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Schönewalde, Brand, Shanghai: Manuel Maisel über sein Abenteuer China

Kreisliga 2

Es wäre wohl vermessen, Manuel Maisel als Lockdown-Experten zu bezeichnen. Allerdings erlebte der frühere Spieler des TSV Brand die Corona-Maßnahmen sowohl in China wie auch in Deutschland hautnah mit. Wir haben uns mit ihm über seine spannenden Erfahrungen in Fernost unterhalten und auch eine Einschätzung eingeholt, ob der dortige Amateurfußball mit dem hiesigen vergleichbar ist.

Manuel Maisel bei seinem Abschied gemeinsam mit Dominik Schroft.

 / © privat

Im September 2019 begann für Maisel ein spannendes neues Abenteuer. Der 32-Jährige ging für seinen Arbeitgeber Adidas nach Shanghai und ist seitdem dort für die Vermarktung der Partnerschaft mit den „Big-Five“ zuständig. Die Adidas-Partner Real Madrid, Bayern München, Juventus Turin, Manchester United und FC Arsenal sind sein Spezialgebiet, und somit steht das runde Leder auch in seinem Beruf im Mittelpunkt. Damit endete auch seine Karriere im deutschen Amateurfußball, die ihn durch einige Bundesländer geführt hatte.

Ursprünglich kommt er aus Brandenburg, und wie auf dem Dorf eben so üblich, wuchs er mit dem Ball am Fuß auf. Nach der Schule ging es sofort auf den Bolzplatz, und erst zum Abendessen war der junge Manuel dann wieder zu Hause. Natürlich schloss er sich auch seinem Dorfverein SV Linde Schönewalde an und verbrachte dort seine gesamte Jugendzeit. Das Studium verschlug ihn dann nach Hildesheim in Niedersachsen, wo er die Möglichkeit bekam, in der Bezirksoberliga höherklassige Erfahrung zu sammeln. Dort bekam er dann auch etwas Geld und konnte so sein großes Hobby als Nebenjob ausüben. Sein beruflicher Weg führte ihn dann zu Adidas, und das Frankenland wurde seine neue Heimat.

Der Kontakt zum TSV Brand kam über die beiden Trainer Alexander Roth und Christian Staatz zustande, die bekanntlich ebenfalls für den Sportartikelhersteller in Herzogenaurach arbeiten. „Die Jungs in Brand haben mich mit offenen Armen empfangen. In den kleinen Dorfvereinen ist das nicht immer selbstverständlich, aber schon nach dem ersten Training war mir klar, dass ich dort wieder hin will. Mit dem obligatorischen Bier danach haben wir es dann besiegelt.“ Somit stieg er zur Saison 2018/19 ein und war mit seiner Erfahrung sofort gefordert, als die junge Mannschaft in die Abstiegszone rutschte. Zahlreiche verletzte Leistungsträger und das fehlende Glück sorgten dafür, dass der TSV unverhofft um den Klassenerhalt kämpfen musste.

„Wir haben durch diese Zeit gelernt, wie wir die Spiele angehen müssen. Wir haben die Situation angenommen und sind dann in der Rückrunde 2019 durch die Negativerfahrungen gestärkt wiederkommen.“ Das Team des Duos Roth/Staatz legte eine beeindruckende Rückserie hin und konnte den Höhenflug auch in die neue Saison hinüberretten. Bis zu seinem Abschied im September wirkte Maisel noch auf dem Platz mit und sorgte mit dafür, dass die „Weiher Buben“ in der Spitzengruppe vertreten sind. Über das Niveau im Spielkreis Erlangen/Pegnitzgrund hat der 32-Jährige nur Positives zu berichten: „Die Mannschaften in der Kreisliga sind wirklich gut. Man merkt, dass Nuancen entscheiden können und die Einstellung am Spieltag sehr wichtig ist. Ich habe es in den anderen Bundesländern auch erlebt, dass der Leistungsunterschied innerhalb der Liga sehr groß ist, das ist hier definitiv anders.“

