Schild mit Wirkung

25 Euro pro Fremdgetränk: So sorgt ein fränkischer Wirt für Ordnung im Lokal

Profilbild Katrin Wiersch
Katrin Wiersch

E-Mail zur Autorenseite

25.10.2021, 15:26 Uhr
Mit dem Wegbier ins Lokal? Ein Bamberger Wirt spricht jetzt bereits am Eingang Tacheles und weist darauf hin, 25 Euro für jedes Fremdgetränk zu berechnen.

Mit dem Wegbier ins Lokal? Ein Bamberger Wirt spricht jetzt bereits am Eingang Tacheles und weist darauf hin, 25 Euro für jedes Fremdgetränk zu berechnen. © Angelika Warmuth

Die ausgewiesene Etiquette auf der Webseite des Bamberger Traditionslokals ist eindeutig: Im Alt-Ringlein in der Dominikanerstraße werden keine Junggesellenabschiede bedient. Bereits betrunkene Gäste müssen wieder gehen. Gegröle sowie Würfel- und Kartenspiel bittet der Besitzer Rudolf Christel zu unterlassen. Und: Mitgebrachte Speisen und Getränke dürfen nicht verzehrt werden.

Im Alt-Ringlein in Bamberg weist ein Schild auf die Berechnung von mitgebrachten Speisen und Getränken hin.

Im Alt-Ringlein in Bamberg weist ein Schild auf die Berechnung von mitgebrachten Speisen und Getränken hin. © Rudolf Christel

Insbesondere der letzte Punkt ist in Gasthäusern und Restaurants eigentlich selbstverständlich. Doch in der Dominikanerstraße, einer belebten Kneipenstraße in Bamberg, scheinen andere Gesetze zu gelten. Deshalb hat sich Gastwirt Rudolf Christel dazu entschieden, vor der Tür ein Hinweisschild aufzustellen. "25 Euro berechnen wir je Fremdgetränk oder -speise." Darunter steht dasselbe noch einmal auf Englisch. "Seitdem das Schild da steht, ist die Lage etwas entspannter. Allein, weil wir auf das Schild verweisen können", sagt Christel auf Nachfrage.

Es herrscht eine spezielle Situation in der Straße. Viele Lokale um das Alt-Ringlein schenken Stehbier aus. Die meisten Wirte verkaufen das Bier in Gläsern, andere reichen nur Flaschen. Beim Wirt gegenüber des Alt-Ringleins dürfen teilweise auch Speisen mitgebracht werden, sagt Christel. Das könne mitunter zu Verwirrung bei den Besuchern führen.

In den vergangenen Wochen jedoch sei die Situation immer schlimmer geworden, so der Wirt. Betrunkene ließen Gläser, Flaschen und Becher in der Toilette, die sich in der Nähe des Eingangs befindet, stehen oder zeigten sich uneinsichtig, wenn sie ihren Bierkasten doch bitte draußen lassen sollten. Gäste seien auch mit Döner, Eis oder anderem Essen im Raum gestanden und wollten sich damit an einen Tisch setzen.

Für das Personal bedeute dies jedes Mal einen Tag mit viel Diskussion und Stress. Immer wieder müssten sie sich erklären, warum Speisen und Getränke, die von Draußen mitgebracht werden, im Alt-Ringlein nicht geduldet sind. Und so mancher Gast sei auch körperlich aggressiv geworden. "Anfang Oktober hatten wir mal wieder eine fliegende Bierflasche bei uns im Gang", sagt Christel. Er rief die Polizei.

Mit dem Schild ist jetzt ein bisschen mehr Ruhe ins Restaurant eingekehrt. Die Reaktionen der Gäste auf das Schild? "Das kommt auf den 'Füllstand' an", sagt der Gastwirt. "Einige sehen das Schild und beachten es, andere reagieren erst wenn sie angesprochen werden. Die Reaktion reicht von einem wortlosen Verschwinden, über ein erschrockenes 'Oh, wo steht denn das?' oder bis zu nicht druckreifen Aussagen." Die Endlosdiskussionen mit Betrunkenen werde es weiterhin geben, gibt sich Christel realistisch. Berechnet habe er bisher noch kein Fremdgetränk. Die Situation ließ sich bis jetzt immer vorher lösen.

Der Gastwirt versucht, seinen Humor nicht zu verlieren in der Situation. "Bamberg wirbt mit Kultur und Bier. Einige verstehen hier nur Kultur ist gleich Bier." Wegbier sei eine Modeerscheinung. Da sei etlichen Leuten gar nicht mehr bewusst, dass sie ihre Getränke nicht mit ins Lokal nehmen dürfen.

Alkoholverbot in Bamberg

In die Schlagzeilen geriet im Sommer 2021 auch die Untere Brücke in Bamberg, nur eine Gehminute von der Dominikanerstraße entfernt. Um gegen die Feiernden vorzugehen, hatte die Stadt Bamberg bereits Mitte Juli ein Alkoholverbot ab 22 Uhr in vielen Bereichen der Innenstadt verhängt. Der Stadtrat hatte sich für das Konzept einer Freischankfläche auf der Unteren Brücke ausgesprochen. Auf der Brücke sollten beidseitig Tische und Stühle aufgestellt werden. Der Stadtrat entscheid sich dann jedoch dagegen. Vor allem Polizei und Feuerwehr hätten Sicherheitsbedenken geäußert.