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Die Jugend richtet’s heute beim FC Herzogenaurach

Die Meister 2017/18

Sieben Jahre lang spielte der FC Herzogenaurach in den 70er Jahren in der Bayernliga, damals die dritthöchste deutsche Spielklasse. Um die Jahrtausendwende stürzte der einst von Puma unterstützte Heimatverein von Lothar Matthäus in die untersten Ligen ab. Doch seit einigen Jahren zeigt die Leistungskurve wieder nach oben, was zuletzt seinen Niederschlag im Aufstieg in die Landesliga gefunden hat.

27 Spieler versammelten sich, als als am 13. Mai beim letzten Heimspiel des FC Herzogenaurach gegen die SpVgg Hüttenbach-Simmelsdorf das Meisterschaftsfoto „geschossen“ wurde. Mittendrin war da der berühmteste Sohn des Vereins, Lothar Matthäus, der sein letztes Punktspiel für seinen Heimatverein absolvierte, von dem aus er einst nach Mönchengladbach gewechselt war. Mit der Spielführerbinde um den Arm hatte er dabei zwischen Torhüter Florian Peter und Spielertrainer Jakob Karches in der vorderen Reihe Platz genommen.

 / © Sportfoto Zink

Jakob Karches hat genau mitgezählt: 204 Punkte hat er geholt, seit er am 1. Juli 2015 seinen Dienst als Spielertrainer beim FC Herzogenaurach angetreten hatte. Da waren die „Pumas“ gerade in die Kreisliga abgestiegen, korrigierten unter der Regie des früheren Eltersdorfers und Baiersdorfers Karches den Betriebsunfall aber umgehend mit dem Wiederaufstieg in die Bezirksliga, in der man am Ende der Saison Platz vier belegte.

In die gerade abgelaufene Spielzeit startete die Mannschaft um Kapitän Eric Stübing furios mit sieben Siegen in Serie und ließ sich von gelegentlichen Rückschlägen nicht stoppen. Auch nicht vom ausgeprägten Verletzungspech, das die Mannschaft die gesamte Runde über plagte. Nicht einmal vom Ausfall von Spielmacher und Torjäger Michael Thomann, der nur in 21 Partien auf dem Feld stand, dennoch im internen Trefferwettbewerb am Ende mit 17 Toren knapp vor Stürmer Kevin Rockwell (31/16) landete. „Die Mannschaft macht eine richtig gute Geschlossenheit aus, sie gibt nie auf“, attestiert Karches seinem Team. „Mit der haben wir in Kalchreuth einen 0:2-Rückstand gedreht, gegen den TV 48 mit unheimlichem Willen in den letzten 20 Minuten einen 1:3-Rückstand umgebogen.“ Profitiert habe er als Trainer vom breit aufgestellten Kader: 28 Spieler kamen zum Einsatz, sechs weitere standen auf dem Spielberichtsbogen. Er selbst weist mit 31 Partien und 2773 Spielminuten die meisten Einsätze auf, Rockwell kam mit der gleichen Zahl von Spielen auf 2609 Einsatzminuten, während es bei Stübing in 30 Partien 2632 Minuten waren, gefolgt von Dominik Burkhardt (29/2473). 

Die Größe seines Kaders war es dann aber auch, die Karches beim Saisonhöhepunkt vor „eine der schwersten Entscheidungen meiner Spielertrainerkarriere“ stellte: Wen auf die Bank setzen, als Lothar Matthäus am vorletzten Spieltag gegen Hüttenbach sein definitives Abschiedsspiel feierte und den schon als Meister feststehenden FCH aufs Feld führte? 

Lange sind in Herzogenaurach die Zeiten vorbei, als man altgediente Profis aus Nürnberg oder Fürth verpflichtete. „Seit ich hier bin, haben wir jedes Jahr einen Spieler aus der A-Jugend eingebaut. Im ersten Jahr war es Dominik Burkhardt, im zweiten William Rahe, diesmal waren es gleich fünf A-Jugendliche, die aus dem eigenen Nachwuchs dazugekommen sind“, erzählt der 32-jährige Coach. „Wir wollen das auch fortführen, denn das ist meiner Meinung nach der einzige Weg, wie man erfolgreich die mannschaftliche Geschlossenheit erhalten kann“, erläutert Karches sein Credo. 

Dem will er auch in der Landesliga treu bleiben, weshalb mit Yannick Jassmann (20, SG Quelle Fürth, stammt aus dem Herzogenauracher Stadtteil Niederndorf) und Tim Spielmann (19, TV 48 Erlangen) laut dem Sportlichen Leiter Rudi Litz auch nur zwei junge Neuzugänge verpflichtet wurden. Und Karches wird weiter als Innenverteidiger auf dem Feld stehen und nach dem Motto „learning by doing“ seine Mitspieler in der Abwehrkette anleiten, die gerade mal 19, 20 und 21 Jahre alt sind. 

Die Aufgaben des Coachens übernahm zuletzt zunehmend Marco Müller, der aber auch noch auf immerhin zehn Einsätze gekommen war. „Er ist mehr an die Seitenlinie gerückt, weil wir unseren fünf A-Jugendlichen eine Chance geben wollten – außerdem ist er beruflich viel eingespannt, konnte nicht immer da sein – aber ich schätze mich glücklich, wie gut es bei uns zusammenpasst“, schwärmt Karches von seinem „Co“.

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