Porsche Taycan Cross Turismo: Erste Ausfahrt im Shooting-Brake

1.5.2021, 16:30 Uhr
Kletterfähig: So schmutzig dürfte sich der Taycan Cross Turismo freilich selten machen.

Kletterfähig: So schmutzig dürfte sich der Taycan Cross Turismo freilich selten machen. © Hersteller

In der schwäbischen Luft liegt Schotterstaub, steil ragt das Gestein empor, Zelte vermitteln die Atmosphäre eines Offroad-Camps: Ein solches Szenario kennt man eigentlich aus dem Umfeld von Land Rover & Co. Doch unten, im kleinen Talkessel des nahe Künzelsau gelegenen "Adventure Steinbruchs", kraxelt ein Porsche über die Erdhügel und macht sich bereit für den Aufstieg. Angestrengte Arbeitsgeräusche erlauscht das Ohr nicht, denn der Bergsteiger auf Rädern bewegt sich elektrisch voran.

Schöner Rücken

Cross Turismo heißt er, Porsche hat ihn von seiner sportlichen Elektro-Limousine Taycan abgeleitet. Bis zur B-Säule gleichen sich die beiden Brüder, dann aber mündet die nach hinten abfallende Dachlinie des Taycan Cross Turismo in den eleganten Rücken eines Shooting Brakes.

Auch als Cross Turismo (CT) bleibt der Taycan das, was er nun einmal ist: Ein ungemein leistungsstarker Luxus-Stromer und derzeit vielleicht das ultimative Elektroauto schlechthin. Dass die Porsche-Ingenieure speziell dem CT eine gewisse Kompetenz fürs Gelände anerzogen haben (dazu später mehr), hat mit seiner Zielgruppe zu tun: Im Unterschied zur Limousine wendet sich der Cross Turismo einerseits an solvente Familien mit erhöhtem Platzbedarf, andererseits aber auch an Menschen, denen auf dem Weg zu freizeitlichen Aktivitäten wie Mountainbiken oder Surfen nicht immer glattgebügelter Asphalt ausgerollt wird.

Gut in Form: Das Heck ist die Schokoladenseite des Taycan Cross Turismo.

Gut in Form: Das Heck ist die Schokoladenseite des Taycan Cross Turismo. © Hersteller

Sollte der Platz im 490 bis 1212 großen Kofferraum und im 84-Liter-Zusatzfach vorne nicht ausreichen, lässt sich auf der aufpreispflichtigen Reling eine Dachbox montieren, die spezielle Performance-Ausführung mit Quertraversen ist bis 200 km/h freigegeben.  Einen Anhänger kann der Cross Turismo zwar nicht in den Schlepp nehmen, das Zubehörprogramm bietet aber einen Fahrradträger für bis zu drei Bikes an (inklusive Vorrichtung knapp 2300 Euro), der sich auch dem Öffnen der Heckklappe nicht in den Weg stellt.

Angereist zum Abenteuerspielplatz im Steinbruch sind wir aus Porsche-City - Zuffenhausen ist keine 100 Kilometer entfernt. Es frühlingt, auf kurvenreichen Umwegen stromern wir durchs Hohenloher Land. Für unsere erste Ausfahrt haben wir das CT-Einstiegsmodell gewählt – nun ja, zumindest das, was bei Porsche ein Einsteiger ist: Der Taycan 4 Cross Turismo fährt 280 kW/380 PS auf (Overboost-Leistung bei Launch-Control bis zu 350 kW/476 PS), er produziert ein maximales Drehmoment von 500 Newtonmetern, rennt in 5,1 Sekunden von 0 auf 100 und schafft eine Spitze von 220 km/h.

Huckepack genommen: Dem Radträger lassen sich drei Bikes aufbürden, diese hier kommen von Porsche selbst.

Huckepack genommen: Dem Radträger lassen sich drei Bikes aufbürden, diese hier kommen von Porsche selbst. © ule

Darüber angesiedelt finden sich Taycan 4S Cross Turismo (360 kW/490 PS) und Turbo Cross Turismo (460 kW/625 PS), ganz oben in der Leistungsskala präsidiert der Turbo S Cross Turismo, ebenfalls 460 kW/625 PS stark, aber mit einer Overboost-Leistung von 560 kW/761 PS gesegnet.

Der aufmerksame Leser wird es registrieren: Auch wenn es bei einem Elektroauto ein völliger Anachronismus ist, lässt Porsche bei den stärkeren Modellen nicht von der Namensgebung "Turbo" ab. Der Begriff sei halt ein Synonym für "schnell", sagt Porsche-Sprecher Mayk Wienkötter, und ja, dem kann man zustimmen.

Allradantrieb ist obligatorisch

Alle Cross Turismos arbeiten mit zwei E-Maschinen an Vorder- und Hinterachse, daraus ergibt sich Allradantrieb, eine rein heckgetriebene Basisvariante wie von der Limousine gibt es nicht.

So edel geht es im Interieur des Taycan CT zu.

