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ATSV Erlangen: Skeraj bleibt - und die Zurückhaltung

Ziel: Bayernliga

Landesliga-Primus ATSV Erlangen plant mit seinem Trainer Shqipran Skeraj für eine angestrebte kommende Bayernliga-Saison. Das gab der Verein bei einem Pressetermin bekannt.

Auf einem klaren Weg. Von links: Jörg Makert, Sonja Rehnen, Shqipran Skeraj, Wolfgang Peter, Udo Nyga. 

 / © Mauer

Die puristischen Räume des Sponsors Softgate sind passende Kulisse. Pressegespräch in kleiner Runde, der Vorstand ist da, der Abteilungsleiter, die Dame von der Öffentlichkeitsarbeit, der Trainer - es wirkt in der Außendarstellung schon recht professionell. Das gilt auch für die Zurückhaltung, in der sich die Verantwortlichen üben.

Die Hauptmeldung an diesem Tag dreht sich um Shqipran Skeraj. "Es geht nicht nur um die fußballerische Leistung der Mannschaft", lobt Vorstand Wolfgang Peter den 32-Jährigen, "es geht auch um seine Bindung zu den Spielern, um alles drumherum. Ich habe nur positive Erfahrungen mit ihm gemacht." Was im Klartext heißt: Der Ex-Profi bleibt er auch in der kommenden Saison Cheftrainer der 1. Mannschaft. 

Das macht deutlich: Skeraj ist längst aus der Rolle einer "Übergangslösung" herausgewachsen. Im Juni 2016, nachdem das angedachte Engagement von Helmut Rahner kurz vor Saisonstart platzte, übernahm er - auch weil sich kein anderer Kandidat aufdrängte - als interne Lösung. "Mein Ziel, Trainer zu werden, hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon", sagt Skeraj über den Job, zu dem er eher wie die Jungfrau zum Kinde kam. "Ich war zuvor ja in Eltersdorf schon Coach in der Jugend. Mir war natürlich bewusst, dass das jetzt eine ganz andere Herausforderung ist." Erfolgreich gemeistert hat er sie bislang, nach zuletzt Rang fünf soll dieses Jahr nun die Bayernliga her - das Ziel will zur Winterpause keiner mehr wegdiskutieren. "Wir kennen aber die Stärken jeder Mannschaft in dieser Liga", warnt Skeraj, "wir bleiben also ruhig und konzentrieren uns auf die Vorbereitung." Körperlich seien die Spieler in einem guten Zustand durch die Pause gekommen, bis auf die angeschlagenen Ken Kishimoto und Ferdinand List seien alle mit an Bord - auch Ahmet Kulabas, der sich beim Brucker Dreikönigsturnier verletzte. Ausreichend Vertrauen, so Skeraj, habe er in seine Mannschaft: "Das sind alles starke Charaktere, die wissen, worum es geht."

Derby? "Immer eklig"

Worum es geht: Die Konkurrenz aus Feucht und Buch hat den Meistertitel wohl schon abgeschrieben, beim ATSV sieht man das verständlicherweise und nicht grundlos anders: "Aus unserer Sicht ist das noch eine brutal schwere Aufgabe", sagt Abteilungsleiter Jörg Markert. "Es sind nur acht Punkte, die können in drei Spielen weg sein". Gleich zu Beginn wartet das Derby, auswärts gegen die SpVgg Erlangen: "So ein Derby ist immer eklig, die wollen uns sicher eins reinwürgen." Man will die Gedanken, der Aufstieg sei quasi schon sicher, nicht in die Köpfe der Spieler lassen, das wird bei allen Verantwortlichen klar.

Personell soll sich nichts weiter tun. Auf Neuzugang Stefan Steininger muss der ATSV allerdings in der Restrunde verzichten. "Wir haben für ihn keine Freigabe", sagt Markert. Im Klartext: Der ATSV war nicht bereit, die Forderungen von Steiningers Vorgängerverein SV Schwaig zu erfüllen. Ein Einzelfall - oder hat Markert generell das Gefühl, dass Vereine in Sachen ATSV Erlangen besonders gründlich verhandeln? "Ich glaube schon, dass viele Vereine meinen, wir schmeißen mit Geld um uns." 

Bayernliga als Krönung?

Udo Nyga war beim ATSV Erlangen schon in allerlei Funktionen tätig. Er war Spieler ("leidlich begabt"), Trainer, Vorstand. Inzwischen ist er nur mehr Sponsor, hängt aber merklich nach wie vor am Verein. Eine Bayernligaqualifikation, so Nyga, wäre die Krönung, noch dazu, weil im Sommer die 120-Jahr-Feier ansteht. "Vor drei Jahren, als der Jörg das prognostiziert hat, habe ich das gar nicht geglaubt." Heißt das, dass der ATSV gar nicht noch höher hinauswill? Hier üben sich die Verantwortlichen in üblicher Zurückhaltung. Eine Bayernliga mit drei Erlanger Teams sei zunächst einmal eine tolle Sache, "generell wird dieser Wettbewerb in der Stadt dazu führen, dass mehr Zuschauer kommen", glaubt Nyga, der aber auch sagt: "In Sachen Öffentlichkeitsarbeit müssen dann auch die Vereine mehr machen." Auch Markert sieht die Konkurrenzsituation in der Universitätsstadt positiv - auch in Sachen Nachwuchsarbeit: "Das hat einen positiven Effekt, die Vereine versuchen, professioneller zu arbeiten. Das kommt auch den Spielern zugute." Wenn die Bayernligaqualifikation geschafft sei, wolle man sich vermehrt um einen Sponsorenpool kümmern, denn die Thomas Sabos dieser Welt seien selten, sagt Nyga.

Nicht nur die Situation der 1. Mannschaft ist derzeit erfreulich, "auch in der Jugendarbeit haben wir große Fortschritte verzeichnet", sagt Vorstand Peter, "die Mitgliedszahlen beim ATSV sind deutlich gestiegen." Bei der Frage nach der sportlichen Heimat der 2. Mannschaft (derzeit Kreisliga) hat Markert eine Wunschvorstellung: "Ich bin der Überzeugung, dass man als Bayernligist mit der 2. Mannschaft in der Bezirksliga spielen kann. Es liegt am Engagement der Verantwortlichen - und auch daran, wie die jungen Spieler sich selbst einschätzen." Denn dass erfolgreiche Nachwuchsarbeit und ein Bayernligakader dazu führen, dass sich Talente mit ein, zwei Jahren in zweiter Reihe begnügen müssen, ist obligatorisch. Aber die Konkurrenz ist wach: "Man sollte es über die Motivation schaffen, die Spieler zu halten", so Markert, bevor die Runde sich nach knapp einer Stunde wieder auflöst. Es ist zu spüren: Der ATSV ist auf einem klaren Weg.

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