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Stefan "Middl" Mittelstädt: Die graue Eminenz des SV Poppenreuth

Der kopfballstarke Routinier der Poppenreuther Jungs im Porträt

Lediglich drei Vereine stehen in der Vita von Stefan Mittelstädt. Das Poppenreuther Eigengewächs wechselte einst über die Stadtgrenze zum SC Germania. Nach der Demission von Jürgen Knott ging es weiter zum TB Johannis 88. Nach einem halben Jahr in Schnepfenreuth ging es zurück zum SVP. Alle Stationen haben eines gemeinsam: der Trainer hieß jeweils Kurt Heininger. Welche Rolle eine Bumba-Maß bei einem Wechsel spielte, wo er seine Kopfballstärke her hat und warum er mit einem 40-Jährigen verwechselt wurde, erzählt der Defensivstratege in einem launigen Gespräch.

Stefan Mittelstädt (am Ball), wie man ihn kennt. Fokussiert und mit vollem Einsatz führt er die Poppenreuther Jungs an.

 / © Sportfoto Zink

Stefan Mittelstädt ist ein echter Poppenreuther Junge. Ab der F-Jugend durchlief er alle Jugendmannschaften des SVP und blieb seinem Heimatverein bis zum Eintritt in den Herrenbereich treu. Dort traf er zum ersten Mal auf seinen langjährigen Trainer Kurt Heininger. Drei Jahre lang spielte er in der ersten Mannschaft, ehe er dem Verein nach dem Abstieg in die A-Klasse den Rücken kehrte. „Es hieß, dass der SV Poppenreuth keine Mannschaft mehr stellen könnte. Deshalb habe ich mich für einen Wechsel zum SC Germania entschieden.“ Auch der heutige Kapitän Francesco Russo und Lukas Rahner verließen den SVP. Ihr Ziel lautete TSV Burgfarrnbach, während Thomas Rittmann ihm zu den Germanen folgte. Dort hatte inzwischen Heininger das Sagen, sodass sich ihre Wege erneut kreuzten. Die Zeit jenseits der Stadtgrenze begann erst einmal mit einem Nackenschlag, denn der Abstieg aus der Kreisliga stand am Ende der Saison 2006/07. Insgesamt spielte Mittelstädt fünf Jahre lang für die Germanen, zwei Jahre unter Heininger, ein Jahr mit Trainer Yilmaz Iriz und zwei Spielzeiten lang war Jürgen Knott sein Trainer, der ihn auch zu seinem Kapitän machte. Nach der Entlassung Knotts war auch für Mittelstädt Schluss. „Das war ja alles sehr kurzfristig. Ich war der Kapitän und habe mich dann mit ihm solidarisch gezeigt.“

Der immerwährende Kurt Heininger

Heininger, der inzwischen beim TB Johannis 88 das Zepter schwang, beobachtete die Geschehnisse aus der Ferne und überzeugte den kopfballstarken Defensivallrounder von einem Wechsel nach Schnepfenreuth. Dort wurde Mittelstädt aber nicht heimisch. „Irgendwie hat es einfach nicht gepasst.“ Eine halbe Saison später kam kurzentschlossen der Wechsel zum SV Poppenreuth, bei dem sein Vater Marian, besser bekannt unter seinem Spitznamen "Riba", seit sage und schreibe 56 Jahren Mitglied ist, zustande. „Daniel Kanzler war quasi der letzte Mohikaner in Poppenreuth, der damals noch geblieben ist. Die Verbindung ist – auch durch meinen Vater – eigentlich nie abgerissen. Der Dani, der hier etwas aufbauen wollte, und ich haben uns dann auf eine Bumba-Maß geeinigt und der Wechsel war perfekt“, gesteht er mit einem Schmunzeln. Schon mit 19 Jahren traten bei Mittelstädt die ersten grauen Haare zum Vorschein, die inzwischen zu seinem Markenzeichen wurden. Das sorgte aber auch schon zu Irritationen. „Bei einem Vorbereitungsspiel hat ein langjähriger Zuschauer, der neben meinem Vater stand, zu ihm: Ich dachte wir haben eine junge Mannschaft. Was macht denn der 40-Jährige da?“ Die Situation war schnell aufgeklärt. Zu Handgreiflichkeiten kam es nicht. Ein Jahr später wurde beim SVP ein Trainer gesucht und Mittelstädt brauchte nicht lange überlegen, wer denn der Richtige für den Posten wäre. Ganz klar: Kurt Heininger. „70 Prozent der Truppe waren unter 23. Die Jungs waren nicht nur fußballerisch, sondern auch menschlich überragend. Das Einzige, was fehlte, war die Struktur. Dafür war der Kurt genau der Richtige.“ Damit sollte der Grundstein für die Erfolgsgeschichte gelegt sein. Im ersten Jahr gelang der Aufstieg in die Kreisklasse.

