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3:0 für das Coronavirus: Fragezeichen hinter Kreisliga-Start

Kreisliga 2

Für drei Teams aus der Gemeinde Pottenstein hat das Trainingslager in Norditalien ein Nachspiel.

Der TSC Pottenstein musste sein Trainingslager am Gardasee kurzfristig abbrechen, weil der Sportplatz wegen der in Norditalien grassierenden Coronaepidemie gesperrt worden war.

 / © TSC

Eigentlich wollten der TSC Pottenstein, der SC Kühlenfels und der SV Kirchenbirkig-Regenthal in Ruhe ihr Trainingslager am Gardasee verbringen. Doch während ihres Aufenthalts starb ein 78-jähriger Mann im Norden Italiens an der Infektionskrankheit. Er war der erste europäische Todesfall durch das Coronavirus. Die Behörden riegelten zehn norditalienische Städte ab, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Für die Fußballer, Trainer und Betreuer der drei Vereine aus der Gemeinde Pottenstein hatte ihr Aufenthalt, der unabhängig voneinander erfolgte, Folgen. Nach ihrer Rückkehr konnte ein Teil von ihnen nicht mehr an den Arbeitsplatz zurück. Aus Sicherheitsgründen wurden sie von ihren Arbeitgebern – darunter KSB und ZF – erst einmal freigestellt.

Feinschliff gemacht

„Bei uns sind es sechzig bis siebzig Prozent, die nun zu Hause sind“, sagt Tobias Engelhardt, der beim TSC Pottenstein zweite Mannschaft trainiert. Der 31-jährige Entwicklungsingenieur gehörte zu den 25 Mann, die in der Nähe von Bardolino in einem Hotel in Cavaion Veronese Quartier bezogen. In dem von Weinbergen und Olivenhainen umgebenen Örtchen bereitete sich die erste und zweite Mannschaft auf die restliche Fußballsaison vor, die am 8. März beginnt. „Dort ist der Feinschliff gemacht worden“, so Engelhardt.

Am Samstag, 22. Februar, fuhren die Pottensteiner zum Gardasee. Die Rückfahrt war für Dienstag geplant. Trainiert wurden zweimal anderthalb Stunden täglich auf einen Platz etwa 250 Meter vom Hotel entfernt. „Kontakt zu Einheimischen gab es kaum“, berichtet Engelhardt. Denn die Pottensteiner hielten sich überwiegend im Hotel auf. Am Montag änderte sich plötzlich die Situation. „In den Medien war das Coronavirus nun groß präsent. Der Sportplatz wurde gesperrt.“ Die Hotelleitung riet dem Tross aus Pottenstein zur Abreise. „Es hieß, wir sollten so schnell wie möglich wegkommen“, so Engelhardt. Ein Tag früher als geplant, startete der Bus am Montag um 10 Uhr Richtung Heimat.

Dort informierten die meisten der Italienfahrer ihre Arbeitgeber. „Es wurde sehr hektisch und panisch“, so Engelhardt. ZF habe einen Spieler sofort mitgeteilt, dass er zwei Wochen zu Hause bleiben soll. Auch die bei KSB beschäftigten wurden angewiesen, nicht zur Arbeit zu kommen. Engelhardt informierte ebenfalls seine Firma in Weidenberg und macht seitdem Homeoffice. Ähnlich erging es den Fußballkameraden aus Kühlenfels und Kirchenbirkig/ Regenthal nach der Rückkehr vom Gardasee. Der Sportliche Leiter des SC Kühlenfels, Mario Peter (36), geht davon aus, dass sich keiner der 20, die im Trainingslager in Arco mit dabei waren, angesteckt hat. „Ich bin deshalb nicht besorgt.“ Man sei 200 Kilometer vom Krisengebiet in Norditalien entfernt gewesen. Spieler, Trainer und Betreuer hätten sich im Hotel aufgehalten. „Keiner ist in die Disko gegangen, die Jungs waren anständig“, sagt Peter. Von den 20 Mann seien zwölf Leute bei KSB von der Arbeit freigestellt worden. Diejenigen, die nicht bei großen Konzernen beschäftigt seien, würden „ganz normal auf die Arbeit gehen“.

„Um auf Nummer sicher zu gehen, müssten alle zu Hause bleiben“, sagt Dr. Franz Macht. Der Vorsitzende des SC Kühlenfels ist Arzt und wundert sich, dass von denen, die im Trainingslager waren, ein „Vater auf die Arbeit geht, während sein Sohn zu Hause bleiben muss“. Was Mario Peter aber auch den anderen Verantwortlichen der betroffenen Fußballteams, Sorgen bereitet, ist die in Kürze beginnende restliche Fußballsaison. Wenn es mit dem Punktspielbetrieb in der Kreisliga wieder losgeht, dann haben die Kühlenfelser zwei Wochen nicht trainiert. Deshalb müsse man jetzt erst einmal schauen, wie es weitergeht. Nächste Woche wollen sich die Verantwortlichen des SC zusammensetzen und die Lage beraten. Möglicherweise könne die Begegnung verlegt werden. „Wir wissen nicht, was der bayerische Fußballverband macht“, sagt Peter.

Vereine in der Zwickmühle

In der Zwickmühle sitzt auch der LokalrivaleTSC Pottenstein, der ebenfalls in der Kreisliga antritt. "Ich weiß nicht so recht, wie wir das Thema angehen sollen“, sagt Tobias Engelhardt, der die TSC-Reserve coacht, aber in diesem Fall auch die erste Mannschaft meint. Die Vorbereitungsspiele an diesem Wochenende seien abgesagt worden. Ob beide Teams am 8. März ihre Punktspiele bestreiten können, steht auch noch nicht fest. „Der Termin würde noch in die Inkubationszeit fallen.“ Die beträgt beim Coronavirus etwa 14 Tage.

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