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Die Jägerin der verlorenen Lieder

Steffi Zachmeier ist Musikerin, Moderatorin und Mundartautorin - 19.08.2011 16:35 Uhr

 

Steffi Zachmeier (2.v.r.) ist mit fränkischem Liedgut aufgewachsen und setzt heute alles daran, diese lebendigen und lebensfrohen Melodien für die Nachwelt zu erhalten. © privat


„Fränkische Musik ist so lebendig und hat so viel Kraft. Und sie ist zeitgemäß. Die Lieder muss man nicht groß bearbeiten“, unterstreicht Zachmeier. Mit den fränkischen Melodien ist sie aufgewachsen. Als Kind lernte sie Akkordeon und steht bereits seit vielen Jahren auf der Bühne. In Bamberg studierte sie „Volksmusik mit besonderer Berücksichtigung des fränkischen Raums/Ethnologie“. Heute interpretiert Zachmeier fränkische Musik mit verschiedenen Gruppierungen. Darunter die Fränkischen Straßenmusikanten, die Wirtshausmusik und Steffis kleine Zachmusik. Bei Bedarf singt sie die Lieder auch in einer Fremdsprache; z.B. in Unterfränkisch. Wenn sie als Leiterin von Tanzkursen oder bei Wirtshaussingen mit ihrer Quetschn, dem Hackbrett oder dem Kontrabass aufspielt, geht es zünftig zu.

Jedoch setzt Zachmeier Mundart keinesfalls mit Klamauk gleich. „Lustig bin ich auf der Bühne eher weniger.“ Vom üblichen fränkischen Gschmarri-Horizont hält sie wenig. Auch Heißmann und Rassau und die Fastnacht aus Veitshöchheim seien nicht so ihre Welt. Man könne im Dialekt schließlich auch melancholisch sein und diesen wie Literatursprache benutzen.

Bierzelt-Gaudi, in diese Schublade lässt sich Zachmeiers Musik nicht stecken. Doch lehnt sie reine Stimmungslieder keineswegs ab. „Wenn uns einer einen Zehner spendiert, spielen wir auch ,Schau hi, da liegt a toter Fisch im Wasser‘.“ Auf rund 100 Auftritte bringt es Zachmeier per anno. Flankierend moderiert sie beim Bayerischen Rundfunk die Sendung „B1-Volksmusik“. Zachmeier ist auch eine Jägerin des verlorenen Liedguts. Als musikalische Vorreiter nennt sie die Alfelder oder die Hersbrucker Musikanten. Doch Tonaufnahmen dieser traditionellen Musikgruppen sind rar gesät.

„Zum Glück gibt es ja die fränkische Bibel.“ Damit meint Zachmeier „Fränkische Volkslieder. Mit ihren zweistimmigen Weisen, wie sie vom Volke gesungen werden, aus dem Munde des Volkes selbst gesammelt und herausgegeben.“ 1855 wurde das Werk mit dem ellenlangen Titel von Franz Wilhelm von Ditfurth veröffentlicht. Das Konvolut vereint Kirchen- und Wallfahrtslieder mit Liebes-, Hochzeits- und Ehestandsliedern, Soldaten- oder Zechliedern. Seit einigen Jahren gehört zu Zachmeiers Repertoire auch jüdische Klezmermusik. In diesem Genre mangelt es nicht an historischen Aufnahmen. Klezmer sei der fränkische Musik nicht unähnlich. Eine Gemeinsamkeit stelle das freie Umgehen mit Melodien dar. „Was mir besonders zusagt, das ist die Lust und die Lebenskraft, die Klezmer ausstrahlt“, erklärt Zachmeier.

Auch wenn es viele Schwarzseher gebe, den fränkischen Dialekt sieht Zachmeier keineswegs vom Aussterben bedroht. „Die Landjugend in Oberfranken oder der Oberpfalz hat heutzutage keinerlei Berührungsängste. Man tanzt zu traditioneller Heimatmusik und zwar im Dirndl und in Lederhosen. Das wär vor 30 Jahren kaum denkbar gewesen“. Doch leider sei auch ein negativer Trend zu beobachten. Der Franke geht nämlich insgesamt nicht besonders gut mit seiner Vergangenheit um und hechelt lieber dem Weltgeschmack hinterher. Außerdem seien die fränkischen Gebiete in ihrer Traditionspflege sehr unterschiedlich. „Ein Beispiel ist Günter Stössel. In Nürnberg ist der sehr erfolgreich. In anderen Teilen Frankens weniger. Kein Wunder, denn ein Unterfranke identifiziert sich halt nur schwer mit einem Nürnberger.“

www.zachmeier.de


  

Thomas Susemihl

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