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100 Jahre ASV Herzogenaurach: Vom Arbeiterverein zum adidas-Klub

Teil 1 der NN-Mini-Serie

100 Jahre alt wird der ASV Herzogenaurach – ein Verein mit einer wechselhaften Geschichte. Nach dem Verbot durch die Nazis begann ein steiler Aufstieg bis in die dritthöchste Liga, dem nach dem Rückzug des Sponsors adidas eine Talfahrt bis in die B-Klasse folgte. Hier Teil eins unserer kleinen Serie.

Der ASV Herzogenaurach als Meister der Bayernliga 1974. Mittendrin „Hansen“ Limmer, im Verein „Mädchen für alles“.

 / © Gotthard Lohmaier

Die im England des ausgehenden 19. Jahrhunderts entfachte und rasch um sich greifende Fußballbegeisterung ließ auch die Kleinstadt an der Aurach nicht unberührt: Aus dem unorganisierten Gebolze entstand 1916 – also mitten im Ersten. Weltkrieg – der 1. FC Herzogenaurach. Und im Frühjahr 1919, wenige Monate nach Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrags, gründeten Mitglieder des hier längst bestehenden Arbeiterturnvereins „Frankonia“ als Unterabteilung Fußball den „Sportclub Pfeil“, sozusagen die Urzelle des heutigen ASV.

Die 30 namentlich bekannten Gründungsväter frönten ihrer Leidenschaft zunächst auf der „Zimmerers Wiesn“ oberhalb des Weihersbachs, wo auch die Premiere gegen den TV Burgfarrnbach stattfand. Zu entfernten Auswärtsspielen gegen Mannschaften aus Forchheim oder Bamberg reisten sie auf dem Pferdefuhrwerk, die „Derbys“ gegen Vach oder Bruck erwanderten sie auf Schusters Rappen, also zu Fuß.

Ab 1925 jagte man dem Ball unter dem Namen „Freie Union“ hinterher (so hieß der Herzogenauracher Dachverband der „roten“ sportlichen und kulturellen Arbeitervereine), wechselte ein Jahr später das Vereinslokal, vom Ansbacher Tor (heute Al Centro) ins neu erbaute Volkshaus (Ecke Würzburger Straße/Wiesenweg), und holzte in einer nicht ganz legalen Nacht- und Nebelaktion ein Wäldchen an der Ansbacher Straße ab, die Geißbockwiese, von nun an das neue „Stadion“ der Unionsfußballer.

Nach der erzwungenen Auflösung aller sozialistischen Arbeiterorganisationen in der Nazi-Zeit ab Mai 1933 dauerte es bis zum 31. März 1946, bis der Fußballverein wiederbelebt werden konnte, nun unter dem Namen Allgemeiner Sportverein Herzogenaurach. Willy Peetz, einer der Gründerväter von 1919, wurde zum Vorsitzenden gewählt. Anfangs gab es sogar Sektionen für Handball, Leichtathletik, Turnen sowie eine recht erfolgreiche Theaterabteilung, doch setzte sich im Laufe der Jahre der Fußball als alleinige Sparte durch.

1947 war die Mitgliederzahl des ASV Herzogenaurach auf 228 angewachsen, so dass der Stadtrat grünes Licht gab für den Bau eines eigenen Sportplatzes auf städtischem Grund, dem heutigen Standort im südlichen Weihersbach, der als früherer Badeweiher allerdings erst zugeschüttet werden musste. Nach dem Einweihungsspiel 1949 gegen die Reserve der Spielvereinigung Fürth bezog man fünf Jahre später ein modernes Sportheim mit einer kleinen Wohnung für die Eheleute Limmer, die in vielen Funktionen („Hausl“, Platzwart, Waschen der Trikots usw.) dem Verein unschätzbare Dienste leisteten.

Ab der Neugründung ging es für den ASV Herzogenaurach sportlich langsam, aber stetig bergauf. Nach vielen Runden in der A-Klasse kletterte die erste Mannschaft 1966 in die Bezirksliga, 1968 in die Landes- und 1972 in die Bayernliga. Dort wurde man zwei Jahre später sogar Meister, musste freilich auf einen weiteren Aufstieg verzichten, weil ausgerechnet 1974 die zweite (Profi-)Bundesliga eingeführt und die Regionalligen aufgelöst wurden. Der ASV durfte lediglich um den Titel des Deutschen Amateurmeisters mitspielen, scheiterte jedoch im Viertelfinale an Reutlingen. Trotzdem ein Riesenerfolg, den bis heute kein anderes Herzogenauracher Fußballteam erreichte.

Bei den von adidas gesponserten Gastspielen des Deutschen Meisters Bayern München mit den Nationalspielern Beckenbauer, Müller, Hoeneß, Maier, Breitner und Schwarzenbeck, oder der spanischen Topmannschaft FC Sevilla (mit ihrem legendären Trainer Max Merkel) drängelten bis zu 6000 Zuschauer auf das Weihersbach-Gelände, es mussten sogar Zusatztribünen organisiert werden.

Geld und gesellschaftliches Renommee verdiente sich der ASV auch mit der Ausrichtung der Faschingsbälle am Rosenmontag. Diese Veranstaltungen im stets rappelvollen Vereinshaus gehörten in den 1960/70er Jahren zu den Höhepunkten der Herzogenauracher Unterhaltungskultur. Als jedoch Mäzen adidas nach und nach die finanziellen Zuwendungen für die Fußballer kürzte, so dass die in- und auswärtigen „Stars“ abwanderten, begann der unaufhaltsame Abstieg nicht nur bei den Senioren, sondern auch bei der Jugend, wo die „Kroninger-Buben“ zeitweise ebenfalls eine führende Rolle in der Bayernliga gespielt und als Talentschmiede für höhere Aufgaben gedient hatten.

Heute rangiert der ASV mit seiner 1. Mannschaft in der B-Klasse, doch bemüht sich die Vorstandschaft mit der rührigen Elke Sowa an der Spitze redlich, den Verein sowohl sportlich als auch finanziell nach vorne zu bringen. Damit befasst sich Teil 2 unserer kleinen Serie.

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