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Die Jugendarbeit hat Buckenhofen und Neunkirchen nach oben gebracht

Beide Klubs nach Jahren wieder in der Bezirksliga

TSV Neunkirchen und SV Buckenhofen sind zurück in der Bezirksliga - dank ihrer Jugendarbeit.

Florian Eichinger (links) und sein SV Buckenhofen feiern feuchtfröhlich die Rückkehr in die Bezirksliga. Der Stürmer spielt mittlerweile in Oesdorf.

 / © Roland Huber

Konstantinos Zafiris erinnert sich mit Schmerz an den Juni 2011. Damals vergab sein TSV Neunkirchen am Brand gleich mehrere Matchbälle zum Verbleib in der Bezirksliga. Am letzten Spieltag schoss seine Mannschaft die SpVgg Erlangen durch ein Remis in die Kreisliga, ein Sieg hätte den Brandbachern für den Nichtabstieg genügt. So war der TSV aber Teil eines punktgleichen Trios auf dem Abstiegsrelegationsplatz. Entscheidungsspiel Nummer eins verloren die Neunkirchener gegen den Post SV in der Schlussminute, Nummer zwei gegen Röttenbach im Elfmeterschießen. Das Relegationsspiel ging nach Verlängerung an Großschwarzenohe. "Bitterer kann ein Abstieg nach sieben Jahren in der Bezirksliga wohl nicht ablaufen, wir waren alle am Boden zerstört", sagt Vereinsikone Zafiris sieben Kreisliga- Jahre und einen Aufstieg später.

"Das Umfeld hat sich schnell mit der Kreisliga angefreundet, auch wenn man natürlich schon einige Highlights gewohnt war." Zafiris spielt auf die heißen Derbys mit Großdechsendorf, Kleinsendelbach oder Uttenreuth an, wenn es am Sportgelände voll wurde. "Das war natürlich schon eine tolle Sache, siegreich aufs Bürgerfest oder die Kirchweih zu kommen."

Urgestein Zafiris kennt seinen TSV in- und auswendig, machte alle Höhen und Tiefen mit. Die Bezirksliga-Meisterschaft 1997 sowie fünf Jahre BOL-Fußball sind dem 43-Jährigen ebenso im Gedächtnis geblieben wie der ungebremste Fall 2001 in die Kreisliga. Drei Jahre später war der Betriebsunfall damals behoben: "Der Unterschied zu heute ist, dass damals 70 bis 80 Prozent der Mannschaft schon auf Bezirksebene Erfahrung gesammelt und ihre Qualität in diesen Spielklassen in den Jahren zuvor unter Beweis gestellt hatten. Der Wiederaufstieg war nur eine Frage der Zeit. Dieses Mal betritt der Großteil unserer Jungs Neuland."

Lediglich Toptorjäger Manuel Menges, sein Sturmpartner Markus Conrad sowie Ertal Sahin, Martin Kolb und Max Heinlein kennen die Bezirksliga als Neunkirchener Spieler. Dafür sind einige Spieler aufgerückt. Der Verein, so Zafiris, ernte jetzt die Früchte, weil er immer auf seine eigenen Leute gesetzt und Verstärkungen von außerhalb nur punktuell geholt habe. "Dadurch gab es nie größere Abwanderungswellen und das Team konnte sich einspielen. Andernorts sieht man häufiger, dass Vereine sich von einem Abstieg nicht so schnell erholen können. Wir haben uns sehr schnell stabilisiert." Die zweite Mannschaft konnte Zafiris sogar zweimal als Trainer in die Kreisklasse führen.

Nach sechs Spielzeiten im oberen Tabellendrittel war es unter Trainer Joachim Müller und dem aus Weingarts gekommenen spielenden Co-Trainer Matthias Werner in diesem Sommer soweit: Vor 1400 Zuschauern im Relegationsspiel gegen SpVgg Heßdorf machte Neunkirchen mit 5:2 die Rückkehr auf Bezirksebene perfekt. Auf Müller, der in der selben Liga bei SpVgg Erlangen anheuert, folgt mit Harald Gerstner ein alter Bekannter, der den TSV bereits nach der Jahrtausendwende betreut hatte.

