Rinspeed tüftelt am Robo-Mini

3.1.2019, 14:15 Uhr
Rinspeed Micro Snap: Der Robo-Mini setzt sich aus Fahrgestell (

Rinspeed Micro Snap: Der Robo-Mini setzt sich aus Fahrgestell ("Skateboard") und austauschbaren Aufbauten ("Pods") zusammen. © Hersteller

Den großen Bruder des "Micro Snap" hat Rinderknechts Firma Rinspeed bereits vor Jahresfrist präsentiert. "Snap" hieß der, und hat seine Grundidee an die jetzt vorgezeigte kleinere Version weitergegeben. Auch der Micro Snap setzt sich aus einem elektrisch angetriebenen Fahrgestell ("Skateboard") und verschiedenen austauschbaren Aufbauten ("Pods") zusammen, die je nach Einsatzzweck Kühlmodule sein können, aber auch Medizinmodule, Transportboxen oder Passagierkabinen. Den Wechsel der Pods übernimmt eine selbstständig arbeitende Roboterstation.

Das Fahrwerk lebt nicht lang

Während die Aufbauten einem längeren Leben entgegensehen, sollen die Skateboards nach verhältnismäßig kurzer Zeit aus dem Gebrauch genommen und recycelt werden. Grund: Das Fahrwerk enthält verschleiß- und alterungsanfällige Komponenten wie die zum autonomen Fahren notwendige IT-Technik, die relativ bald an der Grenze ihrer Betriebsdauer angelangt sind.

Geht ganz schnell: Roboter übernehmen den Austausch der Aufbauten.

Geht ganz schnell: Roboter übernehmen den Austausch der Aufbauten. © Hersteller

Für die letzte Meile

War der Snap noch in der Größenordnung eines Kleinbusses angesiedelt, so beschränkt sich der Micro Snap in etwa auf die Dimensionen eines Renault Twizy. Die Zeit der großen Lieferwagen sei vorbei, glaubt der für seine ungewöhnlichen Ideen bekannte Rinderknecht, und rechnet in der Zukunft stattdessen mit "kleinen autonomen Fahrzeugen, die ausschwärmen und ihr Gut ?just in time? zum Kunden bringen", auf der berühmten "letzten Meile" also. Aber nicht nur die urbane Logistik, sondern auch der Personenverkehr werde sich wandeln, dabei aber individualisiert bleiben: "Viele Passagiere wollen keine Sammeltaxis, die systembedingt zeitintensive Umwege fahren müssen", sagt der Zürcher Ingenieur.

Wer in einer der zweisitzigen "Robo Units" Platz nimmt, genießt allerlei Komfort, von der Spracheingabe über gängige Systeme wie Alexa, Siri, Bixby oder Cortana; die visuelle Interaktion erfolgt über ein "gecurvtes", sich über die gesamte Fahrzeugbreite ziehendes 49-Zoll-LED-Display, und weil sich die Passagierkabine in zwei separate Soundzonen aufteilen lässt, kann jeder Insasse sein eigenes Unterhaltungsprogramm goutieren, ohne dabei den Mitfahrer zu stören. Die Insassenerkennung und Personalisierung wiederum erfolgt topmodern via Iris-Scanner.

Den Antrieb des maximal 75 km/h schnellen Micro Snap übernimmt ein an der Hinterachse platzierter Elektromotor, dessen Leistungsfähigkeit bei 13 kW/17,7 PS liegt und der von einem 5,1 kWh großen Lithium-Ionen-Akku mit Energie versorgt wird. Damit soll eine elektrische Reichweite von 95 Kilometern möglich sein.

Partner aus der Autoindustrie

Für sein inzwischen 25. Konzeptfahrzeug hat sich Frank M. Rinderknecht wieder namhafte Partner aus der Automobil- und Zulieferindustrie ins Boot geholt. Die Roboterstation kommt von Kuka aus Augsburg, die mit der Außenwelt kommunizierende Lichttechnologie von Osram, der 48-Volt-Elektromotor von Mahle, das Thermomanagement von Eberspächer und das Soundsystem von Harmann. Auch das US-Unternehmen Gentex ist dabei, es liefert den Iris-Scanner und die dimmbaren Scheibenelemente, die übrigens auch im Boeing Dreamliner zum Einsatz gelangen.

Und wie sieht es mit der Serienproduktion aus? Man führe Gespräche mit Investoren, sagt Rinderknecht etwas diffus, auch ein Start-up sei geplant. Dass die Grundidee hinter Snap und Micro Snap so schlecht nicht ist, hat indirekt schon Daimler bestätigt. Auf der Nutzfahrzeug-IAA stellte man die - deutlich größere - Studie "Urbanetic" vor, auch sie fährt elektrisch und autonom, und auch sie kann sich dank austauschbarer Aufbauten vom Passagiertransporter zum Lastenträger wandeln.

ule

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