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Florian "Metze" Jakl: Der Hüne mit der bewegten Karriere

Der Kapitän des SV Gutenstetten/Steinachgrund im Portrait

Florian Jakl hat in seinem Fußballerleben zweifelsohne schon einiges erlebt. Er war Kapitän des 1. FC Nürnberg in der A-Jugend-Bundesliga und stand kurz vor der Profikarriere. Regelmäßig gehörte er zu den Top 30 Deutschlands, einzig ein Einsatz in der Nationalmannschaft blieb ihm verwehrt. Er spielte für die U23 der SpVgg Greuther Fürth, für den SV Seligenporten in der Regionalliga und erlebte seinen schwärzesten Tag im Trikot der SpVgg Bayreuth. Nun hat er in Stetten, wo er mit Bruder Marco („Peter“) spielt, die Lust am Fußball wiederentdeckt und startet auch beruflich voll durch.

Florian Jakl, der hier ein Tor gegen den SV Wacker erzielt hat, hat in seiner Karriere schon so einiges erlebt.

 / © Sportfoto Zink

Florian Jakl ist in Oberasbach aufgewachsen, wo seine Eltern heute noch leben. Im Alter von fünf Jahren trat er dem TSV Altenberg bei. In der D-Jugend ging es weiter zum FC Stein, wo man eine starke Saison in der damals höchsten Spielklasse spielte und knapp hinter den hiesigen Topvereinen landete. Spätestens da wurde auch der 1. FC Nürnberg auf das schon damals hochgewachsene Talent aufmerksam. Nach der Saison folgte der Wechsel an den Valznerweiher, wo er seine restliche, ziemlich erfolgreiche Jugendzeit verlebte. Er war stetes Mitglied in der Bayernauswahl und gehörte regelmäßig zu den Top 30 in den Jugend-Nationalmannschaften, für einen Einsatz im Trikot mit dem Adler sollte es aber nicht reichen.

„Im entscheidenden Jahr hatten wir dann Pech“, fasst Jakl die damalige Situation zusammen. Er war Kapitän der U19 in der Bundesliga, allerdings stand am Ende der Vorrunde auf dem vorletzten Platz. Alle zwei Wochen durfte der Hüne unter Trainerikone Hans Meyer trainieren. Für einen Profivertrag reichte es trotzdem nicht. Für ihn als gebürtigen Nürnberger und Fan des FCN wäre damit ein Traum in Erfüllung gegangen, aber es sollte nicht sein. Anstatt auf einen waschechten Franken zu setzen, bediente sich der Club in Australien. Michael Beauchamp, Dean Heffernan und allen voran Matthew Spiranovic, der seine Position des Innenverteidigers bekleidete, wurden zu dieser Zeit geholt. So erlag der bekennende American Football-Fan dem Lockruf der SpVgg Greuther Fürth und wechselte über die Stadtgrenze. „Dort hat man auf junge Spieler gesetzt. Daniel Adlung, Juri Judt und Stephan Schröck hatten den Sprung geschafft“, erinnert er sich und wollte die Chance beim Schopfe packen. Doch bereits nach einem halben Jahr brach er die Zelte ab. „Ich durfte nicht auf meiner Position als Innenverteidiger spielen. Man hat mich eher als Rechtsverteidiger gesehen oder auch noch offensiver.“

Vom FCN über Greuther Fürth ins Kloster

Da die Einsatzzeiten zudem ausbaufähig waren, nahm er das Angebot des SV Seligenporten an, der damals in der Landesliga um den Aufstieg mitspielte. Unter Coach Uwe Neunsinger gelang prompt der Bayernligaaufstieg. Im zweiten Jahr trennte sich der Verein von Neunsinger und verpflichtete den Ex-Löwen-Dompteur Karsten Wettberg. Unter diesem und mit Hilfe von Co-Trainer Peter Jakl, seines Zeichens der Vater von Florian, schafften die Klosterer den Klassenerhalt in der Relegation. Den Profifußball hatte Jakl damals noch nicht ad acta gelegt. Das Interesse an ihm wurde immer wieder bekundet, aber zu einem unterschriftsreifen Vertrag kam es nicht.