Buckenhofen gelingt das Unvorstellbare

Beim Mitaufsteiger SV Buckenhofen, Meister der Kreisliga 1, hat sich seit dem letztmaligen Aufstieg in die Bezirksliga 1999 einiges verändert. Nun hat eine Führungsriege mit gleichberechtigten Vertretern aus allen Abteilungen das Sagen. Ähnlich wie in Neunkirchen setzen die Buckenhofer auf die Jugend. Bestand die Aufstiegself 1999 noch fast ausschließlich aus auswärtigen Akteuren, so stammen jetzt mehr als zwei Drittel aus dem eigenen Jugendbereich. Von 2006 bis 2011 konnten die Buckenhofener nicht mal eine Reserve stellen, nun ist die "Zweite" in die Kreisklasse aufgestiegen. Und eine dritte Mannschaft stellt im Landreis Forchheim nur ein Verein - der SVB in der B-Klasse. Zudem sind seit 2010 alle Jugendteams von der G- bis zur A-Jugend eigenständig besetzt. "Eine damals unvorstellbare Sache", sagt Dieter Kupfer, heute mit dem langjährigen Vorsitzenden Edmund Knauer für die Abteilung Fußball zuständig.

Kupfer, der zu BOL-Zeiten das SVB-Trikot trug, ist eines der Gesichter hinter dem Erfolg. Er sorgte seit 2000 als Leiter der Fußballjugend für Nachschub aus den eigenen Reihen. Den Marsch in die Landesliga mitsamt der BOL-Meisterschaft 2011 erklärt der 49-Jährige so: "Da hat sich eine gewisse Eigendynamik entwickelt. In der Regel waren es junge, hungrige Spieler, die in ihren Stammvereinen den Sprung nicht auf Anhieb geschafft haben, aber sich unter unseren Trainern Norbert Frey und später Norbert Hofmann zu überdurchschnittlichen Fußballern entwickelt haben."

Geplant, so Kupfer, sei dieser Aufstieg nicht gewesen: "Wir waren zu diesem Zeitpunkt aber schon so gut aufgestellt, dass wir uns sorgenfrei auf dieses Abenteuer einlassen konnten."

Drei Jahre lange hatte man sich unter Rainer Gerlitz, der den Nachwuchsspielern immer mal wieder Einsatzzeiten gab, in der Landesliga gehalten und große Stadtderbys gegen die SpVgg Jahn Forchheim gespielt, ehe die Leistungen andernorts Begehrlichkeiten weckten. Viele Spieler wechselten, größtenteils zum Stadtrivalen, was zum Abstieg in die Bezirksliga führte. Die Verantwortlichen standen vor einem Neuaufbau und gingen letztlich fast komplett mit dem im Vorjahr aus der A-Jugend aufgerückten 1994er-Jahrgang und dem Kapitän des Meisterteams von 2011, Florian Poesdorf, als Trainer in die Bezirksliga-Runde. Der Klassenverbleib misslang zwar, doch Kupfer und Co. sehen sich bestätigt: "Wir hatten seitdem aus den eigenen Reihen keine Abgänge mehr und die Jungs bilden heute das Grundgerüst unserer Mannschaft."

Das erste Kreisligajahr schloss der SVB auf Rang fünf ab. Dann übernahm Helmut Wolff die Mannschaft. Erst wurde der Aufstieg noch hauchdünn verpasst, doch im dritten Kreisligajahr ging es mit nur einer Niederlage, 14 Gegentoren und dem besten Angriff der Liga als Meister nach oben. "Perspektivisch wäre es schön, wenn wir uns als Forchheims Nummer zwei etablieren könnten", sagt Kupfer, "dann wäre für unsere jungen Spieler ein sportlicher Anreiz auf hohem Niveau geschaffen. Wir wissen aber auch, dass die Liga sehr stark ist und es vorerst nur um den Klassenerhalt geht."

Auf Neunkirchener Seite wäre Kosta Zafiris schon begeistert, wenn sein TSV am 34. Spieltag den Klassenverbleib noch in der eigenen Hand hätte - und nicht wieder reihenweise verspielt.

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