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"Keine Lust auf Training ist leider kein Ausreißer mehr"

Im Interview

Versammelten sich im Becken der JFG Aischtal seit 2004 die Jugendlichen aus fünf Vereinen (DJK Hallerndorf, Wacker Trailsdorf, Sparta Pautzfeld, Eintracht Willersdorf, DJK Weigelshofen), stieß im Sommer 2018 mit der DJK Eggolsheim ein dicker Fisch dazu. Wir sprachen mit dem U19-Trainer der neuen Spielgemeinschaft über mangelnde Trainingsbeteiligung und Vereinsidentifikation.

Marcel Mittelstädt trainiert eine JFG-U19.

 / © privat

Herr Mittelstädt, Sie sind dem Jugendbereich vor vier Jahren entwachsen und nehmen nun die Trainer- Perspektive ein. Können Sie im Vergleich zur eigenen Zeit in der A-Jugend Unterschiede feststellen?

Marcel Mittelstädt: Ich kann mich erinnern, dass wir ungefähr einen Kader von 18 Spielern hatten. Heute reicht es durch den Zusammenschluss mit Eggolsheim immerhin auch für 17. Leider muss ich aber feststellen, dass sich die Trainingsbeteiligung gravierend verschlechtert hat. Früher war eine Quote von 75 Prozent üblich, aktuell wäre ich mit 50 Prozent glücklich. Aus eigener Erfahrung kann ich nachvollziehen, wenn mal jemand keine Lust hat. Nur sollten die Ausreißer nicht zur Regelmäßigkeit werden.

Hat das etwas mit mangelnder Identifikation zu tun?

Marcel Mittelstädt: Das würde ich nicht sagen. Ich denke es geht grundsätzlicher darum, dass sich die Freizeitgestaltung verändert hat, zu viel Verbindlichkeit den Spielraum noch weiter verengen würde. Wenn die Jungs allerdings gefragt werden, für welchen Verein sie bei den Herren spielen wollen und ob sie sich einen Wechsel vorstellen können, enthält die Antwort meist das Wort ,verrückt‘. Um die lokale Verbundenheit mache ich mir also keine Sorgen.

Ist diese Einstellung nicht ein Problem für die Integration in einer Spielgemeinschaft? In der Kreisklassen rangiert Ihr Team zur Winterpause nach neun Niederlagen aus neun Spielen abgeschlagen am Tabellenende.

Marcel Mittelstädt: Natürlich ist es eine Herausforderung, aus mehr oder weniger zwei Mannschaften eine Einheit zu formen und auf eine gemeinsame Idee zu fokussieren. Die sportliche Lage spiegelt aus meiner Sicht allerdings vielmehr einen aus der mangelnden Trainingsbeteiligung resultierenden Fitness-Rückstand und die dazugehörige hohe Fehlerquote wider. Dazu muss gesagt werden, dass sich die qualitative Verstärkung durch die Eggolsheimer in der U17 deutlicher bemerkbar macht.

Ist die Zusammenarbeit nun ein Gewinn oder verschärft sie nur die Konkurrenz um die späteren Talente?

Marcel Mittelstädt: Auch wenn zu dem Thema manche eine andere Meinung vertreten, halte ich die Kooperation für sinnvoll. In spätestens fünf Jahren wäre die DJK Hallerndorf kaum mehr aus eigener Kraft in der Lage, zwei Herren-Mannschaften zu stellen. Auch die Jugend-Altersklassen würden teilweise nicht mehr besetzt werden können. Befürchtungen, durch Abwerbeversuche der verschiedenen Stammvereine untereinander könnte es zu Konflikten kommen, habe ich keine. Da müsste eine Mannschaft schon über der Kreisliga vertreten sein. Das Verhältnis ist sehr von Verständnis und Respekt geprägt.

Stichwort Abstimmung. Wie kompliziert ist die Organisation einer derartigen Spielgemeinschaft?

Marcel Mittelstädt: Die federführende Rolle der DJK Hallerndorf und der DJK Eggolsheim ergibt sich aus der dominanten Zahl an Aktiven und Ehrenamtlichen gerade in den älteren Jahrgängen. Wenn es oben personell mal eng wird, wird freilich ausgeholfen. Als Trainer habe ich in beiden Vereinen feste Ansprechpartner, die sich regelmäßig mit Vertretern der anderen Vereine austauschen. Insgesamt sind die gleichen Helfer und Betreuer beteiligt, die sich schon vorher engagiert haben. Im Notfall hätte ich auch schnell einen Ersatz, um zum Beispiel ein Training für mich zu leiten. Die Platzbelegung sowie Logistik mit Ausrüstung erfordert tatsächlich eine enge Kommunikation. Zum Glück wird mir auf der organisatorischen Seite viel abgenommen.

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