Handball-Bundesliga

Einmal HCE und zurück: Ritschel genoss das Abenteuer

12.6.2021, 20:33 Uhr
Das Tüpfelchen auf dem i: Matthias Ritschel durfte noch einmal in der Bundesliga ran, ausgerechnet gegen Wetzlar.

Das Tüpfelchen auf dem i: Matthias Ritschel durfte noch einmal in der Bundesliga ran, ausgerechnet gegen Wetzlar. © Sportfoto Zink / Oliver Gold, Sportfoto Zink / OGo

Manchmal, da musste er selbst ungläubig den Kopf schütteln. Matthias Ritschel saß dann abends mit Benjamin Meschke in einem Erlanger Hotel zusammen und gemeinsam wunderten sie sich, wie schnell sich diese Welt dreht. Sie freuten sich aber auch gemeinsam über diese Chance, noch einmal in der Handball-Bundesliga ranzudürfen, noch einmal Teil eines Profi-Kaders zu sein. Meschke hatte diesen Traum nie aufgegeben, er wollte zurückkommen nach einer schweren Verletzung, Ritschel hingegen hatte seine Profikarriere eigentlich schon beendet.


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Das Schicksal und das Verletzungspech beim HC Erlangen brachte sie beide zusammen, der Verein verpflichtete kurzerhand vereinslose aber auch erfahrene Spieler. Während Meschke noch immer ein Teil der Mannschaft ist, ist das Engagements Ritschels schon wieder beendet, nach nur gut drei Wochen. "Es ging in dieser Zeit einfach darum, dass wenigstens ein Torhüter da ist, sollten die anderen ausfallen", erklärt Ritschel. Klemen Ferlin, der Stammkeeper, war bereits ausgefallen, er arbeitet sich nun aber wieder zurück - weshalb Ritschel nicht mehr gebraucht wird.

Und trotzdem fühlte er sich gebraucht in dieser kurzen Zeit. "Nach diesem Corona-Jahr mit der räumlichen Trennung von Freunden plötzlich wieder andauernd von Menschen umgeben zu sein, das war ein sehr, sehr schönes Gefühl", sagt Ritschel. "Von 0 auf 100" sei es für ihn gegangen, als es kurz nach seiner Verpflichtung mit auf den viertägigen Auswärtstrip nach Mannheim und Minden ging.


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"Das positive Mannschaftsgefühl, die Profibedingungen, andauernd mit anderen zusammen zu sein, das habe ich sehr genossen. Und ich bin wirklich dankbar dafür." Dass der Deal für beide Seiten aufging, bestätigt auch Trainer Michael Haaß: "Ritschi hat es hier sichtlich Spaß gemacht. Für uns war es super, dass in dieser schwierigen Phase frischer Wind von außen, neues Feuer dazukam."

Wetzlar, Online-Shops, Bundesliga

Eigentlich hatte Ritschel seine aktive Laufbahn für beendet erklärt. Sein Lebensmittelpunkt liegt seit Beginn der Coronapandemie und dem Ende einer fünfmonatigen Asienreise in Wetzlar, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin hat sich der 35-Jährige selbstständig gemacht. "Wir bauen Websites und Online-Shops", sagt Ritschel über sein "normales Leben", wenn er mal nicht für drei Wochen als Profihandballer einspringt. Als René Selke angerufen hat, der Geschäftsführer des HCE, musste Ritschel aber nicht lange nachdenken. "Es hat einfach gepasst."

Dass er im Heimspiel gegen Wetzlar sogar noch für wenige Minuten eingesetzt wurde, "war das Tüpfelchen auf dem I. Ich konnte das zu 100 Prozent genießen." Seinen nun ehemaligen Teamkollegen wünscht Ritschel vor allem: viel Gesundheit. "Das ist das allerallerwichtigste." Sagte er und verschwand im Meer. Ritschel befindet sich gerade auf einer Sprachreise auf Ibiza. Und die Welt dreht sich weiter.

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