„Dann kam das Angebot der SpVgg Bayreuth. Sie haben sich sehr um mich bemüht und dann habe ich zugesagt.“ Fortan pendelte er unter der Woche zum Training bei der „Oldschdod“, die kurz nach der Insolvenz eine junge, talentierte Truppe stellte, und sollte es nicht bereuen. „Mit Klaus Scheer hatten wir einen super Trainer. Die Fans sind auch mit zu den Auswärtsspielen gefahren. Das hatte schon ein bisschen Profifeeling“, erinnert sich Jakl gerne an sein erstes Jahr in Bayreuth zurück. In seiner zweiten Saison spielte man eine suboptimale Hinrunde, an Abstieg war aber nicht zu denken. Dennoch wurde das Experiment mit Ex-Profi Ingo Walther als Spielertrainer vorzeitig beendet und das Chaos nahm seinen Lauf. „Wir hatten vier oder fünf Trainer in der Rückrunde.“

Der schwärzeste Moment im Fußballerleben

Am Ende dieser denkwürdigen Saison kam der schwärzeste Tag in Jakls Leben. Bayreuth musste in die Relegation gegen den Abstieg. Dabei kam es zum Oberfrankenderby gegen die SpVgg Bayern Hof. 2.457 Zuschauer wollten sich die Entscheidung nicht entgehen lassen. Bayreuth ging mit 1:0 in Führung, kurz vor der Pause erklang ein Pfiff von FIFA-Schiedsrichter Wolfgang Stark, der die Partie leitete. Der Bundesliga-Referee schickte Jakl nach einer Grätsche vom Platz. „Das war die bislang einzige Rote Karte meiner Karriere. Manche haben gemeint, dass sie vertretbar war, andere sagten, dass Gelb gereicht hätte. Ich bin immer noch der Meinung, dass der Platzverweis zu hart war“, wird der 29-Jährige auch Jahre danach noch emotional beim Gedanken an diese Szene. Es kam, wie es kommen musste: In der zweiten Hälfte gelang Hof der Ausgleich und in der Verlängerung drehten die Schützlinge von Norbert Schlegel gar die Partie. Jakl blieb dem Verein auch in der Landesliga erhalten. Gewissensbisse taten ihr Übriges, dass er um ein Jahr verlängerte. „Wir sind als Mannschaft aber nie wirklich zusammengewachsen. Damals hatte ich die Lust am Fußball verloren.“ So kam ein Angebot der Firma Siemens zum richtigen Zeitpunkt. Er konnte für ein Auslandssemester in die USA. „Die Chance habe ich genutzt. Das war eine super Zeit und ich konnte zwischen meinem Aufenthaltsort in New Jersey und New York pendeln. So eine Erfahrung kann ich nur jedem empfehlen.“

Steinachgrund? Noch nie gehört.

