Club-Guzerl: Als Eckes die Kirsche ins HSV-Tor knallte

5.5.2021, 16:29 Uhr
So stand's am 9. März 1992 in den Nürnberger Nachrichten: Die Bayern bekamen Backenfett auf dem Betzenberg und verharrten in ungewohnten Tabellenregionen. Der Club hielt durch einen 2:0-Erfolg in Hamburg indes Anschluss an die Spitzengruppe.

So stand's am 9. März 1992 in den Nürnberger Nachrichten: Die Bayern bekamen Backenfett auf dem Betzenberg und verharrten in ungewohnten Tabellenregionen. Der Club hielt durch einen 2:0-Erfolg in Hamburg indes Anschluss an die Spitzengruppe. © NN

"Ich habe gute Spiele gegen den HSV gemacht - und meist ein Tor." Dieter Eckstein erinnert sich gerne an die Wohlfühl-Auftritte gegen die Rothosen. Im Mai 1991 behält sein Club zu Hause mit 3:1 die Oberhand. Zweikampfmaschine Uwe Wolf grätscht den Ball am Muttertag nach zwei Minuten über die Linie, widmet den frühen Führungstreffer seiner Mama. Eckes rundet nach einer Viertelstunde Nürnbergs Blitzstart ab. Die dazu passende Szene liefert der 57-Jährige prompt - auch wenn das dazu passende Gespräch mit nordbayern.de schon einige Zeit her ist: "Reiner Wirsching ist über rechts durchgegangen, hat vom Fünfer zurückgelegt. Ich musste nur noch einschieben." Dass er in der Schlussminute per Strafstoß noch an HSV-Keeper Richie Golz scheitert, trübte Ecksteins Freude damals nicht. Es ist eine Randnotiz, die der leidgeprüfte Sympathieträger schlicht vergessen hat.

Auch im März 1992 ist Nürnbergs Torgarant erfolgreich - diesmal im Volkspark. Rainer Zietsch hat den Club in Front gebracht. Eckstein sorgt mit Saisontreffer elf für die Entscheidung: Nach einem "tödlichen Pass von André Golke" sprintet er Didi Beiersdorfer davon, jagt den Ball zum 2:0 ins Kreuzeck. Der erste Sieg in Hamburg nach 25 Jahren ist bald danach aktenkundig. "Eine Mordsgeschichte", gab der Mann die mediale Begeisterung damals wieder, der im Juli 2011 dreizehn Minuten klinisch tot war.

Dass im Zweitliga-Bereich aus Nürnberger Sicht noch keine vergleichbaren Erfolgsgeschichten zu notieren sind, in der Statistik eine herbe 0:4-Heimklatsche, ein 1:4 und ein im damaligen Kontext allerdings achtbares 1:1 stehen, hängt vor allem damit zusammen, dass der HSV bis Sommer 2018 als einziger Klub seit Gründung der Bundesliga stets der Eliteklasse angehörte. Vor dem letzten Duell im Volkspark zumindest sprühte Eckstein vor Vitalität, nicht aber vor Zuversicht: "Ich zittere immer mit dem Club, aber irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass er dort was holt", sagte dieser am Telefon - und sollte Recht behalten.

Assistgeber Timmy Simons freut sich bereits. Almog Cohen drückt den Ball zum 2:0-Endstand über die Linie.

Assistgeber Timmy Simons freut sich bereits. Almog Cohen drückt den Ball zum 2:0-Endstand über die Linie. © Zink

Im eigenen Haus hatte der FCN seine Bilanz gegen die Rautenträger bereits im Januar 2011 aufpoliert. Timmy Simons stellte vom Elfmeterpunkt auf 1:0. Kurz darauf musste Gojko Kacar vom Feld - er hatte den durchbrechenden Robert Mak als letzter Mann gestoppt. Frank Rost lenkte den anschließenden Hegeler-Freistoß an die Latte. Hamburgs Schlussmann war jedoch machtlos, als Simons auf Almog Cohen passte und dieser aus der Nahdistanz seinen ersten Bundesliga-Treffer verbuchte.

Einige Nürnberger feierten gegen den HSV Torerfolge in mehrfacher Ausführung: Im Sommer 2004 stellte selbst ein Dreierpack von Marek Mintal beim turbulenten 3:4 in Hamburg allerdings keinen Punktgewinn sicher. Max Morlock, Franz Brungs und der erst vor der kurzer Zeit verstorbene Gustav Flachenecker ließen es je zweimal klingeln. Als der Gustl 1965 doppelt zur Stelle war, wurde er beim 5:0-Heimsieg gegen das Uwe-Seeler-Team nur von einem Mann getoppt: Goalgetter Heinz Strehl markierte die drei weiteren Treffer.

Ein Endspiel in drei Akten

1922 derweil hatte auch zwei Partien nicht gereicht, um im Finale um die Deutsche Meisterschaft einen Titelträger zu küren. In Berlin wirkte Hamburgs erster Treffer als Wachmacher für den FCN, der durch Heiner Träg mit dem Ausgleich antwortete. Nach dem 2:1 schien der dritte Meistertitel unter Dach und Fach, ehe sich der HSV doch noch in die Verlängerung rettete. In dieser ließen nicht nur die Kräfte der Spieler extrem nach. Als der Schiedsrichter erschöpft zusammenbrach, wurde der Final-Fight nach 190 Minuten abgebrochen.

Beim neuen Versuch in Leipzig waren keine 20 Minuten gespielt, als der Club nach einer Roten Karte dezimiert war. Nach 90 Minuten war erneut kein Sieger gefunden. In der Verlängerung nahm der Irrsinn seinen Lauf: Kugler verlor bei einer Kollision mehrere Zähne, auch “Boitl“ Popp schied verletzt aus. Torschütze Träg wurde vom Platz gestellt. Auf diesem standen nur noch sieben Cluberer. Die Regeln schrieben mindestens acht vor - Spielabbruch! Das Nachspiel am grünen Tisch wurde per Münzwurf für den HSV entschieden - dieser verzichtete auf den Titel.

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