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Warum Bubenreuths Tim Schmidt freiwillig den Platz verließ

In der B-Klasse kam es am Wochenende zu einer besonderen "Fair-Play-Geste"

Es lief die 70. Minute in der B-Klasse 1, der SV Bubenreuth II kickte gegen den SC Eltersdorf III – und ein Gästespieler sah Gelb-Rot. Das fanden die Gegner aus Bubenreuth ungerechtfertigt und entschieden kurzerhand, auch einen ihrer Spieler vom Feld zu nehmen – aus Solidarität.

Wenn ein Schiedsrichter die Rote Karte zeigt, bedeutet das einen Platzverweis. In der B-Klasse aber wollten gleich zwei Spieler gehen. 

 / © Julian Stratenschulte/dpa

Tim Schmidt spielt bereits, solange er denken kann, für den SV Bubenreuth Fußball. Mit fünf Jahren begann er beim SVB und auch jetzt noch, mit 23 Jahren, kickt er neben der Ausbildung zum Zahntechniker beim Sport-Verein an der Frankenstraße. Weil Tim Schmidt schon immer dabei ist, ist er auch Kapitän der zweiten Mannschaft. Die würde gern endlich einmal aufsteigen, A-Klasse spielen wenigstens, „aber weil wir überwiegend Studenten sind, die eben oft nicht da sein können, reicht es dafür nicht“, sagt Tim Schmidt.

Rang zehn, Rang 13, Rang elf – das waren die Platzierungen der vergangenen Jahre, derzeit ist es nach neun Punkten aus zehn Partien Platz neun. „Wir brauchen also dringend Punkte“, sagt Schmidt, so war das auch am vergangenen Sonntag, als der SC Eltersdorf III zu Gast war. Der hat schon 21 Punkte geholt, die letzten drei allerdings, nach dem 3:2-Sieg beim SV Bubenreuth II, waren mehr als glücklich. Das sagen sie in Eltersdorf selbst. Vor allem wegen dieser 70. Minute.

Da übersah der Schiedsrichter ein Foulspiel. Er pfiff erst ab, als sich ein Spieler verletzt am Boden wälzte – da war ein Eltersdorfer bereit, den Ball aus Fairnessgründen über die Seitenauslinie zu spielen – die vielleicht schönste universale Regel, weil sie gar keine Regel ist. Den Ball ins Aus zu spielen, um eine Behandlungspause zu ermöglichen, ist vielmehr dafür da, eine Regellücke zu schließen. Denn das Regelwerk sieht jene Weisheit vor, die jedem F-Jugendspieler bereits eingetrichtert wird: Foul ist nur, wenn der Schiedsrichter pfeift. Der Unparteiische in Bubenreuth aber wertete die faire Geste als Ballwegschlagen, als Unsportlichkeit also, was wiederum – der Gästespieler hatte bereits Gelb gesehen – Platzverweis bedeutete. „Das war natürlich Unfug“, sagt Tim Schmidt.

Spielt fair: Tim Schmidt. 

 / © SV Bubenreuth

Schnell umringten 22 Spieler den Schiedsrichter, sogar der Eltersdorfer Trainer kam aufs Feld gespurtet, um den Referee von einer, nun ja, sehr unglücklichen Entscheidung abzubringen. „Er wollte sie aber auf keinen Fall zurücknehmen“, so Schmidt – obwohl wohlgemerkt beide Mannschaften ihn darum baten.

„Ich weiß nicht mehr, wer dann die Idee hatte“, sagt Tim Schmidt, „jedenfalls haben wir entschieden, aus Fairnessgründen eben auch einen Spieler freiwillig vom Feld zu nehmen.“ Auch wenn der SV Bubenreuth damit bewusst in Kauf nahm, die Partie nicht mehr zu drehen: Aus einer 2:1-Führung hatte durch zwei Standardsituationen Eltersdorf bereits ein 2:3 gemacht. „Wir waren die klar bessere Elf, wir hätten vermutlich noch eins gemacht, aber die Fairness war uns wichtiger“, sagt Tim Schmidt.

Schon in den 69 Minuten zuvor war das einige Male so gewesen, als die Bubenreuther fragwürdige Foulentscheidungen des Unparteiischen dadurch wiedergutmachten, dass sie ihren Freistoß zurück in die Füße der Gegner passten. „So wollen wir jedenfalls nicht gewinnen“, findet der Kapitän.

Bedankt hat sich der SC Eltersdorf III direkt nach der Aktion, auch auf seinem Facebook-Auftritt schrieb die Dritte des SCE von einem außergewöhnlichen Fall von Fairness. Die Punkte aber fehlen den Sportsmännern des SV Bubenreuth II nun trotzdem. Der Zug Richtung Tabellenspitze ist damit vermutlich für diese Saison endgültig abgefahren. „So gesehen hätten wir uns schon über einen Kasten Bier aus Eltersdorf gefreut“, sagt Tim Schmidt. Aber auch ohne Bier würden sie es in Bubenreuth so wie am Sonntag jederzeit wieder tun – haben sie ja sogar schon einmal, früher, in der A-Jugend. „Da gab es mal eine ähnliche Situation. Da haben wir auch einen von uns vom Feld genommen.“ So ehrenvoll das immer ist – erfolgreich leider nicht.

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