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Donnerstag, 18.07.2019

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Als eine Räuberbande über Schloss Wolfsfelden herfiel

Über 30 Schergen verschafften sich im Jahr 1716 gewaltsam Zutritt, fesselten die Bewohner und nahmen alle wertvollen Dinge mit - 10.02.2019 18:59 Uhr

Das ehemalige Schloss in Wolfsfelden, nach einer Zeichnung von Ortspfarrer Gottlob Rehlen im Jahre 1843. © Repro: Ernst Bayerlein


"Etliche 30 Räuber mit vermummten Gesichtern drangen nachts in das Schloss Wolfsfelden ein, banden die Bewohner an Händen und Füßen und zwar vornehm und gering, raubten die Bewohner aus und ließen dieselben in ihrem Blute liegen. Die Verbrecher wurden nicht gefasst." So steht es in einer kleinen Broschüre, die vom Heimatforscher Wilhelm Held in den 1950er Jahren verfasst wurde.

Schon von 1349

Wolfsfelden war eine Einzelsiedlung, die aus dem Reichswald gerodet wurde, erstmals erwähnt als Lehenshof der Nürnberger Patrizierfamilie Pfinzing im Jahr 1349. Nach dem Dreißigjährigen Krieg kaufte im Jahre 1652 Baron Johann Adam von Praunfalk zu Neuhaus, ein österreichischer Adeliger, der wegen seines evangelischen Glaubens die Heimat verlassen musste, den abgebrannten Bauernhof und ließ einen zweigeschossigen Herrensitz, ein Schloss, errichten. Ein Schwiegersohn, Baron Johann Albrecht von Blomberg, ebenfalls ein Exulant aus Österreich, vergrößerte den Besitz und ließ neue Gebäude und Taglöhner-Wohnungen errichten. Er starb im Jahre 1701, das Gut ging per Erbe an Maria Sophia Salome von Neumann. Sie lebte ganz alleine mit ihren Dienstboten auf dem einsamen Hof weitab von jeder Ortschaft. Das nutzte eine Diebesbande und überfiel das begüterte Anwesen. Ein Hüterbube des Gutes war der Gefahr entronnen, sprang durch das Fenster, eilte nach Kalchreuth, um Hilfe zu holen. Als die Bauern, mit Dreschflegel und Sensen bewaffnet, ankamen, waren die Räuber schon entwischt – heißt es in einem Bericht dazu.

Da der Überfall im Sebalder Reichswald stattfand, dieser gehörte damals noch zur Freien Reichsstadt Nürnberg, wurde in einem Fahndungsbrief nach den Räubern gesucht. Dieser ist noch erhalten und hat folgenden Inhalt: "Nachdem eine räuberische Diebesbande von etlich und dreißig Personen, welche Theils in Gesichtern geschwärzt, theils mit Larven verdeckt waren, so vermessen gewest und den 1. Februar Nachts zwischen 10 und 11 Uhr zu Wolfsfeld bei einer vornehmen Standesperson in das Schloss mit Gewalt eingebrochen, Thür und Thor mit bei sich gehabten Beilen eröffnet, die darum sich befundene vornehme und andere Personen an Händen und Füßen mit Stricken und Riemen gebunden und damit diese leichtfertige Rotte umso viel weniger erkennen werden können, mit Betten und Leintüchern bedecket und andere ihre mörderische Fäuste an ein und andere Personen gelegt. Absonderlich den Kutscher dergestalten geschlagen und zugerichtet, dass sich selber an noch in großer Schwachheit und Gefahr seines Lebens befindet. Hierauf da sie sich des Schlosses und derer darinn befindlich gewesenen Personen bemächtigt gesehen, alle Behälter theils zerschlagen, theils aufgesprenget und von den Truhen die Schlösser abgebrochen, das beste an Silber, Kleidern und weißen Gezeuch (Wäsche), nebst anderen geraubt und damit fortgezogen, allerseits gebundene Personen aber in ihrem Blute auf der Erden liegengelassen.

Und dann aber, so fleißig man auch bis andere inquiriret (gesucht) hat, dieses Mord- und Diebesgesindel zur Zeit noch nicht ausgekundschaftet werden können. Also ergehet eines Hochedlen und Hochweisen Raths der Heiligen Römischen Reichsfreier Stadt Nürnberg ernstlicher Will und Befehl hiermit an alle Angehörige und Untertanen auf dem Land, dass alle diejenigen, welche von denen Personen, die diese unmenschliche Gewaltthat und Räuberei ausgeübt, jetzt oder künftiglichhin zuverlässige Nachricht erlangen oder sonst einige dienliche Umstände und Anzeigungen hiervon beizubringen vermögen, so dass die verruchten Thäter zur wohlverdienten Strafe gezogen und dieses heillose unnütze Gesindel ausgerottet werden könne. Solches Krafft ihren obhabenden Christen-Pflicht und gemeinsamer Landes-Sicherheit zum Besten unverzüglich eröffnen und nicht allein deren Namen zu verschweigen.

Demselben auch eine Belohnung von Hundert Gulden gereichet, hingegen aber derjenige, welcher von dieser grausamen That wirkliche Wissenschaft gehabt und die gebührende Anzeige unterlassen mit empfindlich und exemplarischer Bestrafung gestalten Umständen nach an Gut, Ehr und Leib ohnnachlässig belegt werden solle", so das Decretum vom 13. Februar 1716.

Nicht gefasst

Die Räuber und Diebe wurden aber trotzdem nicht gefasst.

Maria Sophia von Neumann starb 1740 und wurde im Kirchhof in Kalchreuth beerdigt.

Das Schloss- und Herrschaftsgut Wolfsfelden kam dann in den Besitz der Familie von Stauf, die eine regelrechte Ortschaft entstehen ließen. In einer Beschreibung des Oberamtes Bayersdorf vom Jahre 1778 sind ein Schlossgebäude, ein Bauernhaus mit Nebengebäuden und zwölf kleine Taglöhner-Wohnungen beschrieben. Die Einwohnerzahl stieg auf bis zu 70 Personen, zum Gut gehörten etwa 122 Tagwerk Wiesen, Äcker und ein Weiher. 1835 kaufte Johann Sperber das Gut, Wolfsfelden war jetzt wieder ein Bauerngut bis zu Auflösung des Weilers 1900. 

ERNST BAYERLEIN

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