Das Amateurfußballportal für Mittelfranken
Partner im
Amateurfußballnetzwerk
Partner im Amateurfußballnetzwerk

Zwischen Sehnsucht und Sinn: "Pumas", TV 48, Eltersdorf und Co. über den Re-Start

Corona-Krise

Seit Montag dürfen auch die Amateurfußballer wieder zum Training auf den Platz - zumindest unter strengen Auflagen. Die meisten Verein im Kreis Erlangen/Pegnitzgrund, ob Bayernliga, Landesliga oder A-Klasse, halten diese nicht für umsetzbar.

Geht es bald wieder los? Beim Turnverein Erlangen dürfen Fußballer wieder auf den Rasen. Wenn auch nur in Kleingruppen.

 / © Zink

Wer dachte, dass alle sofort auf die Plätze stürmen, hat sich geirrt. Viele Fußballer trainieren noch nicht. Zu den Auflagen für das gemeinsame Üben gehören das regelmäßige Desinfizieren der Bälle und Trainingsgeräte, Trainingsgruppen von maximal fünf Personen und der Mindestabstand von 1,5 Metern.

„Es juckt schon in den Füßen“, sagt Bernd Eigner (48). „Die Jungs rufen mich an, fragen, wann es endlich wieder los geht.“ Und trotzdem sieht der Trainer des Bayernligisten SC Eltersdorf und Ex-Bundesligaprofi zu viele Gründe, die gegen eine sofortige Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs sprechen: „Du darfst keinen Zweikampf führen, den Ball nicht mit der Hand berühren. Mir bleiben das Passspiel mit vier Mann und ein bisschen Fußballtennis. Viel mehr geht nicht.“ Dazu sollen immer die selben Gruppen zusammen trainieren, was Schwierigkeiten in der Koordinierung mit sich bringen könnte.

Angesichts des noch weit entfernten Re-Starts des Ligabetriebs, der erst ab September erfolgen soll, sind auch Kreisligist ASV Möhrendorf und der SV Bubenreuth aus der A-Klasse noch nicht wieder auf den Platz zurückgekehrt. Für beide ist die Umsetzung eines Hygienekonzepts ein großer Aufwand. „Zumal es für uns immer noch ‚nur‘ ein Hobby ist“, sagt SVB-Coach Daniel Rille (34). „Es ist wichtiger, dass alle gesund sind.“ Bis dato hält er seine Jungs zweimal pro Woche mit Online-Workouts über die Video-Plattform Zoom fit.

Heinz Halmer (44), Spielertrainer in Möhrendorf, fordert sich und seinen Sohn mit Fußball-Challenges im Garten. Bei ihm drehte sich auch in der fußballfreien Zeit alles um das Leder. Wenn er könnte, würde er gleich morgen wieder trainieren. Man müsse aber auch den gesamten Verein sehen. „Schließlich“, sagt Halmer, „wollen alle wieder auf den Platz“. Gerade in den jüngeren Jugendteams sei dies mit Hygieneauflagen schwer umsetzbar.

TV 48 Erlangen startet Testlauf

Anders sieht es beim TV 48 Erlangen aus. Der Bezirksligist ist Vorreiter in der Umsetzung der Hygienemaßnahmen und startet am Donnerstag den ersten Testlauf. Co-Trainer und Jugendleiter Markus Bauer hat dem Vorstand ein umfassendes Konzept vorgelegt, inklusive neuen Parkplatzmarkierungen, Desinfektionsmittel-Spendern und einem zeitlich genauen Ablauf der Trainingseinheiten. „Die Jungs haben exakte Slots, wann sie am Gelände ankommen, zum Platz laufen und wieder zurück zum Auto gehen müssen“, sagt Chefcoach Hannes Decher (29). Zwar hätten die vergangenen Monate ohne Fußball auch zur Entspannung beigetragen, „jetzt würde ich aber gern bald mal wieder mehr Stress haben“.

Eigentlich kann es auch Jakob Karches kaum noch abwarten, bis er und seine Spieler wieder einen Ball am Fuß haben. „Wir würden am liebsten sofort wieder auf den Platz gehen“, sagt der Spielertrainer des Landesligisten 1. FC Herzogenaurach. Noch muss er sich aber gedulden. Denn der Verein muss die Hygienemaßnahmen auch umsetzen können. Bis es soweit ist, halten sie sich beim FCH anderweitig fit. Die Spieler müssen jede Woche jeweils 30 Kilometer laufen – und ihrem Trainer einen Screenshot ihrer Lauf-App als Beweis schicken. Bald soll es auch Athletik- und Stabilitätstraining per Video geben. „Normalerweise mögen viele der Jungs solche Übungen nicht. Aber jetzt lernt man das zu schätzen, was man vorher nicht zu schätzen wusste“, scherzt Karches. Auch wenn es bis zum Saisonstart Anfang September noch dauert, die Videoübungen können auch das eingeschränkte Training in Kleingruppen auf dem Platz nicht dauerhaft ersetzen, findet der Coach. „Ich sage schon nach der Winterpause immer, dass wir manchmal spielen, als wenn wir noch Skistiefel am Fuß hätten. Und Corona-Stiefel können wir uns nicht leisten.“

Beim Bezirksligisten ASV Weisendorf wartet man lieber noch ab. „So einfach sind die Vorgaben nicht umzusetzen“, sagt Trainer Bernd Fuchsbauer. Zu den zu erfüllenden Sicherheitsmaßnahmen kämen außerdem Fragen der Haftung. Nachdem die Saison erst im September weitergeht, sei noch viel Zeit. „Leistungsorientiertes Training macht im Moment nicht viel Sinn. Wir sind deshalb entspannt und wollen kein Schnell-Schnell.“ Vor allem bei den Erwachsenen. Bei der Rückkehr ins Training sollten sowieso eher die Kinder und Jugendlichen den Vorrang genießen, findet Fuchsbauer. Seinen Spielern sei bewusst, dass es momentan Wichtigeres als Fußball gebe: „Schule, Uni, Arbeit – alle diese Dinge müssen ja erst einmal ins Laufen kommen.“ Dass es nun grundsätzlich wieder erlaubt ist, in Kleingruppen mit einem Fußball auf dem Platz zu trainieren, begrüßt der Trainer aber: „Wichtig ist, dass unter erheblichen Sicherheitsmaßnahmen zumindest die Möglichkeit wieder besteht.“ Auch wenn nicht alle sie nutzen.

Mehr zum Thema

Oliver Mennel: Ein trauriger Derbyheld

Beim 2:2 im Stadtderby der Bezirksliga Nord teilen sich die SpVgg Erlangen und der TV 48 Erlangen die Punkte - auch dank einer besonderen Trainingseinheit.