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Fuchsbauer: "Das haben sich die Jungs jetzt auch mal verdient"

Über einen Sieg der Tüchtigen

Der Spielvereinigung Erlangen ist in der Fußball-Landesliga ein überra­schender Sieg geglückt. Als Tabellen­letzter gewann das Team mit 3:1 gegen den 1. SC Feucht.

Niemals aufgeben: Die Spielvereinigung erkämpft sich gegen Feucht wichtige drei Punkte für den Klassenverbleib, Coach Fuchsbauer hofft auf die Trendwende.

 / © Sportfoto Zink / WoZi

Die Augen strahlten aus dem regennassen Gesicht. Sie strahlten so sehr, wie es in jüngster Vergangenheit schon lange nicht mehr zu sehen war. 90 Minuten hatte Bernd Fuchsbauer im Regen gestan­den, geschimpft, gehadert, gezittert. Vier Spiele hatte er davor als Chef­coach des Erlanger Landesliga-Auf­steigers verloren. Bis auf den letzten Tabellenplatz war die Spielvereini­gung vor diesem Wochenende abge­rutscht.

Doch ein Spiel kann alles verän­dern. Am Sonntag war so ein Spiel. Die Erlanger schlugen den Tabellendrit­ten 1. FC Feucht mit 3:1. Es war der erste Sieg nach zuvor sechs Nieder­lagen in Folge. Und für Bernd Fuchs­bauer waren es die ersten Punkte seit seiner Rückkehr an den Waldsport­park. „Wenn es so läuft wie bei uns, wenn man so eine grausame Serie hat, wenn dann ein ambitioniertes Team kommt...“ Eigentlich, das wusste auch Bernd Fuchsbauer, hatte im Vorfeld wenig für sein Team gesprochen.

„Doch durch das frühe Tor hatten wir den Glauben, man beißt sich rein, hat in der ein oder anderen Situation das Glück des Tüchtigen, das braucht man auch“, fasst der Trainer zusam­men, wie er dann doch passieren konn­te, dieser Sieg. Seine Mannschaft tat zudem endlich wieder das, wofür sie eigentlich bekannt ist: Kämpfen. „Zuletzt war ich mit dem Läuferi­schen und dem Engagement nicht immer zufrieden. Es dauert eben eine gewisse Zeit, bis man da wieder Paroli bieten kann.“ Ein Sieg wie dieser „setzt Kräfte frei. Das haben sich die Jungs jetzt auch mal verdient nach den vielen Prügeln in den vergangenen Wochen. Der Sieg sollte uns nun den Glauben zurückgeben, dass wir es doch können.“ Schon das 1:0 war ein Kampftor, Yannick Diederichs setzte in der geg­nerische Hälfte gut nach und verhin­derte so den Spielaufbau der Gäste. Stattdessen gab es Einwurf — und wenige Ballberührungen später Durcheinander im Strafraum. Julian Frommherz traf zwar im Abschluss den Ball nicht richtig, doch Felix Spielbuehler lenkte die Kugel ins eige­ne Tor (20.). Anschließend legten die Gäste zu und spielten konsequenter nach vorne.

Die Erlanger leisteten sich zu viele leichte Fehler und kamen nicht mehr in die Zweikämpfe. Stephan König glich nach einer halben Stunde aus. Doch anstatt auf das Führungstor zu drängen, ließen die Gäste danach wie­der nach. SC-Trainer Rainer Zietsch wirkte immer genervter. Im Septem­ber war der 52-Jährige noch mit der deutschen U17-Nationalmannschaft unterwegs. Nun stand er im Erlanger Dauerregen und wusste nicht, wie ihm geschah. Nach dem Seitenwechsel rannte Feucht wieder an, Erlangen verteidig­te leidenschaftlich — und nutzte die plötzlich aufkommenden Konterchan­cen. Frommherz verwandelte nach einem tollen Pass in die Schnittstelle eiskalt (63.), Marco Müller machte in der Schlussminute alles klar.

Aufbautraining im November

„Die Gegner können es besser, aber Feucht war nicht schlecht“, sagt Bernd Fuchsbauer. „Feucht hat Gas gegeben, den Ball laufen lassen, die Mannschaft war gut in Bewegung. Sie haben versäumt, Tore zu machen. Wir haben aus vier Möglichkeiten drei Tore gemacht.“ Ebenfalls geholfen hat die Gelb-Rote Karte, Erlangen durfte die Schlussviertelstunde mit einem Mann mehr bestreiten. Zu sehen war davon lange wenig, aber zumindest brachen die Spieler nicht mehr reihenweise ein.

Denn das ist das eigentliche Pro­blem: Die Erlanger sind nicht fit genug, können nicht über 90 Minuten durchpowern und kassieren daher in der Schlussphase zu viele Tore. 16 Gegentreffer hat die Spieli in den vier Partien unter Bernd Fuchsbauer kas­siert, vier allein in den letzten zehn Minuten. „Die Spieler wollen ja, das sieht man in ihren Augen. Das schlimmste ist aber, wenn man will, und kann nicht. Das geht noch mehr an die Substanz der Spieler. Aber wenn man wie vorher in manchen Spielen überhaupt nicht konkurrenz­fähig ist, kann man in der Liga gegen keine Mannschaft bestehen.“

Einen Vorwurf will der neue Trai­ner seinem Vorgänger Stefan Steiner nicht machen. „Das kann auch unbe­wusst passieren. Nach dem Aufstieg, Pokal, dem guten Start, ging es viel­leicht einfach so weiter“, sagt Fuchs­bauer. „Doch es ist eine andere Liga. Hier stoßen manche Spieler an Gren­zen. Hinten raus, im Oktober und November brauchst du die Kraft noch. Daran ist nicht ausreichend gearbeitet worden. Das haben wir in den vergangenen Spielen böse gemerkt.“ Der 3:1-Sieg gegen Feucht könnte nun ein Wendepunkt sein. „Aber man muss seine Hausaufgaben machen. Wir haben in den vergange­nen Wochen schon anders gearbeitet“, sagt Fuchsbauer. Die Erlanger befin­den sich aktuell noch in einer Aufbau­phase — mitten im November. In den letzten drei Partien vor der Winterpau­se soll das Team wieder „konkurrenz­fähig“ sein. Dann können auch die Augen des Trainers wieder strahlen.

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