Nach seiner Rückkehr suchte Carlo Wild den Kontakt und Jakl kehrte im Winter ins Kloster zurück. Nach der Trennung von Wettberg zum Saisonende übernahm das junge Gespann Schlicker/Gündogan an der Seitenlinie. „Das war eine der schönsten Saisons. Florian Schlicker und Serdal Gündogan haben uns immer sehr gut eingestellt.“ Am Ende sprang für den SV Seligenporten ein beachtlicher sechster Platz in der Regionalliga heraus. Im zweiten Jahr bekam er gesundheitliche Probleme. „Ich hatte Rückenbeschwerden und es stellte sich ein Bandscheibenvorfall heraus.“ Wegen diesen Rückenproblemen und einer angeblichen Ähnlichkeit mit Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder haben ihm seine engen Freunde den Spitznamen „Metze“ verliehen. Operiert werden musste der Kopfballspezialist zwar nicht, aber es war ein langer Weg durch die Reha. Noch heute macht er die unterstützenden Übungen mehrmals in der Woche. „Ich dachte, das war´s jetzt und wollte beruflich vorankommen.“ Dann kam ein Anruf von Helmut „Alu“ Rahner, damals noch in Diensten des damaligen Kreisklassisten SpVgg Steinachgrund. „Den Namen hatte ich noch nie gehört. Er meinte, dass es ein aufstrebender Verein wäre. Dann habe ich es mir angeschaut und zugesagt.“ Trainer war Club-Legende Dieter Eckstein und am Ende hielt man in der Relegation gerade so die Klasse. Im Folgejahr sollte der Aufstieg anvisiert werden. „Das haben wir nicht geschafft, mit der Konstellation war es auch nicht möglich.“ Als Eckstein entlassen wurde, kam auch Jakl ins Grübeln. „Ich habe überlegt, ob ich überhaupt weitermache. Dann kam die Info, dass Reinhold Fischer und Stefan Sattler vom TSV Neustadt/Aisch kommen würden und es hieß, dass sich einige Spieler anschließen würden.“ So blieb Jakl und feierte mit „Stetten“, wie der SV Gutenstetten/Steinachgrund im Volksmund genannt wird, nach langem Kampf mit den SF Laubendorf den Aufstieg in die Kreisliga. „Die haben es uns wirklich schwer gemacht“, zieht er den Hut vor der Truppe um Tommaso Cavallo. „Die Kreisliga Nürnberg ist sehr interessant, auch von den Fahrtstrecken her. Ich hätte auch niemals erwartet, dass es so gut läuft für uns. Der komplette Verein ist bemerkenswert, allein wenn man an das Gelände denkt, das hingestellt wurde.“ Im Training sind immer mindestens zwölf bis 13 Mann. „Ich denke nicht ans Aufhören, habe keine Schmerzen mehr und es macht richtig Spaß. Wir haben eine sehr gute Stimmung im Team und man kann sagen: Mein Ehrgeiz wurde neu entfacht. Ich hoffe, dass wir die Serie fortsetzen können.“

Von Familienzusammenführung, dem verlorenen Geist und dem Fokus auf den Job

Seinen Anteil hat dabei auch Bruder Marco, der seit dem Aufstiegsjahr ebenfalls in Stetten spielt. „Ich habe mir immer gedacht, dass ich gerne mal mit ihm zusammenspielen würde. Schön, dass es geklappt hat. Er hat sich sehr gut eingefunden. Jetzt können die Eltern uns beiden gleichzeitig zuschauen. Er heißt bei mir übrigens Marco“, erklärt der große Bruder mit einem Schmunzeln, denn landläufig wird Marco - wie der Vater der beiden - Peter genannt. Einen besten Spieler, mit dem er je zusammengespielt hat, möchte der Single, der nach seiner Karriere den Golfschläger in die Hand nehmen will, nicht benennen, vielmehr stellt er die Mannschaften heraus - ganz Teamplayer eben. „Eine sehr wichtige Zeit war die erste Halbsaison beim SV Seligenporten. Da habe ich viel Lehrgeld gezahlt im Kreis“, muss er heute darüber lachen. Vor allem Alexander Contala, Tobias Maus und Matthias Schiller waren damals herausragende Persönlichkeiten. „Die waren umgeben von einer Aura und ich habe sehr viel von ihnen gelernt. Als 19-Jähriger habe ich mich überhaupt nicht getraut etwas zu sagen. Jetzt, zehn Jahre später, muss ich leider sagen, dass dieser Geist verschwunden ist.“ Gerne denkt er auch an sein erstes Jahr in Bayreuth und die Regionalligazeit mit dem SVS zurück. Der Fokus liegt nun freilich auf dem beruflichen Fortkommen. Sebastian Fiedler, mit dem er zusammen beim Club, in Fürth und auch in Bayreuth spielte sowie Marc Huff, die beide in Hongkong leben und zu seinen engen Freunden zählen, haben ihm angeboten ein Büro in Nürnberg mit aufzubauen. Nun ist er Businessmanager bei der Firma Fresh iD Products. „Wir sind Werbemittelhändler, die beiden arbeiten von Hongkong aus. Am Anfang waren wir zu zweit in Nürnberg, jetzt haben wir zehn Mitarbeiter. Wir designen, entwickeln und produzieren nicht nur Werbe- und Merchandise-Artikel, sondern auch Konsumgüter jeder Art. Vom Kugelschreiber über Notizbücher bis hin zu Surfboards oder Fahrrädern.“ Kurz vor Weihnachten geht es für ihn wieder Richtung Asien. Die Auswärtsfahrten sind nun sogar weiter als früher.

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