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Bezirksliga: Neunsinger übt scharfe Kritik am Verband

Burgfarrnbachs Coach kritisiert Kommunikation sowie Herbst-Mammutprogramm

Die Saison in der Bezirksliga wurde eben erst beendet, schon steht die kommende Spielzeit im Visier: Nachdem bekannt wurde, dass die beiden Ligen in der kommenden Spielzeit mit insgesamt 35 Teams antreten werden, regt sich Unmut auf vielen Ebenen: Der Entscheidungsprozess sei nicht transparent, der Rahmenterminplan in Spätsommer und Herbst vollgestopft bis oben hin - findet zumindest Uwe Neunsinger, aktuell Coach des Bezirksliga-Aspiranten TSV Burgfarrnbach. Er wünscht sich eine offene Diskussion.

Uwe Neunsinger (links) wünscht sich eine bessere Kommunikation zwischen Verband und Vereinen.

 / © Zink

32 Teams beträgt die Sollstärke der beiden mittelfränkischen Bezirksligen - das ist generell die Regel in Bayern und wird vom BFV von seinen Bezirken auch verlangt. Während in der kürzlich abgelaufenen Saison aber 36 Teams untergebracht werden mussten, wird es in die Spielzeit 2018/19, das wurde zuletzt bekannt, mit einem Team weniger gehen. Zudem soll die BFV-Vorgabe möglichst schon zur Saison 19/20 erreicht werden, wie nordbayern Amateure nun von Spielleiterin Sandra Hofmann erfuhr. "Sollen ja - aber man weiß ja nie, was von oben kommt", so Hofmann, die natürlich auch mögliche Landesliga-Absteiger in ihre Ligen integrieren muss - und diese Anzahl nicht zu kalkulieren ist. Auch die Frage, wie viele Teams den Bezirk nach oben verlassen, ist in ihrer Planung bekanntlich eine offene.

Nochmals drei Teams weniger in der Saison 19/20 bedeuten aber zwangsläufig auch mehr Absteiger in der kommenden Spielzeit - wie genau der Reduzier-Modus aussehen wird, ist noch offen. Uwe Neunsinger, Coach des TSV Burgfarrnbach, kritisiert in dieser Sache den Kommunikationsfluss zwischen Verband und Vereinen: "Sie haben in einer internen Sitzung drei Modelle entwickelt, mit Direktabsteigern und verschiedenen Relegationsmodellen", will Neunsinger erfahren haben. Die Modelle sollen auf einer Tagung am 7. Juli vorgestellt werden und zur Abstimmung kommen. "Die Vereine wurden bislang über die Modelle nicht informiert - die interne Sitzung war vor ein paar Wochen", so Neunsinger, der kritisiert, sich so nicht ausreichend mit den Vor- und Nachteilen auseinandersetzen zu können. "Wenn du dann auf der Spielleitertagung vor die Wahl gestellt wirst: Mehr Direktabsteiger oder Relegation, dann nimmst du die Relegation, weil du sagst: Als Fünftletzter hab ich noch eine Chance. Und das ist ja gewollt, weil es Einnahmen generiert." Nicht die Reduzierung der Mannschaften von 18 auf 16 sei sein Hauptkritikpunkt, "auch nicht, dass das in einem Schritt passieren soll", sondern dass der Verband "die Vereine bewusst im Dunkeln tappen" lässt bezüglich seiner Pläne, "und das ist Methode."

"Die Vereine wissen Bescheid"

Ein Vorwurf, den Sandra Hofmann so nicht verstehen kann: "Die Vereine wissen Bescheid, dass wir reduzieren wollen", hält sie dagegen, und kündigt zur kommenden Abstiegsregelung an: "Es wird nicht einen Vorschlag geben, bei dem es dann heißt: Friss oder stirb. Ich bin für Vorschläge offen, jeder kann mich im Vorfeld der Spielleiter-Tagung kontaktieren, wir diskutieren den Vorschlag dann gemeinsam. " Damit widerspricht sie der Behauptung, eine Auswahl werde es nur zwischen bereits vorausgewählten Modellen geben. "Aber was ich bislang gehört habe: Sechs Direktabsteiger pro Liga will keiner", sagt sie. Ohnehin seien die zur Auswahl stehenden Modi überschaubar, weil eben auch in der kommenden Saison der Kreis (8.6.) drei Wochen nach dem Bezirk (18.5.) enden wird und somit Relegationsspiele zwischen Vertretern dieser Ligen nicht möglich sein werden. 