So edel geht es im Interieur des Taycan CT zu. © Hersteller

Einstiegsmodell also, sagen wir uns, und bringen das so gar nicht zusammen mit dem fulminanten Maß an Fahrfreude, das uns der Cross Turismo beschert. Zurückhaltend flüstert er noch über die geschwindigkeitsbegrenzte A 81, später, als auf der A6 Richtung Nürnberg das Tempolimit fällt, staunen wir über die Mühelosigkeit und Eleganz der Beschleunigung, tolle Kraft voraus. Und wo sich zwischen Löwenstein und Öhringen die Landsträßchen durch die Gegend schlängeln, setzt Porsches allradgetriebener Shooting Brake seine fahrtechnische Präzision, Leichtfüßigkeit und mitteilsame Lenkung bravourös in Szene. Querfuge voraus? In Erwartung einer durchschlagenden Erfahrung ziehen wir den inneren Kopf ein, aber die in allen Modellen serienmäßige adaptive Luftfederung mit elektronischer Dämpferregelung nimmt solche Störstellen in bandscheibenschonender Zuvorkommenheit auf.

456 Kilometer Reichweite

Der schnellste unter seinen Geschwistern ist der 4 Cross Turismo nicht, aber der reichweitenstärkste, 456 Kilometer kommt er gemäß WLTP weit. Bei vollgeladenem Akku verspricht der Bordcomputer 320 Kilometer, ein Wert, der freilich auf Basis jenes Fahrverhaltens berechnet worden ist, das unsere Vor-Fahrer gepflegt haben. Nach 134 Kilometern werden wir 128 Kilometer Reichweite abgeschmolzen und im Schnitt 26,3 kWh Strom verbraucht haben.

Laden mit 800-Volt-Technologie

Der in allen Modellen verbaute 93,4-kWh-Akku wird an der Wallbox mit bis zu 11 kW Wechselstrom (AC) befüllt, optional ist ein Onboard-Lader mit 22 kW verfügbar. Auch der Cross Turismo arbeitet mit einem besonders leistungsstarken 800-Volt-System, wer das Glück hat, eine entsprechend ertüchtigte DC-Ladesäule – derzeit sind sie noch rar – vorzufinden, profitiert von bis zu 270 kW Ladeleistung. Rund 22 Minuten reichen dann, um von 5 auf 80 Prozent Ladestand zu gelangen. Der Taycan beherrscht die Kunst des Vorkonditionierens, besonders bei aktivierter Zielführung, denn dann sind die Batteriezellen bei der Ankunft an der Schnellladestation exakt so temperiert, dass der "Tankvorgang" schnellstmöglich vonstatten geht.

Leichte Übung: Klettern über Stock und Stein.

Leichte Übung: Klettern über Stock und Stein. © Hersteller

Zum Abschluss unserer Fahrt unternehmen wir ein Ausflug in den Steinbruch: Ein geländefester Haudegen wie der Land Rover Defender will der luxuriöse Taycan Cross Turismo nicht sein, die Herausforderungen leichteren Geländes meistert er aber souverän und verlässlich. Als hilfreich erweist sich auf solchen Abwegen der serienmäßige "Gravel Mode", der diverse Fahrwerksysteme beeinflusst, per Karosserielift aber auch die Bodenfreiheit um 30 Millimeter vergrößert.

Die Preise für den Taycan Cross Turismo beginnen bei 93.635 Euro, elektrisch anklappbare Außenspiegel sind da noch ebensowenig inbegriffen wie ein Trennnetz oder das fast 1600 Euro teure Head-up-Display – man ahnt, wo das enden kann. Immerhin kann sich der Kunde bei der Bestellung eine gewisse Vergesslichkeit leisten. Manche Features lassen sich nämlich per "Functions on Demand" noch nachträglich online aufspielen – die aktive Spurführung beispielsweise, der intelligente Reichweitenmanager (PIRM) oder der sogenannte InnoDrive, der die Geschwindigkeit automatisch an Tempolimits, Kurven oder Stopp-Schilder anpasst.

Keine Vergesslichkeit leistet sich hingegen der Taycan selbst: Per Tastendruck kann der Kunde jene Stellen einspeichern, an denen er regelmäßig eine Anhebung des Fahrzeugniveaus wünscht – vor der Garagenauffahrt beispielsweise oder den Fahrbahnschwellen auf dem Weg zur Arbeit. Die Smart-Lift-Funktion behält das im Gedächtnis – und stellt an den entsprechenden Orten automatisch mehr Bodenfreiheit bereit.

Ulla Ellmer

Porsche Taycan Cross Turismo:

Wann er kommt: Im Sommer 2021

Wen er ins Visier nimmt: Als elektrischer Shooting-Brake der sportlichen Luxusklasse hat der CT derzeit keine Mitbewerber

Was ihn antreibt: Elektromotoren mit 280 kW/380 PS (4 Cross Turismo), 360 kW/490 PS (4S Cross Turismo), 460 kW/625 PS (Turbo Cross Turismo) und 460 kW/625 PS (Turbo und Turbo S Cross Turismo). Batteriekapazität 93,4 kWh.

Was er kostet: Ab 93.635 Euro.