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Hans Brendel: Kumpels und Gößweinstein statt höherklassiger Fußball

Klub-Ikonen

Zuverlässiger Goalgetter, filigraner Libero oder auch jahrelanger Rückhalt. Jeder Verein hat sie, seine Klub-Ikonen. Wir haben uns auf die Suche gemacht und in den Klubs der Kreisliga 2 wahre Legenden gefunden. Bevor sich Hans Brendel beim SV Gößweinstein den Legendenstatus erarbeiten konnte, mussten seine Jugendtrainer erst seine Eltern vom Fußball überzeugen.

Hans Brendel (Mitte) startete seine Karriere 1966 beim SV Gößweinstein. Bis heute ist der Obmann der Schiedsrichtergruppe Fränkische Schweiz.

 / © privat

Eine F- oder E-Jugend gab es beim SV Gößweinstein damals nicht, sodass für den jungen Hans Brendel gar nicht die Möglichkeit bestand, im Kindesalter mit dem Kicken anzufangen. Erst mit 14 Jahren, 1966, konnte er somit seine Karriere starten, nachdem Überzeugungsarbeit geleistet worden war: „Maßgeblich war Peter Dürr beteiligt, der heute noch in der Vorstandschaft ist und damals Jugendleiter war. Er hat meine Eltern überzeugt, sodass ich überhaupt erst Fußball spielen durfte. Damals hat es auch noch keine Altersklassen im heutigen Sinn gegeben, da hab ich dann mit 14 schon in der A-Jugend gespielt.“

Nur drei Jahre später, mit 17, ging es für Brendel dann schon in den Herrenbereich. Das erste Highlight ließ nicht lange auf sich warten, denn der Aufstieg in die B-Klasse wurde nur wenig später klargemacht: In Weilersbach kam es zum Entscheidungsspiel gegen die SpVgg Dürrbrunn und der SVG setzte sich durch. Auch in der Folge blieb er ein entscheidender Baustein der Mannschaft, was auch höherklassigen Vereinen nicht verborgen blieb. Als dann der BSC Erlangen, damals SpVgg Büchenbach, aus der Bayernliga anfragte, entschied sich Brendel dafür, das Abenteuer zu wagen. Drei Jahre, von 1976 bis 1979, lief er fortan für die Büchenbacher auf, ehe die Rückkehr zu seinem Heimatverein folgte.

„Ich hab damals in München das Studieren angefangen und stand dann vor der Entscheidung, dort höherklassig zu spielen, aber ich wollte lieber am Wochenende bei meinen Kumpels sein. Deswegen habe ich mich dann für Gößweinstein entschieden.“ Das Ende seiner Karriere in Gößweinstein war aber noch lange nicht in Sicht. In der früheren B-Klasse war er bis ins hohe Alter von 43 noch aktiv, der Fußball wollte ihn einfach nicht loslassen. In den 90er Jahren war Brendel dann sogar für zwei Jahre Trainer der ersten Mannschaft: „Es waren schwierige Zeiten, es ist nicht so gut gelaufen und war nicht einfach, einen externen Trainer zu bekommen.“ Wenn es die Zeit zulässt, kickt er sogar noch heute bei den Alten Herren gerne mal mit.

Viel Überzeugungsarbeit

Neben dem Platz ging beim SVG ohne Brendel ebenfalls wenig, bekleidete er doch zehn Jahre das Amt des Jugendleiters, betreute nebenher noch viele Jugendmannschaften, und auch in der JFG Fränkische Schweiz agierte er weitere zwölf Jahre als Vorstand. „Seit 1981 bin ich dazu noch Schiedsrichter für den SV Gößweinstein.“ Auch hier war für den Einstieg Überzeugungsarbeit vonnöten, diesmal musste aber Brendel selbst überredet werden. „Irgendwann hätte ich die Prüfung sowieso gebraucht, weil ich zu dieser Zeit meinen Trainerschein gemacht habe, aber zwei Schiedsrichter aus Gößweinstein haben mich dann einfach einmal mitgenommen. Das waren unser damaliger Spielleiter Erwin Wedel und der mittlerweile leider verstorbene Hans Breitschaft.“ Im Jahr 2006 übernahm er in seiner Schiedsrichtergruppe Fränkische Schweiz dann sogar das Amt des Obmanns, welches er bis heute innehat.

Nicht etwa seine aktive Karriere beschreibt Brendel als die prägendste Zeit, vielmehr sind ihm die Spieltage in den Kindertagen in Erinnerung geblieben: „Sonntags ist man früh nach Gößweinstein in die Kirche gegangen und danach dann gleich auf den Sportplatz auf dem Bärenstein. Nachmittags haben dann die Mannschaften gespielt.“ Auch seine Jugendtrainer Dürr und Konrad Walter bezeichnet er als prägend, da sie ihm in seiner Anfangszeit vieles ermöglichten und die ersten Schritte im Vereinsfußball begleiteten.

Gerne denkt er an den alten Sportplatz am Bärenstein zurück, auch beim Neubau des jetzigen Sportgeländes in den 80er Jahren arbeitete er fleißig mit: „Ich kann mich noch an ein Ereignis von damals erinnern, als wir wieder in die B-Klasse aufgestiegen sind, es war das letzte Spiel am Bärenstein. An dem Tag hat es aus Kübeln geregnet, und als wir vom Platz runter sind, sind wir auf den Traktoranhänger und durch den Ort gefahren, dafür würde man uns heute für verrückt erklären.“

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