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Von Rapid bis Sparta: Namensschätze aus dem Nebel der Geschichte

Eine Spurensuche im Landkreis Forchheim

Traktor, Lokomotive, Dynamo: In einer mehr und mehr kommerzialisierten Fußballwelt versprühen illustre Vereinsnamen gerade aus dem Osten den oft vermissten Bezug zu den Wurzeln. Im Landkreis Forchheim findet sich ebenfalls manch exotischer Namenszusatz. Eine Spurensuche.

"Vergib deinen Feinden, aber vergiss niemals ihre Namen": Der Name "Sparta" steht für kämpferisches Auftreten.

 / © Edgar Pfrogner

Beim Einlaufen der heimischen Kicker in Weilersbach dröhnt aus den Lautsprecherboxen und speziell nach Siegen aus der Mannschaftskabine das "Gloria-Lied". Verschiedene Versionen der vergangenen Jahrzehnte, in denen es der SV immerhin bis in die Bezirksliga brachte, verwässerten die Identifikation kaum. Die auch heute noch fast durchgängig einheimischen Spieler kennen die Texte trotzdem alle, bekräftigt Kassier Marco Friepes. Im Dorf geht man nicht zum Sportverein, sondern zur Gloria.

Die lateinische Übersetzung des Wortes bedeutet "Ruhm", den sich die Gruppe der Gründungsmitglieder von 1946 erwerben wollte. Der Name geht jedoch zurück auf eine spezielle Geschichte, die der langjährige Spieler und Bezirksligatrainer Raimund Klump für die Festschrift zum 50. Vereinsjubiläum niedergeschrieben hat. Demnach orientierten sich die Weilersbacher am 1941 verfilmten Roman "Das große Spiel".

Er behandelte ein Endspiel um die Deutsche Meisterschaft zwischen den fiktiven Mannschaften von Gloria Wupperbrück, bei den realen Bild-Aufnahmen verkörpert durch den FC Schalke 04, und FC Nord. Die Sympathien der Franken galten freilich dem noch heute befreundeten Ruhrpott-Verein. Bei den Farben bediente sich die frischgebackene Gloria aus Weilersbach denn wiederum beim damals ruhmreichen 1.FC Nürnberg.

Kurz vor der Auflösung

Die deutsche Sprach-Bibel Duden kennt zwei Deutungsebenen für den Begriff "wacker": Neben Ehrlichkeit und Anstand schwingen die Attribute "tüchtig" und "tapfer" mit. Dies hatten die Fußball-Pioniere in Trailsdorf dereinst noch nicht im Hinterkopf, als sie 1928 zunächst die DJK Trailsdorf ins Leben riefen. Überhaupt war das Spiel noch recht unbekannt, wie der ehemalige Schriftführer Albert Utzmann erklärt. "Vier Buben kickten auswärts." Dass bereits im Jahr 1933 die Auflösung angedacht war, lag laut Sitzungsprotokoll an "allerlei Umständen". Weil eben die DJK auch eine politische Einstellung suggerierte, kam es 1934 zur Umbenennung in FC Wacker Trailsdorf. Die mageren Worte aus der Festschrift zum 60. Geburtstag 1988 legen nahe, dass die Sportler vor allem pragmatisch dachten. Das müssen sie heute wieder in den Niederungen der A-Klasse Bamberg ohne eigenen Nachwuchs-Nachschub.

Die Wurzeln liegen im Jahr 1928: Das Sportgelände des FC Wacker Trailsdorf

 / © Hans-Joachim Winckler

Leuchtende Vorbilder mit dem Namen "Wacker" gab es kaum. Während der Innsbrucker Verein mit seiner wechselvollen Geschichte nicht einmal nach der Sponsoren-Übernahme durch den Schmuck-Unternehmer Swarovski 1986 genug Strahlkraft besaß, wählten sie 1930 im oberbayerischen Burghausen den Zusatz "Wacker" aufgrund des gleichnamigen Chemie-Werks. Goldene Jahre in süddeutschen Gefilden erlebte in den 1920ern einzig der FC Wacker München. Trailsdorf erblühte Jahrzehnte danach ebenso kurz, feierte 2001 den Aufstieg in die Landesliga.

