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Wenn die Freundin den Torwart warmschießt: Jan Wildner und seine Victoria

Kreisliga 1

Captain's Corner: In seiner Laufbahn konnte Jan Wildner schon reichlich höherklassige Erfahrung sammeln. Nach einer rund vierjährigen Fußballpause landete er – wie die meisten seiner Mitspieler – über den Beruf bei Victoria Erlangen. Dort steht er nun Spieltag um Spieltag mit ehemaligen Erstligaspielern auf dem Feld.

Ein Bild aus dem Jahr 2018: Jan Wildner (rechts) versucht Adelsdorfs Pascal Benes zu stoppen.

 / © Sportfoto Zink

Jan, wie viele Sprachen muss man denn als Captain der Victoria können?

Also die Amtssprache bei uns ist Englisch. Ansonsten haben wir aber Franzosen, Italiener, Österreicher, Tschechen, Amerikaner und Spanier im Team – wir bekommen bestimmt zehn unterschiedliche Nationen zusammen. Das Trainer- und Kapitänsteam ist aber schon deutschsprachig, damit die Schiedsrichter einen Ansprechpartner haben, mit dem sie sich auch problemlos unterhalten können.

Wie war dein Werdegang, bis du bei Victoria gelandet bist?

Im Prinzip hab' ich das Fußballspielen bei der DJK Eibach angefangen, dann viele Vereine in der Gegend abgetingelt. Am Ende der Jugend und am Anfang des Herrenbereichs war ich bei Quelle Fürth, später bei Zirndorf, Schwabach, Vach und dann bei Eltersdorf, wo wir jetzt ja auch unsere Heimspiele haben. Trainer zu der Zeit war Ludwig Preis, der beste Trainer den ich je hatte. Mit 25 Jahren bin ich dann relativ jung Vater geworden und auch wegen meines Jobs war dann nicht mehr alles miteinander vereinbar, sodass ich dann eigentlich vom einen auf den anderen Tag mit dem Fußball aufgehört hab'. Nach einigen Jahren ohne Fußball habe ich dann wieder bei Victoria angefangen, wo ich über den Job gelandet bin.

Dann hast du ja ordentlich höherklassige Erfahrung gesammelt?

Bis zur Bayernliga hat es gelangt – aber das ist bei eigentlich allen bei uns im Team so. Wir haben viele Spieler, die schon mal ganz gut kicken konnten. Etwa Legenden wie Tomas Galasek oder Leute, die in Colleges oder auch schon mal in der ersten Liga gespielt haben. Da sind schon einige Raketen dabei. Da ist dann natürlich schon ein Spiel- und Grundverständnis vorhanden, sogar wenn man nicht trainiert. Seit diesem Jahr trainieren wir aber zumindest einmal die Woche – auch wenn auf dem Feld trotzdem immer elf andere Spieler stehen. Irgendwie finden wir auf dem Platz immer zusammen.

War das für euch eine große Umstellung, ein festes Training zu machen?

Vorher war es so, dass wir einmal die Woche freiwillig trainiert haben – das ist dann aber meistens trotzdem ausgefallen. Nach unserem Aufstieg in die Kreisliga haben wir dann gemerkt, dass das Niveau gar nicht so verkehrt ist und, obwohl bei den meisten eine gute Grundfitness vorhanden ist, wir schnell was machen müssen. Seitdem trainieren wir regelmäßig einmal die Woche und wenn man die Saison anschaut, scheint das auch was zu bringen. Das machen die Gebrüder Frasch schon sehr ordentlich. Im Training gibt’s dann weniger Taktik, aber viel mit Ball und Abschluss – und danach beim Griechen im Sportheim ein Bier. Das ist nicht nur gut für unser Spiel, sondern auch für die Kameradschaft. Und außerdem ist es nicht schlecht, immer ein wenig Englisch zu sprechen.

Wie bewertest du eure Hinrunde bisher?

In der letzten Saison haben wir sehr oft unentschieden gespielt und dabei auch oft erst spät den Ausgleich bekommen. Durch unseren besseren Fitnesslevel gewinnen wir jetzt die Spiele auch mal knapp – auch hinten raus. Das Training zeigt da Wirkung und vom Saisonverlauf sind wir positiv überrascht. Wir wollen die Saison sorgenfrei Spielen und Spaß haben, weil jeder bei uns im Team den Sport liebt.

Meinst du, dass das in dieser Saison noch sorgenfrei geht?

Das ist wirklich schwer abzusehen, da sind wir uns alle einig. Man darf in erster Linie keine Gefährdung eingehen, sei es für Spieler oder Zuschauer. Und da vertrauen wir den Leuten, die die Vorgaben machen. Bei uns geht es ja nicht um Auf- oder Abstieg, aber wir würden natürlich gerne so schnell es geht wieder auf den Platz. Ich weiß nicht, wie das bei den Teams ist, die investieren und aufsteigen wollen, aber es werden ja schon einige Szenarien diskutiert und Recht machen, wird man es am Ende eh nicht allen können.

Gibt es ein Erlebnis in deiner Victoria-Zeit, das du dir besonders gern in Erinnerung rufst?

Natürlich gibt’s da die zwei Kreisklassen-Aufstiegsspiele gegen Siemens Erlangen und Röttenbach II. Mit Siemens hatten wir uns zuvor schon die gesamte Saison gebattelt. Im Spiel waren wir dann schnell 1:3 zurückgelegen, konnten dann aber, unter anderem durch ein Wahnsinnstor von mir, kurz vor Schluss wieder ausgleichen. In der Nachspielzeit machen die dann das 4:3. Drei Tage später haben wir dann gegen Röttenbach gespielt und da ist Marek Mintal für uns aufgelaufen. Das war schon Wahnsinn. Er hat uns nicht gekannt und sich eigentlich nicht am Spiel beteiligt, aber dann eben zweimal den Pass bekommen, das Visier hochgeklappt, und das Ding reingemacht. Das war ein geiles Spiel und am Ende haben wir den Sieg eingefahren. Aber auch dieses Jahr gab's den ultimativen Victoria-Moment im Spiel in Ebermannstadt. Wir waren gerade so elf Spieler, unser Torwart hat sich von seiner Freundin warmschießen lassen. Da dachten sicher schon alle, was wir für ein Haufen sind. Nach einer gelb-roten Karte waren wir dann auch noch zu Zehnt, haben aber mit dem ersten Torschuss das 1:0 und mit dem zweiten das 2:0 gemacht. Ebermannstadt hat sogar einen Elfmeter verschossen und dann stand es auf einmal 5:0 für uns, am Ende sind wir mit einem 5:2 heimgefahren. Da wären wir beinahe gelyncht worden, weil niemand so recht wusste, wie das passieren konnte.

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