Europameister

Fürths EM-Trio: Raum resümiert sensationelle Saison

7.6.2021, 15:53 Uhr
Der schönste Moment: David Raum hält den EM-Pokal in die Höhe.

Der schönste Moment: David Raum hält den EM-Pokal in die Höhe. © Marton Monus, dpa

Trainer Stefan Kuntz hatte sie schon vorgewarnt. Wie das ist, wenn plötzlich der goldene Konfetti-Regen über einem ausbricht. Doch wirklich glauben wollten es seine jungen Fußballer noch nicht. Manche Erfahrungen muss man einfach selbst machen. Europameister werden zum Beispiel. Darauf kann man niemanden vorbereiten.


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"Der Trainer hatte es uns vorher schon beschrieben, wie das ist", sagt David Raum. Es war dann aber noch viel besser. "Wenn man seine Medaille abholt und schon direkt an dem Pokal vorbei läuft, fühlt sich absolut gut an. Dann kommt der Kapitän und reißt den Pokal nach oben, dazu das Konfetti." Es ist ein Moment, den der gebürtige Nürnberger niemals vergessen wird. Und einer, der ihn auf ewig mit seinen Teamkollegen Anton Stach und Paul Jaeckel verbindet.

Zusammen sind die Aufstiegshelden der SpVgg Greuther Fürth zur EM-Endrunde gereist. Während Raum in Viertelfinale (6:5 im Elfmeterschießen gegen Dänemark), im Halbfinale (2:1 gegen die Niederlande) und auch im Finale beim 1:0 über Portugal durchspielte, kam Stach einmal von Beginn an und zweimal von der Bank zum Einsatz. Jaeckel, der die Vorrunde im März noch verletzt verpasst hatte, stand nur gegen Dänemark auf dem Platz, erzielte im Elfmeterschießen aber den letzten Treffer.

"Wenn man für sein eigenes Land spielt, ist das Motivation genug"

Für die drei Fürther war es der finale Kraftakt nach einer anstrengenden Saison. Aufgeben war für Dauerläufer David Raum aber keine Option: "Wenn man erst einmal so einen Aufstieg erreicht hat, saugt man das auf. Und wenn man für sein eigenes Land spielen kann, ist das Motivation genug, auch weil man gesehen hat, wie viel Unterstützung aus Deutschland kam. Da fällt es einem nicht schwer, selbst über 120 Minuten zu gehen."

Gegen Portugal reichten zwar 90 Minuten, doch auch die hatten es in sich. Die DFB-Elf musste stark verteidigen, um die 1:0-Führung von Lukas Nmecha zu halten. "Champions gehen ihren Weg bis zum Ende. Jetzt sind sie Champions", sagte Trainer Stefan Kuntz tief gerührt nach einem unerwarteten, aber umso emotionaleren Triumph. "Dieser Jahrgang ist sehr verdient Europameister geworden." Durchschnittlich 4,75 Millionen Menschen sahen am Sonntagabend das Finale. Und auch im Stadion waren ein paar Deutschland-Fans dabei. Eine Gruppe hatte sogar ein Fürth-Transparent aufgehängt. "Das fand ich richtig cool, da musste ich kurz schmunzeln", sagt Raum.

"Uns wird diese Saison immer verbinden"

"Für uns drei hätte die Saison nicht besser laufen können." Im vergangenen Sommer hätten sich alle drei diese Erfolge noch nicht vorstellen können. Jaeckel, Stach und Raum reiften im Eiltempo zu Zweitliga-Stammkräften heran, stiegen mit der Spielvereinigung in die Bundesliga auf und sind jetzt U21-Europameister. "Nach dem Titelgewinn haben wir uns alle drei zusammengesetzt und in die Augen geschaut", erzählt Raum. Es war ein Moment des Innehaltens. "Uns wird diese Saison immer verbinden. Auch wenn wir jetzt verschiedene Wege gehen, darin werden wir immer vereint sein."

David Raum, den viele schon als die neue Linksverteidiger-Hoffnung für die Nationalmannschaft sehen, wechselt zur TSG Hoffenheim, Paul Jaeckel schließt sich Union Berlin an, nur Anton Stach kehrt nach Fürth zurück. In der Bundesliga werden sich alle drei also wiedersehen, wenn auch in verschiedenen Trikots. Zuvor geht es nun aber endlich in den Urlaub - nach der zweiten großen Party.


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"Die Nacht habe ich nicht viel geschlafen", sagt David Raum am Montagnachmittag. Nachdem die Mannschaft lange im Stadion gefeiert hatte, ging es noch ins Hotel, Familie und Freunde kamen hinzu. Auch Raums Freundin war dabei. "Nach dem Kater-Frühstück ging es zum Flughafen." Gerade ist die U21 mit dem Flugzeug in Deutschland gelandet, da nimmt sich der 23-Jährige noch Zeit für ein kurzes Telefonat. Die Eindrücke vom EM-Finale muss er erst noch verarbeiten, "das dauert ein paar Tage. Wenn ich am Pool liege, werde ich das sacken lassen". Seine Medaille jedenfalls will Raum in den Urlaub mitnehmen.

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