Max Morlock in Eggolsheim

Wie an vielen fränkischen Fußballstandorten erinnern sie sich in Eggolsheim ebenfalls an eine historische Verbindung zum 1.FC Nürnberg. Die bestand in Person des früheren Spediteurs Hans Klumm, der als Mäzen und Vorsitzender (1963-75) fungierte. Über seine vielfältigen Bekanntschaften lotste Klumm sogar den damaligen Rekordmeister mit Max Morlock zum Einlagespiel nach Eggolsheim.

Im Gegenzug machte sich 1954 eine Unterstützer-Gruppe auf den Weg zur WM in die Schweiz, doch statt Morlock half sie zunächst dem mit einer Autopanne gestrandeten Nationaltrainer Sepp Herberger, wie der aktuelle Vorsitzende Helmut Amon für die Chronik zum 70. Geburtstag zusammengetragen hat. Diffus ist jedoch die Herkunft des Vorläufer-Namens. Ehe sich Hans Klumm unternehmerisch als Hotelbesitzer in Südtirol versuchte, schlossen sich 1940 junge Männer aus Eggolsheim zum FC Rapid - der Wiener Sportklub Rapid hatte 1939 mit dem Gewinn des deutschen Pokalwettbewerbs auf sich aufmerksam gemacht - zusammen.

Der nördlich im Ort gelegene Sportplatz zwischen Brettig und dem Hopfengarten der Brauerei Hofmann fand nach dem Zweiten Weltkrieg Verwendung als Gartenland. Im August 1948 wurde die Sportvereinigung gegründet.

Von den Nationalsozialisten verboten

Roland Danhardt kennt das Pautzfelder Seelenleben seit mehr als 30 Jahren, 1986 zog die Liebe den Forchheimer, der unter Trainer Nandl Wenauer das Tor der SpVgg Jahn hütete, in den Hallerndorfer Ortsteil. Ein fast schon festgeschriebenes Gesetz nennt der seit 2006 amtierende Vorsitzende den "kämpferischen Einsatz" der Fußballer, den "leidgeprüfte Zuschauer" besonders zu honorieren verstünden. Der Klub zählt kaum 200 Köpfe und muss derzeit sowohl ohne Reservemannschaft als auch ohne eigene Jugend auskommen.

Die vielen sportlichen Konkurrenten im Umkreis bieten tatsächlich eine Parallele zu jenem von griechischen Feinden umzingelten Staatsgebilde der Antike, an dessen Mythos sich die Gründerväter des Sportvereins Sparta Pautzfeld 1930 wohl erinnerten. Zwischenzeitlich von den Nationalsozialisten verboten, begeistert sich der harte Kern der aktuellen Spieler für den Namen, den sie stolz als Alleinstellungsmerkmal nach außen tragen.

Obwohl den Pautzfeldern bisweilen kein überproportional robuster Körperbau zuzuschreiben ist und heute eher der demografische Wandel die Vereinsfamilie enger zusammenrücken lässt, darf im Stadionheft der eine oder andere sparta-typische Satz - gelesen mit einem Augenzwinkern - in Richtung Gegner formuliert werden. "Vergib deinen Feinden, aber vergiss niemals ihre Namen", kündigte ein Spieler den befreundeten Willersdorfer Kickern nach einer 1:9-Pleite für das Rückspiel eine epische Schlacht an.

Für Grundstücke, den Zusammenhalt und Vaterland

Auf die mindestens sprachliche Betonung von "friedlicher Zusammenhalt innerhalb einer Gruppe" kam es den Gründungspionieren jener Vereine an, die da "Eintracht" oder "Concordia" heißen. In der hiesigen Fußballer-Szene stehen dafür die Klubs aus Willersdorf, Hallerndorf, Leutenbach und Wimmelbach.