Einen großen Verdienst an der Brander Erfolgsgeschichte spricht er seinen beiden Arbeitskollegen Roth und Staatz zu, die sich seiner Meinung nach perfekt ergänzen und mit ihrer Erfahrung der Mannschaft sehr weiterhelfen. „Die jungen Spieler nehmen ihre Ratschläge auch an, das habe ich auch schon anders erlebt.“ Auch in Fernost hat er die Spiele seiner Mannschaft weiterverfolgt, und der Kontakt zum Team ist nie abgerissen. Da er aufgrund der Covid-19-Thematik seit drei Monaten in Deutschland festsitzt, konnte er sogar Teile der Wintervorbereitung in Brand absolvieren und auch beim jetzt stattfinden Online-Training ist er mit von der Partie.

Um im Reich der Mitte sofort Anschluss zu finden, hat er sich dort einer lokalen Mannschaft angeschlossen. Das dortige System unterscheidet sich allerdings vom deutschen, und so spielt er in einer internationalen Liga, in der sich Spieler unterschiedlichster Nationalitäten zusammenfinden. 14 Mannschaften sind es, und er spielt in einem Team, das hauptsächlich aus Engländern besteht. „Unser Hauptsponsor ist die größte Sports-Bar in Shanghai, und wir fahren immer mit dem Bus zu einem Spiel. Danach geht es auch mit dem Bus zurück in die Bar, so dass ich auf das Bier danach nicht verzichten muss.“ Vom Niveau her schätzt er die sechs besten Mannschaften als gute Kreisliga-Teams ein, während andere Teams eher auf A-Klassen-Level unterwegs sind. Auch spannend sind die unterschiedlichen Spielweisen der Teams: Während die Japaner, die körperlich unterlegen sind, vor allem durch Technik und Schnelligkeit zum Erfolg kommen, gehen die Kicker aus Großbritannien eher robust zu Werke. „Jedes Spiel macht Spaß, und durch den Fußball habe ich super schnell Anschluss gefunden.“

Der Fußball ist in China allerdings noch nicht vollkommen angekommen. Er hat noch nicht den Stellenwert wie in Europa erreicht, allerdings ist das vorhandene Potenzial riesig. „Die geplante Klub-WM wäre wohl der Dosenöffner für den Fußball gewesen, sie ist jetzt aber ein Jahr nach hinten verschoben.“ Ein Grund für die noch fehlende flächendeckende Begeisterung ist wohl auch die Nationalmannschaft, die kein internationales Spitzenniveau hat und somit im stolzen und patriotischen China kaum wahrgenommen wird.

Relativ schnell nach seiner Ankunft in seiner neuen Heimat sah er sich mit der Thematik rund um das Corona-Virus konfrontiert, da China schon Anfang dieses Jahres heftig betroffen war. So bekam er auch den Lockdown dort hautnah mit und entschied zusammen mit seinem Arbeitgeber, zwischenzeitlich nach Deutschland zurückzukehren. Somit war er auch hier live dabei, als die Maßnahmen deutlich verschärft und Kontaktbeschränkungen verhängt wurden. „In China werden die Regeln und Anordnungen der Politik noch intensiver befolgt. Die Leute waren über Wochen zu Hause, das war für mich sehr ungewohnt. Themen wie Masken gehören dort schon länger zur Gesellschaft, die Leute sind einen solchen Respekt vor einer Krankheit gewohnt. Ich denke aber auch, dass wir in Deutschland die Situation gut angenommen haben und man sieht, dass sich die Bevölkerung an die Vorgaben hält, egal wie schwer man sich manchmal tut. Ich denke, dass ein großer Unterschied auch ist, dass man in China schon gewisse Erfahrungswerte durch ähnliche Situationen wie das SARS-Virus 2002 hatte.“

Noch muss Maisel auf seine Rückkehr warten, sein Team allerdings trainiert und spielt schon wieder seit drei Wochen und hofft wohl auch auf eine schnelle Rückkehr ihres deutschen Mitspielers. So lange hält er sich in Deutschland fit, und vielleicht ist ja auch noch mal ein Training auf dem Gelände des TSV Brand möglich, um noch mal mit den alten Kollegen über das Feld zu jagen.

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