uganda. © imago

Am Nachmittag geht es dann auf eine Bootstour auf dem Kazinga-Kanal, der die beiden Seen Lake George und Lake Edward im Queen Elizabeth National Park verbindet. Die Royals des Vereinigten Königreichs Großbritannien sind hier noch gut vertreten. Der Kanal ist ein beliebter Tummelplatz für Flusspferde, die dort in ihren Pools auf die Nacht warten, um dann zum Grasen an Land zu gehen.

Zu spaßen ist mit den scheinbar behäbigen Kolossen mit den Glubschaugen nicht. Sie bekämpfen sich gegenseitigen bis aufs Blut um die Herrschaft in ihrem Pool und rammen jeden aus dem Weg, der ihnen in die Quere kommt. Unser Boot hält gebührend Abstand, was wir zu schätzen wissen, nachdem ein von Bisswunden zerfurchter Bulle einen Gähnanfall bekommt und in seinem Maul riesige Hauer zum Vorschein treten.

Wir gleiten gemächlich weiter Richtung Sonnenuntergang, sehen Büffelherden, Webervogelnester, die wie Lampions im Wind schwanken, und Fischerboote, die wie Scherenschnitte auf den glitzernden Wellen vorbeischaukeln. Auf dem Kazinga-Kanal gleitet man wie durch ein übriggebliebenes Stückchen vom Paradies, das die Sintflut verschont hat.

Ängstliches Raubtier

Lake Mburo National Park heißt unsere nächste Station. Vor Löwen braucht hier keiner Furcht zu haben. „Hier gibt es nur einen und der ist sehr ängstlich“, erzählt Ranger Bonny Baliganikya. Die Weibchen, die man ihm im Park als Gesellschaft zur Seite gestellt hatte, sind nicht mehr am Leben. Vergiftet, erzählt man, von den Dorfbewohnern, die um ihr Leben und das ihrer Rinder fürchteten, denn der Park ist nicht eingezäunt. Der Lake Mburo Park ist klein, gerade einmal 370 Quadratkilometer, aber wunderschön und ein idealer Stopp für alle, die auf dem Weg von den Metropolen Kampala und Entebbe zu den Berggorillas im Südwesten des Landes sind.

Eine grüne Märchenwelt, durch die grasend Zebras ziehen und drollige Warzenschweine, weltweit inzwischen besser bekannt als Pumba, mit hochgereckten Schwänzen herumwuseln. Nur ein einsamer Löwen-Angsthase und keine Elefanten: Damit ist der Park das ideale Revier für eine Safari zu Fuß. Ranger Bonny läuft vorweg, ausgerüstet mit Gewehr, denn auch ein frustrierter Büffelbulle oder einer der zahlreichen Leoparden können zur Gefahr werden.

Lehmhütte am Wasser im Mburo-Nationalpark.

Lehmhütte am Wasser im Mburo-Nationalpark. © imago images/blickwinkel

Wie immer geht es ganz früh morgens los, wenn die Kühle der Nacht noch in der Luft liegt und die Sonne kleine Glitzersternchen auf den Tautropfen schimmern lässt. Wie in einem Disney-Film grasen Zebraherden auf leuchtenden Wiesen, Giraffenmamas mit Babys schreiten unter den Schirmakazien umher und Topi-Antilopen äugen neugierig herüber, als das Menschentrüppchen durchs nasse Gras vorbeistapft. Ein wundervoller Start in den Morgen, der dann von einem köstlichen Frühstück in der Rwakobo Rock Lodge gekrönt wird.

Peinlich zu wissen, aber der Genpool der Affen gleicht zu rund 98 Prozent dem der Menschen. Wer das nicht glauben mag, kann in Uganda den Kibale Forest National Park besuchen. Dort geht es zum Schimpansen-Tracking. Die Gorillas sind sanfte Riesen, die Schimpansen zeternde Zankhähne. Im Wald herrscht ein Höllenlärm, als wir die rund 30köpfige Affenbande erreichen. „Offenbar mal wieder Streit“, kommentiert Ranger Baluku Alimos. Mehr als 50 verschiedene verbale Ausdrücke beherrschen die Schimpansen, so haben Forscher herausgefunden.

Ein "gehörnter" Schimpanse

Dem Klang nach ist eine beachtliche Reihe an Beschimpfungen darunter. Doch Baluku bricht eine Lanze für die wilde Meute. „Sie sind den Menschen so ähnlich“, findet er. „Sie freuen sich, spielen, streiten und sind traurig.“ Wie wahr. Wir treffen Bunero, ein Schimpansen-Männchen, das offenbar frustriert unter einem Baum hockt. „Ich glaube, er hat Liebeskummer“, meint Schimpansen-Kenner Baluku.

Und tatsächlich. Bunero lässt den Kopf hängen, krault sich an der Schulter, wischt sich über die Augen und trottet dann in Loser-Haltung von dannen. Wahrscheinlich hat ihm Alpha-Männchen Fuzi seinen ganzen Harem geklaut. Denn bei den Schimpansen heißt es wie schon bei Abba: The winner takes it all.

