Verkaufen zum besten Gebot

22.3.2019, 11:54 Uhr
Wer seine Immobilie an den Mann oder die Frau bringen möchte, findet im Bieterverfahren eine gute Verkaufsalternative. Wobei nicht unbedingt das höchste Gebot den Zuschlag bekommen muss. Foto: Lukas Schulze/dpa

Wer seine Immobilie an den Mann oder die Frau bringen möchte, findet im Bieterverfahren eine gute Verkaufsalternative. Wobei nicht unbedingt das höchste Gebot den Zuschlag bekommen muss. Foto: Lukas Schulze/dpa

Eine Möglichkeit, einen fairen Wert für eine Immobilie zu bekommen, ist das Bieterverfahren. "Hier regeln Angebot und Nachfrage den Preis", erklärt Stefan Sagraloff, Inhaber des Nürnberger Maklerbüros Immopartner. Denn unabhängig von Wertgutachten haben Immobilien auch ihren individuellen Wert. Hier können Verkäufer eventuell sogar noch einen höheren Verkaufserlös erzielen.

Bevor eine Immobilie per Bieterverfahren verkauft werden soll, ist allerhand zu erledigen: Wie bei allen anderen Verkäufen auch, möchte sie in einem Exposé im besten Licht präsentiert werden. Darin dürfen natürlich alle wichtigen Daten und Fakten nicht fehlen. Gut beraten ist, ein solches von einem Fachmann erstellen zu lassen. Idealerweise nimmt er auch das komplette Bieterverfahren in die Hände.

Gebote ab einem Euro?

Laut der Erfahrung von Stefan Sagraloff nimmt der Verkaufsprozess per Bieterverfahren vier bis sechs Wochen Zeit in Anspruch. In den ersten Wochen werden mögliche Käufer gesucht. In der zweiten Phase finden mit den näheren Interessenten Besichtigungen statt. "Ich empfehle hier, sich die Zeit zu nehmen, um jedem potenziellen Käufer das Objekt individuell zu zeigen", so Sagraloff.

Dann gibt es die Möglichkeit, die Gebote ab einem Euro anzusetzen. "Das erweckt allerdings bei vielen falsche Hoffnungen", so der Fachmann. Zeitsparender ist daher, mit einem vorher taxierten marktgerechten Preis ins Rennen zu gehen. In seinem Maklerbüro ist es Usus, dass die Mitbietenden stets über das aktuell höchste Gebot informiert werden. Das kann aber anderswo variieren. Oft ist es so, dass bis zu einem bestimmten, vorher festgelegten Zeitpunkt Gebote abgegeben werden können. Besteht bei einem Interessenten noch Klärungsbedarf bei dringenden Fragen, etwa in Sachen Finanzierung, kann der Termin aber auch flexibel angepasst werden. Sagraloff empfiehlt, die Gebote stets schriftlich abzugeben - das beugt Missverständnissen vor. Bietern empfiehlt er, den vorgegebenen Preis generell in kleineren Sprüngen zu übertrumpfen. "1000er-Schritte sollten es aber schon sein", so seine Erfahrung. Und ganz wichtig: Die Finanzierbarkeit sollte vor dem Mitbieten weitgehend in trockenen Tüchern sein. Liegen alle Gebote zum Stichtag auf dem Tisch, ist es am Verkäufer, sich für einen Interessenten zu entscheiden. Wobei nicht zwingend der höchste Preis den Zuschlag bekommen muss. Sind alle Fragen zwischen Verkäufer und Käufer geklärt, kann der Kaufvertrag aufgesetzt werden.

Der große Vorteil vom Bieterverfahren ist natürlich die kurze Vermarktungsdauer. Weiterer Pluspunkt für den Verkäufer: Je individueller und begehrter die Immobilie ist, umso größer sind die Chancen, dass sich höhere Preise erzielen lassen.

Laut Sagraloff wird das Bieterverfahren in Deutschland zwar eher seltener gewählt. "Allerdings wird es an Hotspots wie München, wo sich die Preise überschlagen, immer beliebter, um einen fairen Marktpreis zu taktieren", so der Fachmann. Viele scheuen vor allem den zeitaufwändigen Verkaufsprozess - aber es gibt Profis, die sich darum kümmern.

 

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