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Simon Müller: Ein junger Chef in der Kreisklasse

HEIMSPIEL

Simon Müller ist der neue Spielertrainer der SG Hetzles/Kleinsendelbach. Autoritätsprobleme, sagt er, gibt es keine. Obwohl er gerade einmal 18 Jahre jung ist.

„Ich versuche, das weiterzugeben, was mir von Trainern mitgegeben wurde, was mir Spaß macht“: Simon Müller (mit Ball) bei der Ansprache

 / © Benesch

Die letzte Skepsis, die gibt es nur noch am Stammtisch, sagt Georg Gierisch. „Aber ich sage dann immer: Im Berufsleben gibt es doch auch Mal einen jungen Chef. Dem muss man auch erstmal machen lassen, bevor man anfängt zu meckern.“ Gierisch jedenfalls, seit vielen Jahren Betreuer, vertraut Simon Müller. „Wenn man ihn beobachtet, dann weiß ich nicht, wo das Problem sein soll.“

18 Jahre jung ist Simon Müller vergangenen September geworden. Er war schon Spielertrainer seiner eigenen A-Jugend, Coach der Mädchenmannschaft und im vergangenen Jahr Co-Trainer von Markus Lutz bei der SG Hetzles/Kleinsendelbach, der noch jungen Spielgemeinschaft des SV Hetzles und des SV Kleinsendelbach. „Es kam da schon ein paar Mal vor, dass Markus nicht da sein konnte und ich das Training übernehmen musste. Ich muss sagen, es war fast so wie in der A-Jugend. Ich glaube, dass mein Alter für die Spieler auch kein Problem ist, solang sie sehen, dass ich ihnen etwas vermitteln kann.“

So sieht es auch die Mannschaft. „Es gab von Beginn an kaum Skepsis gegenüber Simon“, sagt Sven Allmann. „Die Mannschaft hat das durchwegs positiv aufgefasst, dass Simon Trainer wird, weil er fachlich und fußballerisch viel drauf hat.“ Und wenn es doch mal Probleme mit der Autorität gegenüber dem jungen Spielertrainer gibt, sagt der Kapitän, „gibt es genügend erfahrene Spieler, die dem Coach den Rücken stärken“.

Überlegen musste Simon Müller jedenfalls nicht lange, als er gefragt wurde, ob er sich auch das Cheftraineramt bei den Herren vorstellen könne. „Ich wurde befördert“, sagt er vielmehr. Und so empfindet es der angehende Physiotherapeut auch: „Es ist ja auch eine tolle Chance, verbunden mit großem Vertrauen, das sicher nicht jeder in meinem Alter ohne Weiteres bekommt.“

Bedenken hat Müller keine vor dieser ersten Spielertrainer-Saison in der Kreisklasse. Auch nicht, wenn der Erfolg mal ausbleiben sollte. „Manchmal muss der Trainer auch mal was durchziehen. Weil es eben doch was anderes ist, wenn jemand mit Mitte 50 etwas sagt oder wenn ich es tue. Da muss man auch mal hart bleiben, die Kante geben, gerade wenn man erst 18 ist. Sonst spielen sie mit dir.“ Das tun sie in Hetzles nicht mehr. Die Vorbereitung, sagt Müller, läuft gut, die Trainingsbeteiligung ist hoch. Auch die Testspielergebnisse waren zufriedenstellend. Ein besonderes Rezept hat der junge Coach dabei gar nicht: „Ich versuche, das weiterzugeben, was mir von Trainern mitgegeben wurde, was mir Spaß macht. Und auf dem Platz versuche ich Leistung zu bringen, sonst untergräbt das Autorität. Ansonsten habe ich doch nichts zu verlieren.“

Allein als Stürmer ist Simon Müller, der unter anderem schon in höheren Jugendklassen beim Baiersdorfer SV spielte, für Hetzles eine Verstärkung. Eine Oberschenkelverletzung zwang ihn, kürzer zu treten. Er kehrte zum Heimatverein nach Hetzles zurück. Gleichzeitig auf dem Platz zu stehen und die Mannschaft zu coachen, sieht Müller vielleicht als größte Herausforderung; teils deutlich älteren Familienvätern, Abteilungsleitern, Firmeninhabern sagen müssen, was sie sportlich zu tun haben. „Da werde ich auch erst hineinwachsen müssen, denke ich. Es ist klar, dass die älteren Spieler in den vergangenen Jahren den SV Hetzles oder den SV Kleinsendelbach geprägt haben, davor müssen die Jungen Respekt haben. Aber auch die Älteren, das wünsche ich mir, dürfen sich nicht ausruhen und sollen Gas geben. Es kamen immerhin neun A-Jugendliche in die Herrenmannschaft.“

Bleiben also nur die Skeptiker am Stammtisch. „Vorgestellt habe ich mich denen noch nicht. Aber die meisten kennen mich ja schon, seit ich als kleiner Bub hier gespielt habe. Nur mit dem Fred, der sich um den Platz kümmert, habe ich schon gesprochen. Der hat mich beglückwünscht und gesagt: Simon, wir machen das schon, das schaffen wir zusammen. Das fand ich schön.“

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