Handball-Bundesliga

Rolle rückwärts: Wie Stefan Lex zum HCE kam

5.6.2021, 06:00 Uhr
Zurück in der Bundesliga: Stefan Lex gibt seine Erfahrung gerne weiter. Und genießt diese Wochen sehr.

Zurück in der Bundesliga: Stefan Lex gibt seine Erfahrung gerne weiter. Und genießt diese Wochen sehr. © Sportfoto Zink / Oliver Gold, NN

Etwa 15 Minuten waren im Derby gegen Coburg gespielt, da zeigte Stefan Lex, was er dem HC Erlangen geben kann. Seine neuen Teamkollegen lagen gegen den Tabellenletzten zurück in diesem für den Verein immens wichtigen Handballspiel, als Lex sagte: "Lasst uns Spaß haben." Zu verkrampft kam dem 31-Jährigen die Anfangsphase vor, die Bedeutung des Spiels schien den ein oder anderen zu lähmen. Es wurde dann danach tatsächlich besser: Der HC Erlangen drehte die Partie und holte sich den Derbysieg, was natürlich nicht nur, aber eben auch an Stefan Lex lag.

Eigentlich hatte der ausgebildete Speditionskaufmann seine Profi-Karriere nach Jahren in Hüttenberg, Ludwigshafen, Coburg und Hamm schon für beendet erklärt und auch der Plan für die Karriere danach stand: In der Oberliga wollte Lex mit alten Weggefährten noch etwas weiterspielen, auch um den Körper "abzutrainieren", wie er sagt. Und dazu ein Job als Disponent.

Es kam dann aber doch alles ganz anders: Die Oberligen der Republik ruhen pandemiebedingt und außerdem hatte der HC Erlangen ein Verletzungsproblem. Nach und nach brachen dem Bundesligisten die Spieler weg, im rechten Rückraum hielt wochenlang einzig und allein Daniel Mosindi die Stellung. Die Vereinsführung hielt die Augen offen nach kurzfristigen Lösungen, doch als sie Lex zum ersten Mal kontaktierte, sagte dieser ab. "Meine Kleine war grad frisch auf die Welt gekommen", erklärt der zweifache Familienvater Lex seine Prioritäten. "Da hat es einfach aus privaten Gründen nicht gepasst." Der HC Erlangen blieb aber hartnäckig und fragte einige Wochen später noch einmal an. Und diesmal sagte Lex zu.

Des Trainers Grinsen

Seitdem lebt er mit seiner Familie im Hotel in Erlangen und genießt die wohl letzten Bundesligawochen seines Spielerlebens. Als "superschön" beschreibt der Linkshänder das Gefühl bei seinem ersten Mannschaftstraining, er schätzt die Geselligkeit und das Privileg, Sport in einer Halle ausüben zu dürfen. Gegen die Füchse Berlin durfte Lex erstmals seit Monaten wieder spielen und treffen, im Derby gegen Coburg feierte er den ersten Sieg mit seiner neuen Mannschaft, der er bis zum Saisonende angehört. "Das war für die Mannschaft enorm wichtig, für den Verein aber noch wichtiger", erklärt Lex. "Wir haben nach zwei schwächeren Spielen gesehen, dass wir noch gewinnen können. Und unser Trainer hat nach dem Spiel gar nicht mehr aufgehört zu grinsen."

Ihr Trainer heißt Michael Haaß und ist froh über die zusätzlichen Optionen, die ihn die kurzfristig verpflichteten Spieler wie Lex oder auch Benjamin Meschke und Matthias Ritschel bieten. "Die Jungs haben so lange kein Handball mehr gespielt, dass sie eine unglaubliche Freude mitbringen." Und: "Sie helfen uns."

Das gilt bei Lex auf und neben dem Platz, wo er Mosindi entlasten soll. "Für Daniel ist es wichtig, dass er nach zwei oder drei verworfenen Bällen auch mal auf die Bank kommen und etwas pausieren kann", sagt Lex, der genau in diesen Situationen reinkommt und mit seiner Rolle vollkommen zufrieden ist.

Nach dem Coburg-Spiel hat Haaß seiner Mannschaft ein paar Tage frei gegeben. Was Lex in dieser Zeit macht? Mal einen "Kaffee trinken, mit den Kindern etwas unternehmen." Spaß haben eben.

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