Fußball

Taktiktafel: So könnte der FCN den VfL Bochum knacken

13.5.2021, 14:49 Uhr
Kreatives Herzstück des VfL Bochum: Robert Zulj ist der beste Vorbereiter der zweiten Liga.
 

Kreatives Herzstück des VfL Bochum: Robert Zulj ist der beste Vorbereiter der zweiten Liga.   © INA FASSBENDER, AFP

Wie war das Hinspiel?

Eine in der Entstehung unglückliche, in der Konsequenz aber verdiente 1:3-Niederlage für den 1. FC Nürnberg. Bochum glich direkt nach dem Führungstreffer durch Manuel Schäffler aus. Ging dann etwas weniger als zwanzig Minuten vor Schluss durch Robert Tesche in Führung, nachdem der Club selbst gute Chancen gehabt hatte. Darin kann man durchaus eine Mischung aus Pech für Nürnberg und gnadenloser Effizienz von Bochum erkennen. Dennoch ging die Niederlage in der Summe in Ordnung, wenn man die Spielanteile betrachtete.

Bochum hatte viel Ballbesitz im gegnerischen Verteidigungsdrittel. Der VfL zog sein gewohnt gefährliches Spiel auf. Die Qualität des Ballbesitzes sprach für die Gastgeber. Ebenso tat der Club sich schwer, die Außenbahnen zu verteidigen. Alle drei Gegentore hatten ihren Ursprung auf dem Flügel. Sowohl Handwerker als auch Valentini taten sich schwer, die schnellen Bochumer Außenspieler – Gerrit Holtmann und Danilo Soares auf rechts, Cristian Gamboa und Herbert Bockhorn auf links – in den Griff zu bekommen. Es fehlten Tempo und Zweikampfgeschick, um die entscheidenden Duelle zu gewinnen.

Was ist seitdem passiert?

Der VfL Bochum ist seinem Stil treu geblieben und hat weiter Erfolg. Mit einem Sieg gegen den FCN am Sonntag (15.30 Uhr, Liveticker auf nordbayern.de) kehrt der VfL auf jeden Fall zurück ins Oberhaus. Je nach Ausgang der anderen Spiele könnte sich das Team von Thomas Reis sogar eine Niederlage leisten. Erreicht hat der VfL das mit einem klaren System: Aus dem 4-2-3-1 heraus übt der VfL einerseits viel Druck auf den Gegner aus. In Sachen Pressing ist nur der SC Paderborn noch aggressiver als die Bochumer. Dabei sticht vor allem Bochums Angriffspressing hervor.

Das heißt, schon die gegnerischen Innenverteidiger – manchmal auch der Torwart – werden beim Aufbau angelaufen und gestört. Entweder führt das zu einer Balleroberung in Tornähe oder einem weiten Schlag unter Druck. Den fangen die Bochumer dann direkt ab oder erobern den zweiten Ball. Im Mittelfeld erobert niemand mehr Bälle als die Blau-Weißen. Nach Balleroberung spielt Bochum direkt in die Spitze und geht dabei meist den Weg über die Außen.

Dabei profitiert das Team aus dem Ruhrpott von seinem enormen Geschwindigkeitsvorteil - und das könnte gerade gegen die manchmal gedanklich langsame und hüftsteife Nürnberger Abwehr zum Problem werden. Dabei ist das Tempo nur eine Komponente des Bochumer Spiels, die andere ist: Geduld. Immer wieder streut der VfL Phasen des hohen Ballbesitz ein, um den Gegner zurechtzuspielen und dann ins Tempo zu gehen. Diese Mischung aus Abwarten und Überfall macht Bochum zur stabilsten Mannschaft der zweiten Liga und sehr wahrscheinlich auch zum Aufsteiger.

Wie kann man sie knacken?

Indem man das direkte Spiel zu seinen Gunsten nutzt. Denn der VfL hat dadurch gerade in der Spitze, aber auch im Mittelfeld eine hohe Zahl an Ballverlusten. Wenn der Gegner es schafft, die Bälle so abzufangen, dass er schnell umschalten kann, ist Bochum unter Druck. In den vergangenen Partien war es darüber hinaus so, dass man den VfL am ehesten mit schnellen Seitenverlagerungen über mehrere Stationen packen konnte. Der Club könnte quasi das Gegentor vom Montag zum 0:2 des HSV kopieren.

Die jungen Innenverteidiger Bella-Kotschap und Leitsch unterliegen weiterhin teilweise noch Leistungsschwankungen, sie könnten eine Schwachstelle sein. Dennoch kann die Bochumer Abwehr als eine der besten in der zweiten Liga gelten und es bedarf stets besonders guter Ideen, um gegen diese Defensive zu guten Chancen zu kommen.

Auf wen muss der Club aufpassen?

Robert Zulj. Der Ex-Fürther ist das kreative Herzstück des VfL Bochum. Mit 15 Torvorlagen ist der Österreicher der beste Vorbereiter der Liga. Da er auch noch auf 13 Tore kommt, ist Zulj in der Liste der Torbeteiligungen zusammen mit den Toptorjägern Serdar Dursun und Simon Terodde Spitzenreiter mit 28 Scorerpunkten. Zusätzlich kommt Zulj sogar noch auf sieben "Second Assists", also quasi Vorlagen zu Vorlagen. Das mag im ersten Moment eine verwirrende Begrifflichkeit sein, doch diese Art der Vorlage bekommt ein Spieler nur zugeschrieben, wenn sein Pass ein integraler Bestandteil des Angriffs war, der zum Tor führte.

So verwundert es dann auch nicht, wenn Zulj in allen offensiven Passkategorien (Pässe zu Abschlüssen, Pässe, die in Tornähe ankommen und Angriffsbeteiligung durch Passspiel) unter den besten zehn Spielern der Liga ist. Etwas, das sonst nur Aaron Hunt und Sonny Kittel vom HSV noch von sich behaupten können. Zuljs hohe Anzahl an Vorlagen rührt - neben der Tatsache, dass seine Standards oft sehr gefährliche Zuspiele darstellen - daher, dass keiner in der zweiten Liga mehr kreative Pässe und mehr Steckpässe spielt als er. Der 29-Jährige findet oft den richtigen Moment, um den Ball in den Lauf des Mitspielers zu bringen.

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