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Levente Bozsik: "Hinterher ist man immer klüger"

Kreisklasse 3

Als junger Fußballer träumte Levente Bozsik in Ungarn von einer Profikarriere, inzwischen ist er als Trainer in der Kreisklasse 3 Erlangen-Pegnitzgrund angekommen und muss auch mit dem FC Dormitz gegen Widerstände ankämpfen. Eine österliche Punkte-Bescherung käme gerade Recht.

Levente Bozsik (vorne) trifft mit seinen Dormitzern oft auf begabtere Teams wie die SG Wolfsberg/Geschwand (rote Trikots), einst träumte er als Talent selbst von einer Profikarriere.

 / © Maxbauer

Es lief so vielversprechend für den 19-jährigen Stürmer. Beim Heimatverein Budapesti VSC — ein mittlerweile in der Versenkung verschwundener Klub mit immerhin einem halben Dutzend Qualifikationsspielen auf europäischer Bühne und einst Station der nationalen Ikone Pál Dárdai — gelang Levente Bozsik auf Anhieb der Sprung in die Erstligamannschaft. Doch während er in der Heimat nebenbei bei einer Fluggesellschaft noch einem Broterwerb nachgehen musste, lockten die Perspektiven im Ausland.

Ein Onkel in Deutschland, früher aktiv in der DDR-Liga, fädelte 1999 ein Probetraining beim damaligen Regionalligisten FC Union Berlin ein. Levente Bosnik überzeugte und bekam einen Vertrag. Nachdem sich der Ungar in der ersten Saison noch als Stammkraft fühlen durfte, mit der Mannschaft als Meister erst in der Relegation scheiterte und im nächsten Anlauf 2001 schließlich in die 2. Bundesliga aufstieg, blieb ihm kaum noch Einsatzzeit vergönnt.

Als die Kollegen sensationell ins Pokalfinale einzogen und dem Vizemeister Schalke 04 vor 73 000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion unterlagen, saß der frustrierte Bozsik nur auf der Tribüne. „Hinterher ist man immer klüger. Der Schritt nach Deutschland war fußballerisch betrachtet ein Wechsel in eine andere Welt. Die Professionalität und der Trainingsaufwand, das waren Dinge, die ich aus Ungarn nicht unbedingt kannte und an die ich mich gewöhnen musste“, konstatiert der mittlerweile 39-Jährige. Zusätzlich durch Verletzungspech geplagt, sah Bozsik die Konkurrenten vorbeiziehen und gesteht sich heute ein: „Abgesehen von ein paar Ausnahmekönnern hat Talent nie den größten Anteil. Entscheidend ist, was man für seinen Körper tut und dass man mehr arbeitet als die anderen. Das habe ich nicht getan.“

Mit regelmäßiger Einnahme von Tabletten gegen Schmerzen in Hüfte und Knie, reichte es nur noch für kleineren Engagements bei Fortuna Köln, Carl-Zeiss Jena sowie in den Ligen in Finnland und Zypern, ehe Bozsik mit 24 Jahren kapituliert und die Karriere beendete. Nach anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten fasste der Ungar in Nürnberg beruflich Fuß, gründete eine Familie und bolzte am Feierabend zum Spaß ein wenig beim SC Germania in der Kreisklasse mit. Es folgte 2013 bei der SF Großgründlach im Knoblauchsland der Einstieg ins Trainergeschäft, das Bozsik über Umwege und seine Eigeninitiative auf einer digitalen Kontaktbörse im Sommer 2018 zum FC Dormitz führte. Dort hatte Aufstiegs-Coach Michael Köhler sein Amt aus privaten Gründen zur Verfügung gestellt.

Spielentscheider vermisst

Nach einer ansprechenden Hinrunde samt Mittelfeldplatz sind die Dormitzer nunmehr seit neun Spielen sieglos. Die Abstiegsränge sind noch fünf Punkte entfernt. „Die meisten Vereine haben ein bis zwei herausragende Akteure, die eigentlich zu gut für die Liga sind und regelmäßig die Spiele entscheiden. Als Aufsteiger haben wir es aktuell mit einem kleinen Kader und ein paar Verletzten nicht so einfach. Ich bin mir trotzdem sicher, dass wir die nötigen Punkte holen werden“, gibt sich Bozsik, der in 13 Spielen selbst die Schuhe schnürte, kämpferisch. Seine Geschichte könnte den Spielern als Vorlage dienen, wie man nach Rückschlägen wieder aufsteht.

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