Montag, 21.09.2020

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Als die Regierung nach Bamberg flüchtete

Vor genau 99 Jahren wurde aus dem Königreich Bayern der Freistaat — Auftakt zum Jubiläumsjahr - 07.11.2017 20:08 Uhr

Der letzte „Kini“: König Ludwig III.

© Foto: E. Bieber


Kaum war der Erste Weltkrieg beendet, gärte es in Deutschland. Der Matrosenaufstand in Kiel löste die reichsweite Novemberrevolution aus. Und in München, im Mathäserbräu, rief Kurt Eisner (USPD) vor den Arbeiter- und Soldatenräten in der Nacht zum 8. November 1918 die Republik aus: "Die Dynastie Wittelsbach ist abgesetzt! Bayern ist fortan ein Freistaat."

König Ludwig III. blieb nur, möglichst schnell aus München zu verschwinden. Zu gefährlich war es für ihn dort geworden.

Eisner sollte nur 100 Tage Regierungschef bleiben. Im Februar 1919 wurde er von einem Attentäter erschossen.

Auf den Straßen tobte der Kampf zwischen nationalistischen und sozialistischen Kräften .

Und jetzt kommt Bamberg ins Spiel. Als Johannes Hofmann (SPD) Ministerpräsident wurde, verlegte er den Regierungssitz sicherheitshalber in die beschauliche Stadt. Dort verabschiedete die Regierung die "Bamberger Verfassung", die erste demokratische Verfassung für den Freistaat.

Der letzte „Kini“: König Ludwig III.

© Foto: E. Bieber


auch an die Verfassung von 1818 wird im Jubiläumsjahr erinnert. Dieser Schritt des damaligen Königs Maximilian I. Joseph war aber weniger demokratisch angehaucht, sondern vielmehr ein Zugeständnis an das erstarkende Bürgertum. Eine Ständeversammlung sollte damals eingerichtet werden, mit einer Kammer für den Hochadel sowie einer für die Bürger.

Beginn der Gewaltenteilung

Stimmrecht war damals noch abhängig von der Höhe der Steuerzahlung. Allgemeines Wahlrecht oder gar das Recht der Frauen auf aktives und passives Wahlrecht waren undenkbar. Dennoch gilt diese Verfassung, die bis 2018 gilt, als Schritt auf dem Weg zur Gewaltenteilung zwischen Gesetzgebung, den Verwaltungs- und Sicherheitsbehörden und der Rechtsprechung. Bayern soll sich nach dem Willen der Staatsregierung im Jubiläumsjahr mit diesen Geschichtsdaten und demokratischen Traditionen beschäftigen — und gleichzeitig nach vorne blicken. So werden heute in Bamberg Jugendliche und junge Erwachsene mit Politikern über die Zukunft des Freistaats sprechen.

Blutige Zeiten: Eine Abteilung des Werdenfelser Freikorps in Tracht auf dem Marsch durch die Straßen Münchens. Diese Männer bekämpften die Räterepublik. Die NS-Propaganda instrumentalisierte die trachttragenden Gestalten später ideologisch-rassisch.

© Foto: Heinrich Hoffmann/ picture alliance/ullstein bild


Weitere Regionalkonferenzen mit Bürgern sind für die kommenden Wochen geplant. In Ansbach hatte bereits Finanzminister Markus Söder Bürger zum Gespräch geladen (wir berichteten).

Alle Ministerien planen eigene Festbeiträge. So lässt das Justizministerium die Geschichte durch Krimis aufleben; das Kultusministerium will Wettbewerbe für Schüler ausrichten; einen Kurzfilmwettbewerb mit dem Titel "Bayern im Jahr 2030" lobt das Wirtschaftsministerium aus; online sucht das Umweltministerium "100 Naturschönheiten", die von Bürgern ausgewählt werden; 100 Genussorte und 100 bayerische Urlaubsbetriebe sucht schließlich das Landwirtschaftsministerium.

SPD will Feiertag

Die SPD verfolgt derweil einen weiteren Plan: Der 8. November 2018 sollte im Freistaat zum gesetzlichen Feiertag erklärt werden, fordert Fraktionschef Markus Rinderspacher, "um an die Helden der Demokratie zu erinnern". Eine Entscheidung zu dem Antrag steht noch aus.

LORENZ BOMHARD

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