Bewegender Film: "Halt auf freier Strecke"

16.11.2011, 18:30 Uhr
Familienvater Frank (Milan Peschel, li.) hat Krebs – und nicht mehr lang zu leben. Dennoch ist hier Komik zugelassen.

Familienvater Frank (Milan Peschel, li.) hat Krebs – und nicht mehr lang zu leben. Dennoch ist hier Komik zugelassen. © dpa

Der Mann hat eine patente Ehefrau, nette Kinder und seit neuestem ein Eigenheim am Stadtrand. Dann die niederschmetternde Diagnose. Ein Tumor hat sich in Franks Kopf eingenistet. Operieren, bestrahlen, chemotherapieren? Zwecklos. Irgendwann um Silvester ist Schicht im Schacht. Den 10. Geburtstag des Sohnes wird er nicht überleben. Meint sein Arzt.

Gattin Simone (Steffi Kühnert) versucht die Kinder darauf vorzubereiten. Eine Herkulesaufgabe. Währenddessen wird ihr Mann immer vergesslicher, unselbstständiger und jähzorniger.

„Halt auf freier Strecke“ ist keine leichte Kinokost. Großteils klinisch kalt und von schmerzhafter Realität. Echte Ärzte, Pfleger oder Therapeuten geben hier Auskunft. Manchmal auch betont ungelenk. Dann wieder ist der Film voller Poesie und durchweht ein Hauch von Humor die kitschfreie Handlung. So gibt der Sterbende dem Tumor ein menschliches Antlitz und lässt ihn in der Harald-Schmidt-Show auftauchen.

„Time to say goodbye?“ Nicht bei Dresen. Der versierte Filmemacher verzichtet auf Filmmusik. Und auch auf gerne genommene Klischees, die immer dann herangezogen werden, wenn es ums Sterben geht.

Der Protagonist fliegt nicht nach Hawaii, weil er noch einmal mit Delfinen schwimmen möchte. Er pflanzt auch kein Apfelbäumchen. Frank führt ein Videotagebuch. Mehr für sich als für die, die zurückbleiben werden.

Dafür zeigt „Halt auf freier Strecke“ eindringlich die sozialen und familiären Probleme, die die Krankheit aufwirft. Vor allem die Kinder sind vollkommen überfordert. Als sein Sohn erfährt, dass Frank bald sterben wird, kommt die Frage: „Bekomm ich dann dein iPhone?“ Als der Mann bei einem Ausflug in einen Freizeitpark zusammenbricht, finden das die Kinder gar nicht toll. Sie wären noch gerne länger geblieben.

Ein spröder Streifen über würdevolles Abschiednehmen. Hier wird der Moribunde nicht in ein kleines Sterbezimmer geschoben. Was weh tut und befreiend zugleich wirkt. (METROPOLIS; Erlangen: MANHATTAN)

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