Abwasser in den Fluss, nicht ins Beet

21.9.2012, 15:31 Uhr
Beim Blumengießen mit Abwasser lässt sich keine Energie einsparen, aber ganz sicher mit der Röthenbacher Schlammtrocknung. Das Material mit hohem Brennwert liegt in zwei großen Glashäusern.

© PZ-Archiv/Kohl Beim Blumengießen mit Abwasser lässt sich keine Energie einsparen, aber ganz sicher mit der Röthenbacher Schlammtrocknung. Das Material mit hohem Brennwert liegt in zwei großen Glashäusern.

Das Problem ist einfach, die Lösung kostspielig: Das, was nach dem Reinigungsprozess aus der Kläranlage strömt und in die Pegnitz eingeleitet wird, enthält noch Keime und Schadstoffe. Wenige zwar, das betont Michael Lechner, der Leiter des städtischen Tiefbauamts, aber warum ein Risiko eingehen? „Es gibt hygienische Bedenken“, sagt der Fachmann, nachdem Landratsamt, Wasserwirtschaftsamt und ein Ingenieurbüro, das Röthenbach seit Jahren berät, ihre Einschätzung zu dem FW-Vorschlag abgegeben haben. Schließlich könnten ja Kinder, die in der Nähe von mit Abwasser gegossenen Beeten spielen, in Kontakt mit solchen Stoffen geraten, die in der Pegnitz dagegen schnell verdünnt werden.

Zwar existieren technische Mittel, besonders feine Filter etwa oder UV-Anlagen, mit denen sich die Zahl der Bakterien bis unter die EU-Normwerte für Badegewässer senken lässt, doch Lechner rechnet mit hohen Kosten: „Das ist in keinster Weise wirtschaftlich.“

Davon gehen inzwischen auch die Freien Wähler aus. Peter Güntert, der für die Gruppierung im Stadtrat sitzt, spricht von mindestens 40.000 Euro, die Röthenbach investieren müsste. „Wo ist dann der Effekt?“, sagt er. Und weiter: „Die Psychologie kommt dazu. Die Bürger würden bei dem geringsten Geruch an den Beeten stehen bleiben.“ Den Antrag bereut Güntert aber nicht, schließlich sei es wichtig, alle Möglichkeiten zum Energiesparen auszuloten.

Getrockneter Schlamm günstiger

Eine solche Möglichkeit steckt auch in der rund 1,7 Millionen Euro teuren Anlage zur Trocknung von Klärschlamm, die seit 2010 im Pegnitzgrund steht. Der Schlamm – er fällt bei der Reinigung des Wassers an – wird in zwei Glashäusern getrocknet. Dadurch wiegt er weniger, und die Entsorgung wird nach Gewicht abgerechnet. 66 Euro pro Tonne bezahlt die Stadt. Früher fielen 1000 Kubikmeter im Jahr an. Jetzt seien es noch 300, sagt Lechner.

Aktuell wird das Material zum Brennen von Zement verwendet. Es lässt sich aber auch in Gas verwandeln, mit dem man ein Blockheizkraftwerk betreiben kann. Die Fraktionen im Bauausschuss halten das zumindest für eine interessante Perspektive – bisher gibt es jedoch nur wenige Modellanlagen. Unklar ist, ob sich das Verfahren auch in kleinem Maßstab rechnet. „Röthenbach will nicht Versuchskaninchen sein“, sagt Lechner. In ein, zwei Jahren soll das Thema wieder auf den Tisch kommen.

Zunächst muss ein anderer Punkt geklärt werden: Seit die Trocknungsanlage steht, beschweren sich Anwohner über üblen Geruch. Auch wenn die Mitarbeiter der Kläranlage schon einige Gegenmaßnahmen ausprobiert haben, steht die Ursache noch nicht fest. Ist es die Trocknung selbst? Oder lenken die beiden Hallen den normalen Kläranlagengeruch in Richtung der Häuser? Demnächst sind die Anwohner zum „Probeschnuppern“ eingeladen.

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