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Abschied vom Polizeipräsidenten

Achteinhalb Jahre stand der Fürther Gerhard Hauptmannl an der Spitze der Polizei in Mittelfranken - 02.02.2011 12:30 Uhr

Der scheidende Polizeipräsident Gerhard Hauptmannl begrüßt Landesbischof Johannes Friedrich. © Hippel


Am Ende, als alle Reden gehalten sind und die meisten Gäste Richtung Häppchen streben, steht Gerhard Hauptmannl noch eine Weile am entgegengesetzten Ende des Saals. Es ist die Zeit des Händedrückens und der persönlichen Abschiedsworte. In seinem Rücken hängt ein Riesenplakat. „Es ist so weit: Finale“ steht darauf. Es zeigt Hauptmannls Konterfei, Hauptmannl beim Motorradclub, mit Beckstein, mit einem Kind. Er solle sich über den Ruhestand freuen, rät ihm ein Händeschüttler. Hauptmannl wirkt skeptisch. „Ich freue mich noch nicht.“

Fünf Mal wurde seine Amtszeit verlängert — ein einmaliger Vorgang. Nun wurde der 64-jährige Fürther von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im Historischen Rathaussaal verabschiedet. „Der Grufti geht“, scherzt Hauptmannl am Rednerpult und plaudert vor Kollegen, vor Gästen aus Kirche, Wirtschaft und Politik aus dem Nähkästchen. Als ihm der damalige Innenminister Günther Beckstein im Frühjahr 2002, da war er Präsident der Bayerischen Bereitschaftspolizei, einen interessanten Posten anbot, da „gab ich ihm einen Korb“. Um auf Becksteins Frage, was er dann wolle, zu antworten: „Mein Traum wäre, mittelfränkischer Polizeipräsident zu werden.“ Beckstein konterte: „Das wird ein Traum bleiben.“ Auch Innenminister können irren.

Hauptmannl, ein Jurist, begann seine Karriere als Richter am Ansbacher Verwaltungsgericht, ehe er nach vielen Stationen bei der Polizei landete und dort, so Herrmann, „hervorragende Arbeit“ leistete. Er lobt Hauptmannls Beitrag zur Sicherheit — zu der, die sich statistisch ablesen lässt, und zur gefühlten Sicherheit. OB Ulrich Maly erinnert an brenzlige Einsätze von Neonazi-Aufmärschen bis zur Fußball-WM, die „mit Bravour“ gemeistert worden seien.

„Ruhiges Fahrwasser“

Das Entscheidende sei das Ergebnis, so Herrmann, „egal, wer mit wem im persönlichen Klima nicht optimal unterwegs war“. Was Herrmann kompliziert formuliert, spielt aufs Betriebsklima im Präsidium an. Um das stand es nicht immer zum Besten, weil sich die Führungsspitze nicht immer grün war. „Wir haben ein Interesse daran, nicht durch schlechtes Betriebsklima zu glänzen“, ergänzt der Personalratsvorsitzende Rudolf Steinhögl. „Wir hoffen, dass das Polizeipräsidium in ruhiges Fahrwasser kommt“ und das Lagerdenken ein Ende habe, meint Hermann Benker von der Deutschen Polizeigewerkschaft, als er sich nach dem Festakt zu Wort meldet.

Nachfolger Johann Rast war von Minister Herrmann überraschend aus dem Hut gezaubert worden. Rast soll die Gräben zuschütten, sagen Insider. Herrmann geizt bei der Einführung seines Wunschkandidaten nicht mit Lob. Überall, wo Rast angetreten sei, habe er „in kurzer Zeit hohe Akzeptanz“ erfahren. Rast, der zuletzt das Präsidium Oberbayern-Nord geleitet hat, stellt sich dann auch selbst „als ausgewiesener Teamspieler“ vor. Der Bayreuther hat künftig noch deutlich mehr Verantwortung. Er leitet ein Präsidium, das mit 4200 Beamten fast doppelt so viel Personal hat wie sein bisheriger Verantwortungsbereich. Wer sein Stellvertreter wird, ist derweil noch unklar. Herrmanns Favorit hat Konkurrenz durch einen zweiten Kandidaten bekommen.

Rasts Nachfolger in Ingolstadt wird Walter Kimmelzwinger, der nach 27 Jahren als Vize in Mittelfranken im Rathaussaal verabschiedet wird. „Das ist ein tiefer Einschnitt.“ Er gehe „mit einer dicken Träne im Auge“, gesteht er mit brüchiger Stimme.

Das haben sie dann doch gemeinsam: Weder Kimmelzwinger noch Hauptmannl fällt es leicht zu gehen. Und deshalb wünscht Generalstaatsanwalt Klaus Hubmann seinem Freund Hauptmannl am Ende: „Versuche, möglichst schnell einen Schlussstrich zu ziehen.“

 

Sabine Stoll

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