Vier Stunden heißer Herbst

8.11.2004, 00:00 Uhr
Unterstützungskommando und Bereitschaftspolizei hatten die Demonstranten in der Regensburger Straße scharf im Blick. Die Schlusskundgebung vor der Bundesagentur verlief dann friedlich, befürchtete Steinwürfe blieben aus. Foto: Hafenrichter

Unterstützungskommando und Bereitschaftspolizei hatten die Demonstranten in der Regensburger Straße scharf im Blick. Die Schlusskundgebung vor der Bundesagentur verlief dann friedlich, befürchtete Steinwürfe blieben aus. Foto: Hafenrichter © -

Also hätte sie lieber gehabt, dass die Menschenmasse nach der Kundgebung vor der Lorenzkirche zu irgendeiner großen Firma gezogen wäre. „Die Konzernchefs machen dicke Gewinne”, sagt sie, „und wir Angestellten sind die Verlierer.” Die Bundesagentur für Arbeit als Ziel hält sie deshalb für das falsche Symbol. Aber der Veranstalter, das Sozialforum Nürnberg, hatte es so abgemacht: Der Protestzug läuft über den Hauptbahnhof, vorbei am SPD-Haus, durch die Südstadt zur Regensburger Straße. Die Menschenschlange wächst dabei laut Polizei auf bis zu 7000 Personen, laut Veranstaltern auf 10 000 aus ganz Deutschland. Wer die Demonstranten und ihre Transparente („Hartzer Käse stinkt”, „Sie sagen Reform und meinen Raub”) nicht sieht, kann sie hören: Sie setzen Pfiffe, wilde Musik und schallende Rufe ab wie „Alles für alle, und zwar umsonst”, und von oben brummt ein Polizeihubschrauber.

Einige Hundertschaften der bayerischen Polizei begleiten den Zug. Ein paar Autonomen ist das zu viel: Zwei Mal liefern sie sich Rempeleien mit Beamten; fünf von ihnen werden vorübergehend festgenommen. Gereizt ist die Stimmung vor allem in der Regensburger Straße. Denn hier setzen die Polizisten alles daran, die Marschierer nur auf die nördliche Fahrbahnhälfte zu lassen. Dieser Abstand zur Bundesagentur war gerichtlich angeordnet worden, aus Furcht, dass das Schotterbett der Straßenbahn als Steinbruch für die so genannten „Gewaltbereiten” dienen könnte.

Heftiger Regen peitscht schließlich die Menge bei der Schlusskundgebung schnell auseinander. Die Polizisten atmen auf, und Sven Röser vom Sozialforum stellt trotz Nässe trocken fest: „Das war lange nicht das Ende der Proteste.“ Heute machen sie weiter mit der 13. „Montagsdemo”. Isabel Lauer

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