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Schwung gegen den Schwund: U19-Ligenmodell wird reformiert

Erlangen/Pegnitzgrund: Ligenreform bei der U19

Der Spielermangel ist im Amateurfußball allgegenwärtig und scheint gerade im Jugendbereich nicht zu stoppen. Im Kreis Erlangen-Pegnitzgrund wollen sie ab Sommer gegensteuern — mit einem schon in seiner Entstehung einzigartigen Wettkampf-Modell für die U19.

Kinder beim Fußballschauen: Der Spielermangel ist allgegenwärtig.

 / © De Geare

Tobias Körner liebt den Fußball. Anders lässt sich kaum erklären, mit welch großem Eifer der 34-Jährige im Vergleich zu anderen Funktionären seine Aufgaben als Kreis-Jugendleiter wahrnimmt. Gerade im Januar, der eigentlich in die Nebensaison fällt, erreichte die ehrenamtliche Arbeitszeit fast 25 Stunden pro Woche, weil Körner bei jedem vom Verband ausgerichteten Hallenturnier persönlich Spielpläne erstellte und Siegerehrungen durchführte. „Ich möchte den direkten Kontakt zu den Vereinen behalten“, erklärt der Igensdorfer, der dafür im Haupterwerb in der Buchhaltung für einen Erlanger Weltkonzern viel vom Schreibtisch aus erledigt.

Bei allem Enthusiasmus für den Fußball kann Tobias Körner seine Augen aber auch nicht vor der unbequemen Tatsache verschließen, dass er einen Mangel verwaltet. Seit den Hoch-Zeiten der 90er, als fast jedes Dorf eine eigene Nachwuchsmannschaft stellen konnte, entwickelten sich die Zahlen rückläufig. Besonders krass zeigt sich der Abwärtstrend bei den A-Junioren im Raum Erlangen-Pegnitzgrund: Von 63 Mannschaften aus der Saison 2015/16 waren bei der Einteilung im Sommer 2018 noch 40 (nicht mitgerechnet acht Teams auf Bezirks- und Landesebene) übrig. Wiederum nur ein gutes Dutzend davon sind Vereinen zuzuordnen, die eigenständig auskommen. Damit sah der Jugendleiter einen Zustand erreicht, in dem die in Schieflage geratene Spielklassen-Pyramide aus einer Kreisliga (zehn Teams), zwei Kreisklassen (je zehn Teams) und einer Kreisgruppe (zehn) zusammenzubrechen drohte.

Aus dieser Not-Situation heraus berief Körner im Spätsommer 2018 eine Zusammenkunft mit Vereinsvertretern ein, die tatsächlich auf rege Beteiligung stieß. „Das war wohl das konstruktivste Treffen, bei dem ich in meiner Funktionärs-Laufbahn dabei sein durfte. Ich wollte unbedingt die Vereine ins Boot holen, denn es geht um ihre Anliegen und nicht darum, bloß irgendwelche Beschlüsse als Verbandsvertreter zu verkünden“, berichtet Körner stolz. Statt erwarteter 60 Minuten tauschten sich Abteilungsleiter, Vorstände und Trainer in über drei Stunden intensiv aus und verabschiedeten mit 20:7 Stimmen (unter Einbezug schriftlicher Eingaben 26,5:13,5) ein neuartiges Wettkampf-Modell für den U19-Bereich. Während der Betrieb bei den U17 mit noch 52 Teams im Kreis wie bisher weiterläuft, starten die ältesten Jahrgänge zur kommenden Saison 2019/20 einen Pilotversuch, der den Teilnehmern kürzere Fahrtstrecken und leistungsgerechte Kräftemessen verspricht. „Ein konkretes Vorbild gab es nicht, das ist über mehrere Ecken entstanden“, verrät Körner, der bei einem von drei Vorschlägen unter anderem auch die Auflösung der Kreisklasse zur Disposition gestellt hatte. Während diese mittlere Ebene in Bayern optional ist und nicht in allen Regionen existiert, hielten die hiesigen Vereinsvertreter daran fest. So kam auf Basis der bereits in jüngeren Altersklassen erprobten Trennung von Herbst- und Frühjahrsrunde ein Sonderweg heraus.

Der umfasst — vorbehaltlich der formellen Genehmigung durch den Verbandsjugendausschuss — die bekannten drei Etagen, gefüllt mit nun gleich vielen Mannschaften. Kreisliga, Kreisklasse und Kreisgruppe unterteilen sich jeweils in zwei Staffeln. Das System ist auf ein Feld von 36 Mannschaften ausgelegt, könne aber laut Tobias Körner nach der endgültigen Meldefrist Mitte Juli punktuell angepasst werden. Spannendes Herzstück ist ein fließender Auf- und Abstieg (siehe Grafik) zwischen den einzelnen Halbserien, die in der Sechser-Konstellation zehn Begegnungen pro Mannschaft (Hin- und Rückspiel) beinhalten. Dann wird durchgewechselt. Die Staffel-Sieger der Kreisgruppen und Kreisklassen rücken zum Frühjahr eine Ebene nach oben, sie werden von den Kreisliga- und Kreisklassen- Letzten ersetzt, die entsprechend den Gang nach unten antreten. Ein sofortiger Wieder-Aufstieg beziehungsweise Wieder-Abstieg ist in der Folge möglich, ein doppelter Durchmarsch oder freier Fall durch zwei Spielebenen aber nicht. Das Tor zur Bezirksoberliga öffnet sich indes nur einmal im Jahr, die Qualifikation bestreiten ab dem Frühjahr die Top 3 der vorangegangenen Herbstrunde aus den beiden Kreisliga-Gruppen. Die vier auf den Rängen 4 und 5 notierten Teams müssen sichzeitgleich gegen die Herbst-Meister der Kreisklassen behaupten.

Weil sich das im Detail noch ein wenig abstrakt anhört, stellt sich Buchhaltungs-Experte Körner auf eine Eingewöhnungsphase ein. „Ob wir damit eine universelle Lösung gefunden haben, muss die Entwicklung zeigen.“ Unbedingt möchte er den Kommunikationskanal zu den Klubs offen halten, denn der fortschreitende demografische und gesellschaftliche Wandel (Stichwort: Freizeitverhalten) werde wohl weitere Anpassungen erfordern. Neben der U19-Reform setzt Körner als Baustein auf die Etablierung der alternativen Wettkampfgestaltung „Funino“ im Kinderfußball. „Ob wir es gut finden oder nicht. Die klassische Version mit Terminen an jedem Wochenende ist auf dem absteigenden Ast.“ Der Fußball- Romantiker müsste sein Freizeitleben selbst neu ordnen.

Im Interview: Ein U19-Trainer spricht über mangelnde Trainingsbeteiligung und Vereinsidentifikation in einer JFG.

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