Matthias Horx zu Reisen nach Corona: Weniger Spaß, mehr innere Einkehr

17.4.2021, 07:54 Uhr
Weniger Vollgas, mehr Selbstfindung - hier bei einem Strandspaziergang an der Ostsee.

Weniger Vollgas, mehr Selbstfindung - hier bei einem Strandspaziergang an der Ostsee. © Daniel Bockwoldt, dpa

Im Tourismus hieße das, dass sich der durch die moderne Spaßgesellschaft geprägte Erlebnistourismus mit negativen Auswirkungen wie Overtourism wandeln muss, und zwar hin zu mehr Nachhaltigkeit. Denn in den Corona-Zeiten habe die Umweltfrage „massiv an Bedeutung gewonnen“, sagte er auf dem Online-Kongress „Attraktiver Tourismus – Führungsansätze der Zukunft“ des Netzwerks Interreg über kommende Veränderungen.


Wie reisen wir nach Corona? Wie früher, nur etwas anders


Als Beispiele für einen zukunftsfähigen Tourismus nennt Horx längeren Urlaub in einem Hotel oder Ferienhaus unter dem Motto „Staycation“ – ähnlich der Sommerfrische in früheren Zeiten, wo ganze Großfamilien gemeinsam die Ferien auf dem Land verbrachten. Oder Langfristaufenthalte an einem Ort und Eintauchen in den Alltag der Einheimischen, wie es beispielsweise die italienischen „Viaggatori Posati“ propagieren.

Sommerfrische, wie man sie früher kannte: Entspannt durch die Sonne tuckern: Tretbootfahrer auf dem Chiemsee.

Sommerfrische, wie man sie früher kannte: Entspannt durch die Sonne tuckern: Tretbootfahrer auf dem Chiemsee. © Chiemgau Tourismus e.V., dpa-tmn

Auch Formen wie Urlaub zuhause ( er nennt das „Homecation“) sowie die Verbindung von Urlaub und Arbeit („Workation“) haben nach Ansicht von Horx Zukunft. Schlechter sieht es für den Spaßtourismus aus, dem „immer eine Art Seuchen-Hautgout“ anhaften werde. Die Krise sorge generell für eine „Dämpfung in den Extremen“.

Beim Reisen wollen wir uns selbst entwickeln

Reisen werde zu einem neuen Wert für die persönliche Entwicklung. Resonanz, „die Wirkung auf andere“ werde zum Schlüssel für den Erfolg. Eine Herausforderung auch für Hotels und Gastronomie. Sie könnten nur mit neuen Ideen und Konzepten und natürlich auch echter Gastfreundschaft überleben. Ein Zurück zum Alten gebe es nicht: „Man springt niemals in denselben Fluss.“

Entscheidend sei vor allem, ob eine globale Erhitzung verhindert werden könne. Dafür sei die Corona-Krise „eine Art Übungskeller“. Gefordert seien ein „lustvoller Aspekt“ der Ökologie und natürlich neue Technologien. Eine tröstliche Aussicht hat Matthias Horx aber auch: In zwei Monaten erwartet er das „pandemische Equilibrium“ mit deutlich gesunkenen Todeszahlen und mehr Freiheiten, darunter vermutlich auch Reisen.

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