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TSV Nürnberg-Buch: Große Geste für den verletzten Lukas Hofer

Adler-Elf schießt gegen die SG Quelle keine Tore, aber beweist Zusammenhalt

Der TSV Nürnberg-Buch liefert sich mit der SG Quelle Fürth ein temporeiches Duell, beim 0:0 überzeugt die Mannschaft aber vor allem mit einer großen Geste für den verletzten Lukas Hofer.

Lukas Hofer muss mal wieder zuschauen.

 / © Sportfoto Zink / Hahn

Lukas Hofer war überall. Er fegte über die rechte Außenbahn, verteilte in der Zentrale die Bälle, köpfte Flan­ken aus dem eigenen Strafraum und schoss vorne auf das gegnerische Tor. Der richtige Lukas Hofer aber humpel­te in der Halbzeit mit Krücken und einer Schiene am linken Knie über den Sportplatz des TSV Buch. Als er ein paar Minuten später auf den Betonstufen der neuen Tribüne sitzt und seiner Mannschaft beim Heimspiel gegen die SG Quelle Fürth zuschaut, ist er immer noch ein biss­chen überwältigt von der Geste seiner Mitspieler. Die hatten nämlich nach der schweren Verletzung ihres Kolle­gen vor einer Woche beschlossen, neue Trikots anfertigen zu lassen. Und so trug jeder der zehn Feldspieler das Konterfei und den Namen „Hofer“ auf dem Trikot. Lukas Hofer wusste von der Überraschung nichts, „es war schon geil, als sie mit dem Tri­kots aus der Kabine gekommen sind“, sagt er. „Das gibt es bei anderen Verei­nen nicht.“ Es ist eine Geste, die dem 21-Jähri­gen Kraft gibt, er hat schließlich keine einfache Woche hinter sich. Noch am Samstagabend, erzählt er, hat er vor dem ersten Saisonspiel gegen Neudros­senfeld auf einer Geburtstagsfeier davon gesprochen, dass er endlich ein­mal ein gutes, verletzungsfreies Jahr vor sich haben könnte. Denn Lukas Hofers Körper hat schon einiges durchmachen müssen, etliche Sprung­gelenks- und Leistenverletzungen lie­gen hinter ihm. Mit 21.

Verletzt, schon wieder

Bei einer Untersuchung stellten die Ärzte vor einiger Zeit eine Weizenun­verträglichkeit fest, dazu einen Darm­pilz, „und der Darm regelt anschei­nend die Stabilität in die Beinen“. Acht Wochen lang aß er bei einer stren­gen Diät nur Obst und Gemüse, jegli­che Weizenprodukte sind aus seinem Ernährungsplan geflogen, dazu feilt er täglich eine Viertelstunde an der Stabilität in den Beinen. In der heißen Phase vor der Saison hat er noch härter trainiert, die Bän­der, so glaubte er, seien endlich fest, „ich habe gedacht, dass es möglich ist, verletzungsfrei zu spielen“. Ein paar Stunden nach der Geburtstagsfeier, am Sonntag vor einer Woche, lief Lukas Hofer dann mit seiner Mann­schaft auf den Platz, legte los, bis er nach sechs Minuten mit schmerzver­zerrtem Gesicht auf eben diesem Platz lag. Verletzt. Schon wieder.

Im Krankenwagen hat er geweint, minutenlang, es war ein bitterer Rück­schlag nach fünf harten Wochen Vor­bereitung. „Ich habe rumgeschrien, dass ich mit dem Fußball aufhör´", erzählt Hofer. Als er am nächsten Mor­gen die Diagnose bekommt, weint er wieder, eine halbe Stunde lang. Die Außenbänder im Knie sind gerissen, das Schienbeinköpfchen kaputt, dazu hat er einen Haarriss im Meniskus. Ein halbes Jahr wird er nicht Fußball spielen und sich danach erst langsam wieder herankämpfen können. Aber aufzuhören, das kommt nicht infrage, sagt er. „Die Mama sagt, ich soll es lassen“, aber ihr Ruf wird wohl unerhört verhallen. „Ich habe so viel gemacht, war auf der Bertolt-Brecht-Schule, da kann ich nicht mit 21 alles aufgeben.“ Und außerdem will er sei­nen Papa stolz machen, einen „Urbu­cher, der sich freut, wenn er mich hier spielen sieht“. Jetzt sieht aber auch Lukas Hofer erst einmal seine Mannschaft spielen, die sich am Sonntagnachmittag mit der SG Quelle ein intensives Duell lie­fert. Beide sind in der vergangenen Spielzeit nur knapp am Aufstieg in die Bayernliga gescheitert, die Quelle hat die Liga sogar die meiste Zeit ange­führt – und sich dann erst im End­spurt vom TSV Kornburg und dem FSV Bruck einholen lassen. An der Tatsache, dass beide auch in dieser Saison oben mitspielen werden, wird wohl keiner der knapp 350 Zuschauer nach den temporeichen 90 Minuten zweifeln. „Das war schon ein sehr gutes Niveau“, sagt Buchs Trainer Thomas Adler hinterher – nur ein Tor gelang keiner der beiden Mannschaf­ten. Chancen hatten sie zu genüge, sei­ne Bucher, findet Adler, sogar noch einige mehr.

Stress in Selbitz

„In der ersten Halbzeit müssen wir ein Tor machen“, sagt er. „Aber insge­samt bin ich sehr zufrieden, wir haben uns anders präsentiert und fast jeder hat sich gesteigert.“ Damit hat der TSV aus drei Spielen fünf Punkte geholt und ist weiter ungeschlagen. Thomas Adler ist damit zwar grund­sätzlich zufrieden, „aber es hätten auch locker neun Punkte sein kön­nen“. Es waren nur Kleinigkeiten, gegen die beiden Spitzenmannschaften Neu­drossenfeld und Quelle Fürth hätte Buch tatsächlich auch gewinnen kön­nen – das gelang ihnen jedoch ledig­lich in der Englischen Woche beim 1:0 in Selbitz. Den Tag will Thomas Adler trotzdem schnell vergessen, sagt er, „das war das absolute Chaos“. Die ganze Mannschaft stand auf der lan­gen Anreise im Stau, „jeder hetzt im Vollstress nach der Arbeit dorthin, da kann so viel passieren“. Warum man genau solche weiten Spiele an einem Mittwochabend austragen muss, will der Bucher Trainer nicht verstehen. Leben muss er auch damit, dass er weiterhin auf einige Leistungsträger verzichten muss, die sich mit Verlet­zungen herumquälen. „Das steckt man nicht so leicht weg“, sagt Adler, „aber wir haben einen relativ breiten Kader.“ Auch die jungen Spieler, die den direkten Sprung aus der A-Jugend in die Landesliga geschafft haben, machen ihre Sache bislang gut, findet Adler. Glücklich ist der Trainer zudem, dass sich die Mannschaft sofort ent­schieden hat, ein Zeichen zu setzen und Lukas Hofer mit den neuen Tri­kots aufzumuntern. „Das haben wir bei Fabio Tech auch gemacht damals, dieser Zusammenhalt macht uns aus“, sagt Adler. Dass solche Gesten notwendig sind, erfährt man erst, wenn Lukas Hofer etwas länger von seinem Leiden erzählt. Als der Stadionsprecher in der Halbzeit eine Grußbotschaft ins Mikrofon spricht, winkt Hofer und bedankt sich. Auch rein äußerlich geht es ihm gut, er lacht viel. „Aber innerlich“, sagt er, „da trifft mich das schon sehr hart.“

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