Zwei davon tragen noch die "DJK" im Titel und gehören damit zu einem Kreis von inzwischen 14 Vereinen im Landkreis Forchheim. DJK steht für "Deutsche Jugendkraft" und die Mitgliedschaft in einem katholischen Sportverband, der - 1935 von den Nazis verboten - vor allem in der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg in vielen Teilen Deutschlands eine aktive Rolle spielte, Vereinsstrukturen herauszubilden. (Das evangelische Pendant heißt "Eichenkreuz".) Gerade im ländlichen Raum ergab sich die enge Verbindung bei der Errichtung von Sportplätzen auf vormals kirchlichen Grundstücken.

Im Tausch für den DJK-Beitritt erhielt der Turn- und Sportverein Kersbach 1960 seine heutigen Flächen. Als jüngstes Mitglied folgte 2007 der FC Schlaifhausen im Zuge seines Sportheim-Neubaus. Der Diözesenverband ist selbst Mitglied im Bayerischen Landessportverband, verfügt jedoch für seine Aktivitäten über ein eigenes Budget von jährlich rund 40.000 Euro.

Relikte aus einer anderen geistigen, nämlich patriotischen und bürgerlich-akademischen Ecke der kaiserlichen Zeiten sind hingegen beim TSV "Germania" Kirchehrenbach, dem mittlerweile aufgelösten FC Germania 1908 Forchheim oder der DJK "Teutonia" Gaustadt zu finden. Man drückte seine Verbundenheit zu Deutschland aus. Das bekannteste regionalisierte Synonym im preußisch geprägten Westen heißt "Borussia".

Und auch die Anfang des 19. Jahrhunderts aufkommende Turn-Bewegung um den berühmten Friedrich-Ludwig "Jahn" war nicht frei von nationaler Weltanschauung, sollten die Leibesübungen (findet sich im Namen VfL) doch gerade der militärischen Ertüchtigung dienen. Später bildeten sich unter dem Eindruck der gesellschaftlichen Spannungen Arbeiter-Turnbund beziehungsweise Arbeiter-Turn- und Sportbund (ATSB) heraus.

Von unzähmbaren Buckis und Wölfen

In jüngster Zeit legten die Verantwortlichen wert darauf, als Hiltpoltsteiner SV aufzutreten und wahrgenommen zu werden. Ungeachtet dessen werden die Spieler des "HSV" von Gegnern und Beobachtern mitunter als "Hippos" bezeichnet. Wiewohl man sich streiten könnte, wie viel Ehrfurcht in so einem Spitznamen steckt, haben tierische Anwandlungen in der Fränkischen Schweiz eine gewisse Tradition.

Kauften die Fußballer aus dem Obertrubacher Ortsteil Bärnfels ab der Gründung des TSC 1970 ihren Kontrahenten einmal den Schneid ab, schlugen also fortan die "Bären" zu. In der Nachbarschaft gingen wiederum seit 1967 für den SV Wolfsberg manchmal die "Wölfe" auf die Jagd nach Toren und Siegen.

Weniger bedrohlich auf den ersten Blick, vermochten es indes seit 1948 manche "Biber", den hölzernen Thron eines Favoriten durch emsige Knabberarbeit zum Einsturz zu bringen. Noch ein bisschen komplizierter als beim SV Bieberbach fällt die Zuordnung von Eigenschaften beim SV Buckenhofen. Doch die "Buckis" nennen sich selbst gerne so und würden sich sicher nicht beschweren, wenn in diesem Begriff die Widerstandskraft einer eingeschworenen vorstädtischen Gemeinschaft gesucht wird, die sich einer Vereinnahmung nicht nur sportlicher Art erwehrt. Dem Wortsinn nach genauso wenig zu spaßen ist derweil mit den "Hunnen", die beim 1953 gegründeten SV Hetzles heimisch sein sollen.

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