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Tekdemir: "Es funktioniert vor allem über die menschliche Ebene"

Okcan Tekdemir im Interview

25 Spiele, 26 Tore - so liest sich Okcan Tekdemirs bisherige Bilanz in der Saison 17/18. Zu den sieben Landesliga-Treffern für den SC 04 Schwabach gesellen sich 19 für die SC 04-Reserve, die in der Kreisklasse kickt. Für die ist Tekdemir seit dieser Saison gemeinsam mit dem Kapitän der ersten Mannschaft, Eleftherios Sadikis, verantwortlich. Wir haben uns mit dem 30-Jährigen über die Situation beim SC 04 und seine künftige Ziele unterhalten.

Okcan Tekdemir (links) steht in der KK-Nord-Torjägerliste natürlich ganz oben. 

 / © Robert Schmitt

Du giltst ja als Wandervogel, nun bist Du seit einem Jahr in Schwabach und scheinst Dich dort auch wohlzufühlen...

Okcan Tekdemir: Das war mir natürlich bewusst, dass dieser Hinweis kommt - er ist auch berechtigt. Wenn man es genau nimmt, bin ich schon seit eineinhalb Jahren hier. Ich habe, nachdem ich bei Cagrispor aufgehört habe, fünf Monate in Schwabach nur mittrainiert, war in jeder Trainingseinheit und habe mir von Anfang an große Mühe gegeben. Seit einem Jahr bin ich nun spielberechtigt. Und ja, ich fühle mich hier sehr wohl: Es ist alles sehr familiär, für einen Landesligaverein ist der SC 04 aber auch sehr professionell aufgebaut.

Also keine Wechselgedanken?

Tekdemir: Nein, dazu kommt ja noch, dass ich aktuell ja auch Spielertrainer bei der Zweiten bin. Wir versuchen da auch etwas Gesundes aufzubauen, damit die Jungs aus der U23 auch eine anständige Perspektive haben. Und ich denke, bislang haben der Lefti (Eleftherios Sadikis, d.R.) und ich das auch ganz gut gemacht...

Der SC 04 Schwabach II steht aktuell punktgleich mit der SpVgg Roth auf Rang drei, hat aber noch Nachholspiele zu absolvieren. Ist der Relegationsrang das Ziel? Denn Rang eins scheint an Unterreichenbach vergeben...

Tekdemir: Ein Aufstieg wäre natürlich schön. Wir müssen aber schon auch sagen: Wir sind zufrieden, wenn es mit den ersten vier Plätzen klappt. Wir haben vor der Saison 15 neue Spieler dazubekommen und wollen die integrieren und mit der Mannschaft in der Liga erst Fuß fassen. Das bleibt das Ziel.

"Lefti ist eher der emotionalere, ich der sachlichere Typ"

Der SC 04 Schwabach folgt ja einem Trend: In der Bundesliga sind es vor allem die jungen Trainer, die für Furore sorgen. Nicht nur in der Reserve, auch in eurer Landesligamannschaft steht mit Tobias Ochsenkühn ein Trainer an der Seitenlinie, der mit seinen 30 Jahren nicht nur der jüngste der Landesliga Nordost ist, sondern auch jünger ist als so mancher seiner Spieler. Gibt's da keine Schwierigkeiten in Sachen Autorität?

Tekdemir: Nein. Meine Erfahrungen mit ihm: Er macht seine Arbeit sehr sachlich und auf einem sehr hohen Niveau. Er hat sich den Respekt in den ersten Wochen erarbeitet. Aber ähnlich war es auch bei uns in der Zweiten: Auch wenn es bei uns junge Spieler sind, muss man sich als Trainer Respekt verdienen. Aber ich glaube, dass wir das gut hinbekommen. Lefti ist dabei eher der emotionalere, ich der sachlichere Typ, wir ergänzen uns da ganz gut.

Was auffällt: In der Kreisklasse hast Du in zwölf von 13 Partien von Anfang an immer getroffen. Wenn Du in der Landesliga zum Einsatz kamst, dann nur von der Bank - Deine sieben Treffer fielen also allesamt nach Einwechslungen. Schätzt der Trainer also vor allem Deine Jokerqualitäten?

Tekdemir: Dafür gibt es eigentlich zwei Gründe: Zunächst denke ich, dass es qualitativ einfach bessere Stürmer gibt - wie etwa einen Michael Weiß, der fast jedes Spiel trifft. Die andere Sache ist: Ich darf erst in der zweiten Halbzeit kommen, wenn ich einen Tag später in meiner zweiten Mannschaft spielen will - sonst bin ich nicht spielberechtigt. Deswegen haben wir uns diese Konstellation ausgedacht: Ich setz mich auf die Bank, und wenn Not am Mann ist, oder ich gebraucht werde, dann versuch ich noch ein bisschen was zu reißen... Aber in der 1. Mannschaft ist soviel Qualität, es würde auch ohne mich klappen.

"Es funktioniert vor allem über die menschliche Ebene"

Nun warst Du kürzlich in Darmstadt, hast dort beim damaligen Trainer der Lilien, Torsten Frings, hospitiert. Was genau muss man sich darunter vorstellen?

Tekdemir: Vor knapp zwei Monaten war ich für eine Woche dort, habe da alles gemacht, was Torsten Frings gemacht hat, war also auch in diversen Sitzungen und Taktikbesprechungen dabei. Man ist einfach wie ein Praktikant und schaut sich an, wie ein Profitrainer arbeitet. 

Gibt's eine Art Haupterkenntnis, die Du aus der Woche mitgebracht hast?

Tekdemir: Ich habe gelernt, dass es vor allem über die menschliche Ebene funktioniert. Wenn man mit der Mannschaft, den Spielern spricht, wenn man mit ihnen im Reinen ist, dann zerreißen sie sich auf dem Platz. 

Das klingt alles nach einem gesteigerten Interesse am Trainerdasein. Wie geht es für Dich weiter?

Tekdemir: Ich konzentriere mich auf Schwabach und die 2. Mannschaft. Lefti und ich wollen zudem im kommenden Jahr unseren B-Schein angehen. Ich bekomme im Februar aber auch meine zweite Tochter, das wird zeitlich herausfordernd, das alles zu managen. Als Ziel habe ich mir den A-Schein gesetzt - aber mal sehen, was noch so kommt.

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