Mit Russo, Rahner, Klaußner und Weiner in die Kreisliga

Im zweiten Jahr streckte Kanzler nochmals seine Fühler aus und wollte Rahner und Russo zu einer Rückkehr bewegen. Fast aber wäre der Wechsel noch gescheitert. Denn die Beiden wollten freilich vom Trainer offiziell angesprochen werden. Heininger aber weigerte sich zunächst. „Er hat gemeint: Beim SVP gibt es 0,0, wie soll ich die denn locken?“ Irgendwann sprang er über seinen Schatten und die Zusage des Duos war ihm sicher. Im ersten Jahr in der Kreisklasse spielte man mit dem vierten Rang eine gute Rolle, aber am Ende stand die Erkenntnis, dass man einfach zu wenige Tore schoss. So sprach man Marcel Klaußner an, der zusammen mit Keeper Christoph „Mini“ Weiner vom SC Germania über die Stadtgrenze wechselte. „Das waren die punktuellen Verstärkungen, die wir gebraucht haben.“ Im zweiten Jahr gelang dann der ersehnte Aufstieg in die Kreisliga, in der man von Beginn an eine mehr als gute Rolle spielt. „Der Verein hat in den letzten fünf Jahren einen Riesensprung gemacht. Jetzt haben wir sogar Trainingsklamotten“, freut sich Mittelstädt und macht damit deutlich, dass freilich noch immer kleinere Brötchen gebacken werden.

Kopfballspiel und graue Haare von Vater "Riba"

Nun hat Heininger bekanntgegeben, dass er den Verein nach der Saison verlassen werde. „Das ist natürlich traurig, dass er geht. Aber – wie er schon gesagt hat – wo eine Tür zugeht, geht woanders eine auf.“ Begleiten will er seinen langjährigen Coach diesmal nicht. „Ich fühle mich hier pudelwohl.“ Da Mittelstädt dem Fußball auch nach seiner Karriere erhalten bleiben will, darf die Frage nicht fehlen, ob er sich die Nachfolge zutrauen würde. „Mit dem Gedanken habe ich mich noch gar nicht beschäftigt.“ Raum für Spekulationen bleiben also offen. Allerdings baut der „Fußballverrückte", der in der fußballlosen Zeit ab und an auch den Tennisschläger zur Hand nimmt, im kommenden Jahr ein Haus mit seiner Frau Bianca, die er im Juli geehelicht hat, wodurch der Zeitfaktor eine entscheidende Bedeutung verliehen bekommt. An sein Karriereende hat er schon ein paar Gedanken verloren. „In der Vorbereitung habe ich mir eine Zerrung zugezogen. Das wäre früher nie passiert“, erklärt er mit einem schelmischen Lachen. „Ein Wehwehchen geht, das andere kommt.“ Bekannt ist der bald 33-Jährige, der bei einem Asphalthersteller seine Brötchen verdient, für seine Kopfballstärke, die er wie die grauen Haare von seinem Vater geerbt hat. „Wahrscheinlich habe ich das vom Vater, der war Stürmer“, um gleich mit einem Lächeln nachzuschieben, „aber er ist nur 1,65 Meter groß. Das Timing müsste ich von ihm haben.“

Dominik Döll ist der Beste

Auf die Frage, wer denn sein bester Mitspieler war oder ist, braucht er nicht lange überlegen. „Ich bin ja kein Techniker und komme immer über Einsatz und Wille. Ganz anders ist da der Dominik Döll. Was der kann, ist Wahnsinn. Er ist mit Abstand der Beste, mit dem ich zusammengespielt habe, Den stoppst du einfach nicht“, adelt er seinen aktuellen Mitspieler, der im Mittelfeld die Strippen zieht. „Wenn er 20 Meter vor dem Tor an den Ball kommt, zappelt er im Netz. Seine Dynamik hätte ich gerne gehabt, das darf man ihm aber nicht sagen, nicht dass er abhebt“, muss Mittelstädt lachen. Auch er selbst ist immer wieder für ein Tor gut. In der vergangenen Spielzeit wurde ihm nach drei Doppelpacks hintereinander der Spitzname „Doppelstädt“ von Heininger verliehen. „Die Tore sind nicht entscheidend, wichtig ist immer, dass das Team am Ende gewinnt.“ Ein Teamplayer durch und durch. So schätzt ihn auch Heininger ein. „Er stellt sich immer in den Dienst der Mannschaft, ist absolut zuverlässig, sehr bodenständig und übernimmt immer 120 Prozent Verantwortung. Ein sehr wichtiger Spieler, mit dem ich eine besondere Verbindung habe. Er ist Germane und Poppenreuther in einem.“ Konfliktpotential birgt nur die Liebe zu verschiedenen Vereinen. „Ich bin Club-Fan und Kurt fiebert mit der SpVgg Greuther Fürth.“ Einen kleinen Ausblick auf die Ziele in der aktuellen Saison hat Mittelstädt auch noch parat. „Wie wollen so lange wie möglich oben mitspielen, am besten noch die Relegation erreichen. Das wäre ein würdiges Abschiedsgeschenk für den Kurt.“ Jetzt müssen nur noch Taten folgen.

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