Uni-Klinik Erlangen: Neue Therapie senkt den Blutdruck und schützt die Nieren

13.4.2021, 12:44 Uhr
Die Nieren entgiften den Körper des Menschen. Sie haben aber auch einen großen Einfluss auf den Blutdruck.

Die Nieren entgiften den Körper des Menschen. Sie haben aber auch einen großen Einfluss auf den Blutdruck. © ©pixdesign123/stock.adobe.com

Die Zukunft von Peter B. sah nicht besonders rosig aus. Seit Jahren litt der 46-Jährige unter sehr hohem Blutdruck. Sechs Medikamente nahm er dagegen, doch die zeigten kaum Wirkung.

Innerhalb von drei Jahren hatte sich zudem seine Nierenleistung von 60 auf 42 Prozent verschlechtert. Abgesehen von den enormen Risiken für Herzinfarkt und Schlaganfall stieg so auch die Gefahr, dass die Nieren von Peter B. in wenigen Jahren komplett versagen würden und er Dialyse-Patient werden könnte.

Professor Roland Schmieder leitet die Klinische Forschungsstation für Hypertonie und Gefäßmedizin am Universitätsklinikum Erlangen.

Professor Roland Schmieder leitet die Klinische Forschungsstation für Hypertonie und Gefäßmedizin am Universitätsklinikum Erlangen. © Rudi Ott

"Als er 2014 zu uns kam, haben wir ihm zu einem neuen minimal-invasiven Verfahren geraten, der so genannten Nierennervenablation", berichtet der Nephrologe und Internist Professor Roland Schmieder, der als Oberarzt an der Medizinischen Klinik 4 des Uniklinikums Erlangen arbeitet.

Schmieder leitet dort die Klinische Forschungsstation für Hypertonie und Gefäßmedizin. Der Eingriff, von dem er spricht, hat sich in den vergangenen Jahren bei Patienten bewährt, bei denen die Bluthochdruck-Medikamente nicht ausreichend wirken.

Dauerhafte Senkung des Blutdrucks

"Mehrere Studien haben mittlerweile gezeigt: Durch dieses Verfahren lässt sich der Blutdruck dauerhaft senken. Wir gehen nun der Frage nach, ob wir dadurch auch den Verlust der Nierenfunktion stoppen können", erklärt Schmieder, der die Hinweise darauf nun in eigenen Studien bestätigen will. Er möchte vor allem herausfinden, ob der Effekt dauerhaft anhält und welchen Nierenpatienten er nützt.

Bei der Nierennervenablation wird ein winziger Katheter unter örtlicher Betäubung durch die Leiste bis in die Nierenarterie geschoben. Während die Innenschicht der Arterie gekühlt wird, um sie zu schützen, verödet der Katheter mittels Ultraschallenergie die Nervenbahnen, die zu den Nieren und von ihnen weg führen.

Ständige Störsignale

Denn eine erkrankte Niere meldet über das sympathische Nervensystem ständig störende Signale ans Gehirn, das den Blutdruck daraufhin unablässig steigen lässt.

Gleichzeitig nimmt der Körper mehr Kochsalz auf, lagert mehr Wasser ein und stellt die Blutgefäße enger, was die Durchblutung verschlechtert und den Blutdruck zusätzlich in die Höhe treibt. "Kein Medikament kann diesen Nervenreiz, den Sympathikus, bisher hemmen", sagt Schmieder.

Peter B. entschloss sich schließlich zu dem Eingriff, bei dem der Patient zwei Nächte – eine vorher und eine nachher zur Überwachung – in der Klinik bleiben muss. Sein Blutdruck pendelte sich anschließend dauerhaft bei 120 zu 65 mmHg ein, so dass er nun weniger Medikamente braucht.

Zur Erklärung: mmHg ist die Abkürzung für Millimeter Quecksilbersäule. Das Messgerät zeigt das Verhältnis des Blutdrucks, während das Herz pumpt (systolischer Wert) und während es in der Ruhephase ist (diastolischer Wert). Von Bluthochdruck sprechen Mediziner, wenn der Wert höher als 140 zu 90 liegt.

Die Dialyse ersparen

"Die Nierenfunktion unseres Patienten lag nach sechs Monaten bei einem Wert von 50. Wir haben eine dauerhafte Stabilisierung erreicht. Nun können wir hoffen, dass ihm eine Dialyse erspart bleibt", sagt Schmieder. Mittlerweile wurde das Verfahren in Erlangen bei mehr als 200 Patienten angewandt.

Bei etwa 75 Prozent jener Menschen, deren Nierenleistung im Laufe der Zeit nachlässt, sind Diabetes und Bluthochdruck die Ursache dafür. Vor allem der Bluthochdruck kann weitere gefährliche Erkrankungen auslösen.


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Zwei Drittel der Schlaganfälle, jeder dritte Herzinfarkt, Herzschwäche, Rhythmusstörungen und Erblindungen gehen ebenfalls auf sein Konto. Neben Veranlagung können auch Übergewicht und Stress für Hochdruck verantwortlich sein.

Für die Nieren bedeutet das: Sind sie erst einmal geschädigt, so stehen die Chancen schlecht, dass sie sich je wieder erholen.

Bereits vor zwölf Jahren hatte Professor Schmieder das Verfahren der Nierennervenablation in Erlangen erstmals vorgestellt. Seit 2008 wird es weltweit angewandt und galt zeitweise als Wundermittel zur Bekämpfung von Bluthochdruck. Im Jahr 2014 jedoch folgte die Ernüchterung.

Laut einer großen US-Studie zeigte das Veröden der Nierennerven angeblich keine Wirkung. "Doch wir haben uns die US-Studie angesehen und festgestellt, dass sie große Mängel aufwies", sagt Schmieder. 70 Prozent der Patienten, deren Daten man auswertete, seien gar nicht vollständig behandelt worden.

Die Wirksamkeit bestätigt

Seitdem hat sich das Blatt erneut gewendet. Mehrere Studien weltweit haben die Wirksamkeit zur dauerhaften Senkung des Blutdrucks bestätigt. Sie gaben außerdem Hinweise darauf, dass auch nierenkranke Patienten von dem Verfahren profitieren.


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Patienten, die sowohl an schlecht eingestelltem Blutdruck als auch an einer eingeschränkten Nierenfunktion (mit Werten zwischen 30 und 60 Prozent) leiden, können unter bestimmten Voraussetzungen als Probanden in die Erlanger Studie, an der sich fünf Universitäten beteiligen, aufgenommen werden. Die Teilnahme ist für sie kostenlos.

Weitere Auskünfte geben Professor Roland Schmieder und sein Team unter der Telefonnummer 0 91 31/8 54 29 51. Interessenten können sich außerdem per Mail melden unter crc.m4@uk-erlangen.de

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