Eine Abstiegsrelegation wird kommen, das scheint sich abzuzeichnen. Dass nur über das 'Wie' und nicht über das 'Was überhaupt' abgestimmt werden konnte, stößt Neunsinger auf. "Es wird immer von Transparenz gesprochen beim BFV, Runde Tische werden gebildet, Meinungsbilder eingeholt, und hier werden die Vereine bewusst im Dunkeln gelassen." Und warum in diesem Fall? Der Verband habe kein Interesse daran, denn die Gefahr bestünde natürlich, "dass Vereine sagen: Moment, wir könnten das auch in zwei oder in drei Jahren machen. Aber wenn ich so etwas entscheide, dann kann ich doch öffentlich dazu stehen", so Neunsinger, der den Bogen zur Entscheidung schlägt, in der kommenden Saison mit zwei ungleichen Ligenstärken an den Start zu gehen: "Es muss legitim sein, beide Ligen in der gleichen Stärke zu spielen, ansonsten relegieren Mannschaften gegeneinander, die unterschiedlich viele Spiele in den Beinen haben." Als Beispiel nennt er das Relegationsduell zwischen Vach und Buch aus diesem Jahr - hier hatten die Mannhofer zuvor vier Ligaspiele weniger absolviert.

"Nächstes Jahr wird das Gejammere groß sein"

Apropos 'in den Beinen haben': Auch das Mammutprogramm, das den Teams in der ersten Saisonhälfte bevorsteht, kritisiert Neunsinger scharf: "Bis zur Winterpause sind 23 Ligaspiele angesetzt für die Bezirksligisten, lauter englische Wochen. Danach nur noch elf. Das heißt: Sie werden im Herbst eine massive Verletzungsserie produzieren, aber es ist ihnen scheißegal, weil sie hintenraus die Termine für die Relegation ja brauchen." Am Anfang würde die Terminhatz noch der Relegant ausbaden müssen, der keine ordentliche Vorbereitung absolvieren könne. Als Beispiel, wie schwer man es ohne entsprechende Regenerationsphase in dieser Liga hat, zieht er den Letztjahresreleganten SC Adelsdorf heran: "Sie haben nach dem Winter deutlich mehr Punkte geholt als davor, waren aber weit abgeschlagen. Die realistische Chance, die Klasse zu halten, haben sie in der abgelaufenen Saison einfach nicht bekommen. Dabei waren da ja gar nicht so viele Spiele vor dem Winter (21, d.R.) wie es in der kommenden sein werden." Neunsinger glaubt, dass die Vereinsvertreter die Problematik gar nicht registrierten: "Das werden die Vereine nicht stemmen können. Nächstes Jahr wird das Gejammere groß sein, 'wir sind kaputt, wir haben Verletzte', aber das kommt, weil du das nicht über das Training steuern kannst."

Die neue Bezirksspielleiterin verteidigt derweil das Mammutprogramm: "Wir haben ein knappes Zeitfenster, haben Vorgaben, haben Pokalspiele, die wir unterbringen müssen. Ich habe etwa an Ostern nur einen Spieltag angesetzt, damit ich einen Puffer habe - obwohl wir natürlich alle hoffen, dass wir im kommenden Jahr nicht eine Wetterlage wie in diesem haben." Es habe nicht jeder Verein einen Kunstrasenplatz, nicht jeder Verein ein Flutlichtplatz, auf dem in den ersten Monaten des Jahres gespielt werden könne - "und wir müssen ja rechtzeitig fertig werden, wegen der Landesliga-Relegation."

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