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Wenn der Lieblingsverein zum eigenen Abschiedsspiel anreist

Marco Galuska ist neuerdings 2. Vorstand, zum 110. Geburtstag BaKis wurde ihm noch ein Traum erfüllt

Seine Anforderungen an die Ausrich­ter eines Freundschaftsspiels hat Bay­ern München auf vier DIN-A4-Seiten festgehalten. Der deutsche Rekord­meister schreibt die Höhe der Grashal­me vor und das Gewicht des Crushed Ice vor der Kabine. Als Fortuna Köln bei den Bayern Kickers für den Liga­start testete, freute sich der Drittligist über eine Waschmaschine und einen Trockner, die erst kurz zuvor ange­schafft worden waren. Und das waren nicht die einzigen Neuanschaffungen.

Spalier für einen großen Amateurfußballer: Marco Galuska beendet seine Karriere – und sein Abschiedsspiel gegen seinen Lieblingsverein ohne Gegentor.

 / © Stefan Hippel

Marco Galuska war fünf Jahre alt, als er sich in einen Fußballverein ver­liebte. Unschuldig begann diese Lie­be, dem kleinen Marco fehlten im Pani­ni-Heft die Hälfte der Spieler dieses Ver­eins. Sein Interesse war geweckt, wer so schwer zu bekommen war, der musste etwas ganz Besonderes sein. Und weil Verwandtschaft ganz in der Nähe wohnte und weil ein Besuch beim zweiten Verein in dieser Stadt zu gefährlich war, sah der Junge in jeden Sommerferien ein Heimspiel seines Lieblingsklubs, mindestens. Viel spä­ter, aus dem kleinen Marco war ein ziemlich großer Marco geworden, hat bei er einer Weihnachtsaktion des Ver­eins ein Meet and Greet gewonnen. Das Treffen war ein Erfolg, die Profis akzeptierten den Bezirksligafußballer auf Augenhöhe. Er knüpfte Kontakte, aus seinem Verein hospitierte ein ehe­maliger Mitspieler bei seinem Lieb­lingsverein. Und am Samstag absol­vierte Marco Galuska sein Abschieds­spiel gegen seinen Lieblingsverein.

Ein völlig neues Gesicht

Man sollte vielleicht noch hinzufü­gen, dass sich der fünf Jahre alte Mar­co Galuska nicht in den FC Bayern München, Manchester United oder Real Madrid verliebt hatte. Galuskas Lieblingsverein ist der Sportclub For­tuna Köln – von Hans, der sich selbst Jean nannte, Löring in den bezahlten Fußball geführt, letztlich aber auch so abhängig, dass ohne Lörings Geld die Insolvenz drohte, auch von den Fans gerettet und mittlerweile im Mittel­feld der 3. Liga angekommen. Und so stand Galuska in der zweiten Halbzeit hinter dem Netz und genoss, auch wenn er ein erstes und einziges Mal nicht zu seinem Verein hielt. Außerdem führte Fortuna mit 6:0, es würde nicht mehr spannend wer­den. Als Galuska ging, stand es noch 0:0. Der ehemalige Kapitän der Bay­ern Kickers hatte noch einmal eine Viertelstunde mitgespielt, seit März hatte er nicht trainiert – auch, um sei­ne Achillessehnen zu schonen und we­nigstens in der letzten Partie schmerz­frei spielen zu können. Galuska wur­de mit einer frühen Auswechslung ver­abschiedet, was es den 320 Zuschau­ern nicht einfacher machte. Wen soll­te man genauer beobachten, den weite­ren Weg des beliebten Galuska, die Schnelligkeit des Gegners, die tapfe­ren Bemühungen der eigenen Mann­schaft oder den neuen Rasen?

Achim Mletzko entschied sich für Fortuna Köln – und den Rasen. „Wie schnell die sind, Wahnsinn“, sagte Mletzko und stellte sich vor, wie diese wahnsinnig schnellen Fortunen gegen Bayern München aussehen würden. Auf diesem Rasen wahrscheinlich großartig. In drei Tagen war der Roll­rasen verlegt worden. Der abbruchrei­fe Funktionstrakt wurde kernsaniert. Im letzten Jahr veränderte der FC Bay­ern Kickers sein Gesicht, das große Herz und das bescheidene Hirn sollen sich davon nicht beeindruckt zeigen.

Noch mehr Neues zum 111.?

Zumindest in der Zukunft. An die­sem schönen Samstagnachmittag aber freute sich der erste Vorstand des FC Bayern Kickers „als fränkischer Pro­testant aus ganzem Herzen“. Wenn Mletzko früher durch das Knoblauchs­land geradelt ist, von Amateurfußball­verein zu Amateurfußballverein, muss­te er feststellen, dass seine Bayern Kickers vom äußeren Eindruck abge­schlagen Letzter waren. „Jetzt sind wir top in Mittelfranken. Wer hier vor­beikommt, kann sich sicher vorstel­len, seine Kinder hier anzumelden“, sagte Mletzko und musste nur kurz innehalten, weil sich Mike Meyer in den Kölner Strafraum gedribbelt und den Ball unter großem Jubel ans Außennetz geschossen hatte.

400.000 Euro hat der Verein inves­tiert, möglich war das nur mit 70.000 Euro Spenden und weil sich Mletzko gerne durch die „ausgezeichnete Sportförderung des BLSV und der Stadt Nürnberg“ gewühlt hat. Zum 110. Geburtstag beschenkten sich die BaKis reichlich selbst. „Zum 111. las­sen wir uns etwas Neues einfallen.“ Fortuna schenkte viel Lob während des viertägigen Kurztrainingslagers und sechs schöne Tore. Das schönste aber gelang Nürnbergs Neuzugang Frank Kiendl nach einem herrlichen Meyer-Pass zum 1:6. Und den besten Rat hatte Galuska in seiner letzten Ansprache als Kapitän: „Wer bei der Wahl seines Lieblingsvereins beschei­den bleibt, hat eine gute Chance, dass er sein Abschiedsspiel gegen seinen Lieblingsverein austragen darf.“

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