Fischerboote am Kazinga-Kanal in Uganda.

Fischerboote am Kazinga-Kanal in Uganda. © Anka Agency, imago

Weitere Informationen

Reisezeit: Uganda hat das ganze Jahr über ein ausgeglichenes Klima. Die Temperaturen schwanken zwischen 16 und 28 °C. Die durchschnittlichen Niederschlagsmengen liegen das Jahr über zwischen 50 und 150 mm. Januar und Februar sowie Juni bis Oktober sind die trockensten Monate, während April und Mai mit Niederschlagsmengen von 255 bis 280 mm als die regenreichsten gelten.

Einreise: Visaanträge für Reisende nach Uganda können elektronisch über das Online-Portal https://visas.immigration.go.ug. gestellt werden. Das per E-Mail an den Antragssteller gesendete „Entry Permit“ ermöglicht die Einreise. Für die Online-Bewerbung benötigen Reisende eine Kopie ihres Reisepasses, den Nachweis einer Gelbfieberimpfung sowie ein Passbild. Die Visagebühr beträgt 50 US-Dollar und wird nach der Antragsstellung online bezahlt.

Corona (Stand: Anfang März 2021): Uganda ist kein Corona-Risikoland, d.h. bei Rückkehr nach Deutschland sind weder Test noch Quarantäne nötig. Uganda fordert allerdings sowohl bei der Einreise als auch bei der Ausreise einen negativen PCR-Test. Weitere Tests sind je nach Fluggesellschaft erforderlich. In Uganda gilt in öffentlichen Gebäuden, Restaurants und Shops Maskenpflicht. An vielen Stellen sind Waschstationen aufgebaut und es wird Desinfektionsmittel für die Hände angeboten. Die Permits für den Besuch der Gorillas und der Schimpansen sind derzeit deutlich günstiger (Gorillas 400 statt 700 US-Dollar, Schimpansen 150 statt 200 US-Dollar)

Buchen: Geführte Reisen oder Selbstfahrertouren bietet der auf Afrika spezialisierte Veranstalter Akwaba Afrika, Tel: +49 (0)341 - 223871 60, www.akwaba-afrika.de.

Preisbeispiele: Privat geführt, 14 Tage inklusive Flüge, Gorilla- und Schimpansenpermit je nach Saison und Teilnehmerzahl ab 4700 EUR. https://akwaba-afrika.de/reisen/rundreise-in-uganda-die-perle-afrikas/

Als Selbstfahrertour 16 Tage inklusive Flüge, Gorillapermit je nach Saison und Teilnehmerzahl ab 3650 EUR. https://akwaba-afrika.de/reisen/selbstfahrerreise-in-uganda-uganda-ungebunden/

Besondere Corona-Reisebedingungen bei Akwaba Afrika: Keine Anzahlung. Zahlung 30 Tage vor Reiseantritt. Wenn Reise faktisch möglich ist, kein kostenfreies Rücktrittsrecht aber fast jederzeit kostenlose Umbuchung möglich (dann ggf mit Saisonaufschlag). Wenn Reise unmöglich (Grenzen dicht, keine Flüge) kostenfreies Rücktrittsrecht.

Unterkünfte:

Schön mit Blick auf Lake Mutanda: Chameleon Hill Lodge (ab 205 €/P. VP/DZ), chameleonhill.com

Freundlich mit toller Aussicht: Carpe Diem Guest House in Entebbe (ab 80 Euro/P. Frühstück/DZ).

Super Service und direkt bei den Schimpansen in Kibale: Primate Lodge (ab 100 Euro/P HP/DZ) https://ugandalodges.com/primate/the-lodge/

Stationen in Uganda:

Queen Elizabeth National Park mit vielen Löwen, Büffeln und Leoparden. Empfehlenswert ist eine Boot-Safari auf dem Kazinga-Kanal mit einer hohen Nilpferd-Population. Im Ishasha-Gebiet kann man Topi-Antilopen, Kronenkraniche und seltene Baumlöwen sehen. http://visituganda.de/attraktionen/nationalparks-ugandas

Lake Mburo National Park mit vielen Zebras, Giraffen, Büffeln sowie Leoparden und der Möglichkeit, Zu-Fuß-Safaris zu unternehmen. visituganda.de/attraktionen/nationalparks-ugandas/

Kibale Forest National Park mit einer großen Population von Schimpansen, die auf Tracking-Touren besucht werden können. Darüber hinaus gibt es Mantelaffen, Stummelaffen und als Besonderheit Waldelefanten. visituganda.de/attraktionen/nationalparks-ugandas/ und www.ugandawildlife.org/explore-our-parks/parks-by-name-a-z/kibale-national-park

Bwindi National Park mit 19 habituierten, also an Menschen gewöhnte, Berggorilla-Familie und tropischer Vegetation. http://visituganda.de/attraktionen/nationalparks-ugandas/

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