Kia Stinger: Vom Nürburgring auf die linke Spur

14.10.2017, 13:06 Uhr
Nicht nur vernünftig: Mit der Sportlimousine Stinger will Kia sein Image in puncto Dynamik schärfen.

Nicht nur vernünftig: Mit der Sportlimousine Stinger will Kia sein Image in puncto Dynamik schärfen. © Hersteller

Für Kia ist die Sportlimousine mehr als einfach nur ein weiteres Modell. "Wir wissen, dass der Stinger in einem umkämpften Segment antritt, doch als neues Flaggschiff unserer Marke soll er vor allem auf die gesamte Modellpalette abfärben", erklärt ein Unternehmens-sprecher. Der Stinger rollt also als Imageträger vor.

Den sportlichen Anspruch unterstreichen die drei Antriebsalternativen: An der Spitze steht ein 3,3 Liter-V6-Zylinder mit 272 kW/370 PS, der in 4,9 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt und seinen Vorwärtsdrang erst bei 270 km/h einstellt. Auch die anderen Motorisierungen gehören zu den sportlichen Vertretern ihrer Art. Als Basismotorisierung kommt ein Zweiliter-Turbo mit 188 kW/255 PS zum Einsatz, der immerhin noch eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h erreicht. Die Diesel-Fraktion vertritt ein 2,2-Liter-Vierzylinder mit 147 kW/200 PS, der maximal 230 km/h schnell läuft.

Der Stinger stellt bis zu 370 PS bereit. Dann schafft er Tempo 270.

Der Stinger stellt bis zu 370 PS bereit. Dann schafft er Tempo 270. © Hersteller

Runden auf dem Nürburgring

Die 4,83 Meter lange Sportlimousine hat tatsächlich die Kraft zur Überraschung in sich und bringt ihre Leistung souverän auf die Straße. Wer die sportlichen Werte konsequent abruft, ist überrascht von der überlegenen Kraftentfaltung der verschiedenen Antriebe, wobei der große Sechszylinder natürlich heraussticht, der sich sportlich gefahren ebenso angenehm anfühlt wie beim gemütlichem Promenieren. Und beim Verzögern greift die Brembo-Bremsanlage ein. Offensichtlich zahlen sich die zahllosen Runden auf dem Nürburgring, wo Fahrwerk und Antrieb verfeinert wurden, aus. Dank des angenehm abgestimmten Fahrwerks lässt sich der Stinger zügig auch über kurvenreiche Strecken steuern und verschont dabei seine Insassen von den mitunter starken Defiziten der Infrastruktur. Lediglich die lauten Abrollgeräusche der Reifen stören den ansonsten angenehmen Eindruck.

Selbst bei den schwächeren Versionen stellt sich nie das Gefühl mangelnder Leistung ein. Auch als Diesel – nach Erwartungen der Kia-Verantwortlichen der Bestseller in der Modellreihe – zieht der Stinger ordentlich seine Kreise und besitzt stets ausreichend Leistung, die akustisch sehr dezent an die Hinterräder gebracht wird. Die linke Autobahnspur hat einen neuen Stammgast.

Die in allen Versionen serienmäßige Lederausstattung betont den Premiumcharakter.

Die in allen Versionen serienmäßige Lederausstattung betont den Premiumcharakter. © Hersteller

Lederausstattung serienmäßig

Im Innenraum hebt sich das Design nicht wesentlich von dem in diesem Segment üblichen Standard ab. Alle Instrumente sowie Hebel und Schalter sind da, wo man sie vermutet, wobei das serienmäßige Head-Up-Display in der Frontscheibe, das alle wichtigen Fahrinformationen – von der Navigation bis zu den Verkehrszeichen – anzeigt, die Konzentration auf das Verkehrsgeschehen deutlich unterstützt. Der freistehende Acht-Zoll-Touchscreen in der Mitte des Armaturenbretts wirkt zunächst etwas deplatziert, doch liegt er so genau im Blickfeld des Fahrers, dass auch dort Informationen problemlos abgelesen werden können. Die in allen Versionen serienmäßige Lederausstattung betont den Premiumcharakter des Kia, und die tiefe Sitzposition der gut konturierten Sitze – mutig in Zeiten der SUV-Welle – unterstreicht den sportlichen Charakter der Limousine, in der fünf Personen dank des großzügigen Radstands samt Gepäck ausreichend Platz finden.

Lange Liste an serienmäßigen Komponenten

Selbst bei den schwächeren Versionen stellt sich nie das Gefühl mangelnder Leistung ein.

Selbst bei den schwächeren Versionen stellt sich nie das Gefühl mangelnder Leistung ein. © Hersteller

Die Preisliste beginnt bei 43.990 Euro für den Zweiliter-Benziner. Der Diesel startet bei 44.990 Euro, und für das Topmodell verlangt Kia 54.900 Euro. Bei der Ausstattung kommen wahrscheinlich auch Stammkunden deutscher Premiummarken ins Nachdenken. Die Liste der serienmäßigen Komponenten ist mindestens so lang wie die Aufpreisliste der Mitbewerber. Der Stinger kommt unter anderem mit Lederausstattung, elektrisch einstellbaren Vordersitzen mit Memoryfunktion, Zweizonen-Klimaautomatik, Tempomat mit Stopp-and-Go-Funktion, Achtzoll-Kartennavigation, Audiosystem mit neun Lautsprechern, Rückfahrkamera und einer elektrisch zu betätigenden Heckklappe sowie eine in diesem Segment übliche Sicherheitsausstattung. Nicht zuletzt ist die Achtgang-Automatik serienmäßig an Bord.

Von der Studie in die Serie: Wie so oft begann der Stinger sein Dasein als Kia-Designstudie. Nach dem Auftritt vor sechs Jahren auf der Messe IAA in Frankfurt als "Studie GT" sagten ihm viele Betrachter das häufig triste Schicksal des Designer-Exemplars voraus. Sobald das Scheinwerferlicht erlöscht, verstauben die schnittigen Karossen meist und sind bald vergessen. Doch mitunter stehen diese Modelle, bei denen die Designer ihre ganze Kreativität zeigen können, für einen Aufbruch in neue Segmente. Und jetzt rollt die Serienversion der Sportlimousine tatsächlich in die Modellpalette des südkoreanischen Herstellers. Nicht zuletzt will die Marke Kia mit der viertürigen Stinger-Limousine auch ihrem Slogan „Power to Surprise“ (Kraft zu überraschen) gerecht werden.

Ingo Reuss

Kia Stinger in Kürze:

Wann er kommt: Ende Oktober 2017

Wen er ins Visier nimmt: Audi A5, 4er BMW

Was ihn antreibt: Benziner mit 255 und 370 PS, Diesel mit 200 PS

Was er kostet: Ab 43.990 Euro

 

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