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Trotz Verhandlungen: Rettungspaket für die Lufthansa wackelt

Großaktionär könnte die Pläne des Bundes womöglich torpedieren - 22.06.2020 15:28 Uhr

Eine Passagiermaschine der Lufthansa landet auf dem Flughafen in Frankfurt. Der Konzern ist in der Coronakrise mächtig ins Schlingern geraten.

© Boris Roessler, dpa


Das neun Milliarden Euro schwere staatliche Rettungspaket für die Deutsche Lufthansa ist noch nicht in trockenen Tüchern. Drei Tage vor der außerordentlichen Hauptversammlung blieb nun die Strategie des Großaktionärs Heinz Hermann Thiele weiterhin unklar. Auch in den Verhandlungen mit den Gewerkschaften um Sparbeiträge der Beschäftigten zeichnete sich noch keine Einigung ab. Am ersten Börsentag nach dem Abstieg aus dem Leitindex Dax musste die Aktie zudem wegen der Unsicherheiten deutliche Kursabschläge hinnehmen.

Laut Berichten mehrerer Medien wollten in Berlin Regierungsvertreter mit Thiele und Lufthansa-Chef Carsten Spohr zusammenkommen. Der 79 Jahre alte Milliardär hatte sich in den vergangenen Monaten mehr als 15 Prozent der Lufthansa-Aktien gesichert. Da laut Spohr weniger als 38 Prozent der Stimmrechte bei der Hauptversammlung am kommenden Donnerstag vertreten sind, könnte er allein den geplanten Staatseinstieg verhindern. In einem Interview hatte er sich jüngst kritisch zur geplanten 20-Prozent-Beteiligung des Bundes geäußert.


Regierung einigt sich auf Lufthansa-Rettung


Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) verteidigte erneut das staatliche Rettungspaket: "Wir hatten eine sehr gute Diskussion mit dem Lufthansa-Management und haben einen sehr guten Plan entwickelt, über den es auch Einigung mit Brüssel gibt", sagte er, "der Plan ist wohlüberlegt."

Heftige Verluste während Corona-Crash

Parallel ging das Ringen um Einsparungen beim Personal weiter. Unternehmen und Gewerkschaftsvertreter bestätigten nur die Fortsetzung der Verhandlungen, wollten aber keinen Zeitpunkt für eine mögliche Einigung mehr nennen. Ursprünglich war der 22. Juni als Termin avisiert worden, um die Ergebnisse noch vor der Hauptversammlung präsentieren zu können.

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Der von der Corona-Krise hart getroffene Konzern hat wegen der dauerhaft geringeren Nachfrage den weltweiten Personalüberhang auf 22.000 Stellen beziffert. Davon entfällt rund die Hälfte auf Deutschland. Bei den Verhandlungen sollen nun Maßnahmen vereinbart werden, um möglichst viele Mitarbeiter an Bord zu halten. Das sind zum Beispiel ausgeweitete Teilzeitmodelle und der Verzicht auf Gehaltssteigerungen und Zulagen. Beteiligt sind die Gewerkschaften Verdi, Ufo und die Vereinigung Cockpit, die bereits verschiedene Sparvorschläge unterbreitet haben.


Corona-Krise: Bis zu 26.000 Lufthansa-Jobs auf der Kippe


Die Sorgen um das Rettungspaket drückten die Anteile des Dax-Absteigers zwischenzeitlich deutlich um bis zu 9 Prozent, im weiteren Tagesverlauf erholte sich der Kurs aber wieder. Heftige Verluste während des Corona-Crashs hatten dazu geführt, dass die Papiere des größten Luftverkehrskonzerns Europas ihren Platz im deutschen Leitindex räumen mussten und nun dem MDax der mittelgroßen Werte angehören.

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Der Konzern mit 138.000 Beschäftigten rechnet damit, dass die Erholung der Nachfrage im Luftverkehr nur langsam verläuft. Derzeit hebt nur ein kleiner Teil der Lufthansa-Flotte zu Reisezielen ab. Im ersten Quartal brockte die Corona-Krise dem Konzern einen Verlust von 2,1 Milliarden Euro ein; die Geldreserven schwinden schnell.


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dpa

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