Das Amateurfußballportal für Mittelfranken
Partner im
Amateurfußballnetzwerk
Partner im Amateurfußballnetzwerk

Karim Farhan: "Ich bin ein grundlegend ehrgeiziger Mensch"

Nach dem 4:0 über Baiersdorf II

In der Kreisliga 1 hat der SV Tennenlohe den ersten Sieg mit dem neuen Trainer geholt. Mit 4:0 besiegte der Tabellenzweite die Reserve des Baiersdorfer SV. Da geht noch mehr, meint Karim Farhan.

Aktiv an der Seitenlinie: Tennenlohes Trainer Karim Farhan.

 / © Harald Sippel

Das neu Duo hat schon nach einer Viertelstunde überzeugt. Sven Röwe traf kurz nach Anpfiff zum 1:0, wenig später staubte er nach einem Schuss von Nicolas Hesl ab. An der Seitenlinie klatschte Karim Farhan da zum zweiten Mal allen Ersatzspielern in die Hände. Ein kurzer Moment, in dem seine Stimme nicht über den Platz hallte. Ansonsten aber rief Farhan seinen Fußballern unentwegt Anweisungen zu. Einzige Ausnahme: Er erklärte seinen Auswechselspielern etwas. Oder eben beim Tor. 

Grauer Pulli, schwarze Jeans, weiße Turnschuhe, so wanderte der 28-Jährige auf dem grünen Kunstrasenplatz entlang. Zur Winterpause war Farhan zum SVT gekommen, gemeinsam mit seinem Kumpel Sven Röwe, um die Mannschaft weiterzuentwickeln. Der Aufstieg, als Tabellenzweiter natürlich möglich, soll nicht das erste Ziel sein. Spielt die Mannschaft so weiter wie in den ersten 20 Minuten gegen Baiersdorf, aber dürfte er ein schöner Nebeneffekt werden. Spielen die Tennenloher wie in der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit, hat Farhan noch einiges zu tun. Kurz vor dem Seitenwechsel fiel dennoch das 3:0 durch David Hinrichs. Es war der erste richtige Angriff seit langer Zeit. Und sofort war der Ball wieder drin.

Die zweite Halbzeit begann wie die erste. Karim Farhan stoppte die Zeit mit seiner schwarzen Smartwatch mit. Dann startete er wieder das aktive Coaching. Geduldig spielten die Hausherren weiter, das 4:0 durch Niko Bogade war gegen harmlose Baiersdorfer verdient. Karim Farhan hatte da schon einen dreiviertel Liter Wasser getrunken und geschätzt 50-mal auf seine Uhr geschaut. Und er hatte sehr viel geschrien. Nur in der Schlussphase war Farhan ruhiger, witzelte sogar mit seinen Spielern.

Anschließend ging es in die Kabine, kurze Ansprache, die Stimme hielt, ehe auch die Fußballer ein wenig schreien durften. Der Jubel war über den ganzen Platz zu hören. Und auch Karim Farhan, während der Partie meist mit angespannter Miene, die Augenbrauen streng zusammengezogen, lächelte. „Es war das erste Pflichtspiel, dass wir gewonnen haben“, sagt er. Zum Restrunden-Auftakt hatte es nur für ein 2:2 beim Verfolger ASV Niederndorf gereicht. Jetzt, gegen den BSV, lief es besser.

„Wir hatten viel Ballbesitz, haben genau das umgesetzt, was wir trainiert haben, die Abschlüsse gesucht“, analysiert der Coach, „da darf man auch ein bisschen feiern.“ Ganz zufrieden ist Farhan trotzdem nicht, noch gegen Ende der Partie hatte er seine Spieler immer wieder angetrieben. Sie sollten trotz 4:0 weiter angreifen. „Wenn man früh führt und dominant spielt, kommt ein Schlendrian rein. Ich versuche, die Mannschaft zu motivieren, dass man es 90 Minuten durchzieht. Man hat viele Situationen, in denen man etwas lernen kann.“ 

Und darum geht es ja. Karim Farhan will seinen Fußballern etwas beibringen. Da mache es auch keinen Unterschied, dass es jetzt Erwachsene sind, während es bei seinen bisherigen Stationen als Trainer immer Kinder waren. Farhan hat in den Nachwuchsleistungszentren der Spielvereinigung Greuther Fürth und des 1. FC Nürnberg gearbeitet, zuletzt die U14 betreut. „Das ist natürlich anders. Dort haben wir viermal pro Woche trainiert, die Jugendlichen nehmen Dinge anders auf, sind technisch brutal stark.“ In Sachen Ausstattung und Ehrgeiz aber müsse sich der SV Tennenlohe nicht verstecken. Kommunikation war Farhan dabei immer wichtig. „Wir haben mit den Jugendlichen wie mit Erwachsenen gesprochen.“ Beim Club hat er viel gelernt.

Verantwortung auf mehreren Schultern

„Ich bin ein grundlegend ehrgeiziger Mensch, egal was ich tue“, sagt Farhan. Nach dem Abi ging er für ein Sport-Stipendium in die USA. „Im zweiten Jahr, das war in Florida, habe ich mir in der Vorbereitung das Kreuzband gerissen.“ Mittlerweile ist das rechte Knie kaputt, zwei Kreuzbandrisse, ein Wadenbeinbruch. Als 22-Jähriger begann er das Coaching. „Man lernt so schnell, Verantwortung zu übernehmen. Das hilft einem auch im Privaten und im Beruf.“ Lange hat der gebürtige Amberger, der seit seiner Kindheit in Nürnberg wohnt, nicht gebraucht, um sich in Tennenlohe Respekt zu verschaffen. „Das Alter ist zweitrangig, wenn ein Spieler erkennt, dass ihm der Trainer weiterhelfen kann. Von der ersten Minute an haben sie hier gesehen, dass ich keinen Stuss erzähle. Ich spüre das Vertrauen der Mannschaft.“ Geht das so weiter, könnte es richtig gut werden. „Wir verteilen die Verantwortung auf mehreren Schultern“, sagt Farhan. Auch wenn Sven Röwe zwei Tore gemacht hat — „wenn man das Spiel gesehen hat, weiß man, dass es von allen ein gutes Spiel war.“

Farhan hat ebenfalls alles dafür getan. Die vielen Anweisungen gehören zur Taktik, „Overload“-Prinzip nennt er das. „Es hilft beim Pressing und dabei, die eigene Mannschaft stressresistent zu machen.“ Doch es kommt auch Farhans Persönlichkeit entgegen. Ruhig herumzusitzen ist nicht sein Ding.

Mehr zum Thema