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Tauziehen um Jahn-Bau dauerte einst fünf Jahre

Endlich Bewegung - Finanzielle Probleme und Erwartungen - 18.10.2008

Das ursprüngliche Modell des Architekten Helmut Jahn für den Augustinerhof, wie es 1991 präsentiert wurde. Die Betreiber hielten die Genehmigung damals für eine bloße Formsache - ein Irrtum, wie sich im rasch wachsenden Widerstand gegen das Projekt erweisen sollte. © Rolf Contino


«Die Politiker im Rathaus wollen jetzt rasch eine Lösung finden, wie das Brachgelände am Augustinerhof endlich bebaut werden kann.» So zum Beispiel steht es schon vor bald zehn Jahren in den Nürnberger Nachrichten. Reines Wunschdenken? Oder geben sich die Stadträte der Hoffnung hin, dass derartige Ankündigungen eine eigene Dynamik entfalten?

Konflikt zwischen Baureferent und Altstadtfreunden

Anlass zu neuem Optimismus schien damals das Auslaufen der dreijährigen Bindungsfrist zu geben – eine Folge des Bürgerentscheids von 1996. So eröffnet sich Anfang 1999 die Perspektive, das Gelände als «Kerngebiet» statt als «Mischgebiet» einzustufen - das verheißt eine bessere Verwertung und damit mehr Spielraum für die Planungen. Doch es bleibt, wie so oft, bei einem kurzen Strohfeuer.

Wer die gesamte Entwicklung nachvollziehen will, muss zurückgehen bis ins Jahr 1989. Damals erwirbt der Kaufmann Mohammad Abousaidy das Grundstück des Willmy-Verlages an der Winklerstraße. Er plant Neubauten mit gemischt-gewerblicher Nutzung. Schon bald zeichnet sich ein Konflikt ab: Während die Altstadtfreunde um ihren Vorsitzenden Erich Mulzer zu einem Bebauungsplanverfahren raten, peilt Baureferent Walter Anderle eine spektakuläre Lösung an. Das läuft auf einen Knüller hinaus: Im Januar 1991 präsentieren Bauherr und Baureferent das erste Modell des gebürtigen Nürnbergers und Chicagoer Stararchitekten Helmut Jahn. Sein Entwurf für einen Glaspalast macht rasch als «aufgeschnittene Weißwurst» Schlagzeilen - dagegen begehrt die Bürgerinitiative «Rettet die Sebalder Altstadt» auf.

Auch durch verschiedene Korrekturen am Entwurf lassen sich die Kritiker nicht besänftigen; die grundsätzlichen Einwände beziehen sich vor allem auf die Dimensionen des Baukörpers wie den nach ihrer Einschätzung überzogenen Umfang der gewerblichen Nutzung und bleiben bestehen. Im Dezember 1992 billigt der Stadtrat mehrheitlich einen Bebauungsplanentwurf - zur Aufstellung hatte Edmund Stoiber als damaliger Innenminister und Chef der obersten Baubehörde die Stadt verpflichtet.

Mehrheit bröckelt

Unterdessen sammeln die Gegner mehr als 50.000 Unterschriften. Im September 1993 bläst OB Peter Schönlein wegen mangelnder Akzeptanz in der Bürgerschaft zum Rückzug. Dennoch wird an Konzept und Baumasse weiter getüftelt. Die Mehrheit im Stadtrat bröckelt. Der Bürgerentscheid im Januar 1996 bringt mit fast 69 Prozent der Stimmen das endgültige Aus für den Jahn-Entwurf. Trotz verschiedener Initiativen - etwa des Frankfurter Investors Peter Bletschacher, der ein Nobelhotel plant - halten die finanziellen Probleme und Erwartungen der Frankfurter Eurohyp das Areal mehr als zehn Jahre lang in einem Dornröschenschlaf.

Wolfgang Heilig-Achneck

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