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TSV Buch: Der nächste Rückschlag vor einer schweren Saison

Buch vor dem Saisonstart

Viel Zeit zum Durchatmen hatte der TSV Buch nicht. Nur knapp fünf Wochen nach dem verpassten Aufstieg in die Bayernliga beginnt am Sonntag die neue Spielzeit – dabei müssen die Bucher gerade erst den nächsten Rückschlag verkraften.

Hier trugen sie noch gemeinsam das "Kopf-hoch"-Shirt für den verletzten Fabio Tech - ein halbes Jahr später hat es Christian Fleischmann (rechts) selbst schwer erwischt. 

 / © Zink / WoZi

Die eine Frage hat sich Udo Brehm zuletzt wieder häufiger gestellt. Sie begleitet den 32 Jahre alten Angreifer des TSV Buch seit Jahren, bislang hat er immer wieder Antworten darauf gefunden. Jetzt aber, im Sommer 2018, fiel es ihm immer schwerer, die Frage zu beantworten, warum er das eigentlich alles auf sich nimmt. Warum er nach der Arbeit nicht heim zu seinen drei Kindern fährt, sondern lieber mit seinen Kollegen auf dem Sportplatz trainiert. Warum er am Wochenende bis an die tschechische Grenze fährt, um Fußball zu spielen.

Am Dienstagabend hat er sich diese Frage zuletzt wieder gestellt. Im Testspiel gegen den ägyptischen Erstligisten SC Al Zamalek verletzte sich sein Kollege Christian Fleischmann schwer, am Donnerstag operierten ihn die Ärzte am gebrochenen Schien- und Wadenbein. Und natürlich war Udo Brehm schon am Tag danach im Krankenhaus, er war am Donnerstag im Krankenhaus, beim TSV Buch sind sie ja nicht nur Mitspieler, sie sind über Jahre Freunde geworden, die nur deshalb immer so erfolgreich waren, weil sie füreinander da waren und den sportlichen Erfolg noch etwas mehr wollten als andere.

Diese starke Gemeinschaft hat sie zuletzt bis in die Relegation zur Bayernliga getragen, nach einer sehr starken Saison in der Landesliga fehlte ihnen im Rückspiel gegen den ASV Vach nur ein Tor, um Udo Brehm seinen letzten großen Traum als Fußballer zu erfüllen. Wie sehr ihn dieser verpasste Aufstieg mitnahm, sah man nach dem entscheidenden Spiel. Auch eine halbe Stunde nach Schlusspfiff konnte er nicht über das Geschehene sprechen. Und natürlich hat er sich in den Tagen und Wochen danach immer wieder gefragt, ob er noch einmal ein Jahr spielen soll, wo die Gegner und Mitspieler immer jünger werden. „Viel Kraft gekostet“ hat ihn dieser Rückschlag kurz vor dem Ziel, „bei jedem Ausdauerlauf in der Vorbereitung habe ich mich gefragt, wofür ich das alles hier eigentlich mache“, sagt Udo Brehm.

Auf jeden Fall ein guter Vater

Immer wieder hat er sich mit Christian Fleischmann darüber unterhalten, beide haben sie festgestellt, „dass uns der Sport so viele schöne und gute Momente beschert“ – und dass sie auf jeden Fall noch mal eine Saison lang gemeinsam Fußball spielen möchten. Dass daraus vorerst nichts wird, weil Christian Fleischmann viele Monate ausfallen wird, es macht Udo Brehm traurig, so, wie es alle in Buch traurig macht. „Als ich gesehen habe, wie der Torwart in Chrissi reingerauscht ist, da wollte ich ihm erst an die Gurgel“, erinnert sich Udo Brehm, doch dann hat er gesehen, wie sein Gegenspieler auf die Knie ging, zu beten begann und Tränen in den Augen hatte. „Es war keine Absicht“, glaubt er – und deshalb kann er auch ein bisschen besser damit leben.

Das Spiel jedenfalls wurde nach der Verletzung abgebrochen, die Vorbereitung auf die neue Spielzeit war also keine perfekte. Bis zum Freitag hatten die Spieler erst mal frei, um sich von dem Schock zu erholen – oder ihren verletzten Mitspieler zu besuchen. Christian Fleischmann wird bald Vater, „ich habe zu ihm gesagt, dass es vielleicht sogar gut so ist“, sagt Brehm, „vielleicht hätte er sich mit Fußball und der ganzen Arbeit nicht so gut auf diese neue Rolle vorbereiten können“. Also hat er ein paar Eltern-Zeitschriften eingepackt und sie ins Krankenhaus gefahren, „er wird auf jeden Fall der am besten vorbereitete Vater sein“.

Doch trotz dieses jüngsten Rückschlags geht es am Sonntag schon wieder weiter. Um 11 Uhr kommt der SC 04 Schwabach ans Wegfeld. Udo Brehm hofft darauf, dass die positiven Momente der Vergangenheit hängen bleiben, dass sie zum Beispiel 2000 Menschen nach Buch gelockt haben – und dass sie der verpasste Aufstieg nicht hemmt. „Es kann gut laufen, es kann aber auch eine extrem harte Runde werden“, glaubt Brehm.

In Daniel Uttinger, Martin Weber und Fabian Schreiner hat die „Mittelfeldachse“ der vergangenen Saison den TSV verlassen, Fabio Tech und Thomas Reichel fehlen nach ihren schweren Verletzungen weiter – und jetzt kommt auch noch Christian Fleischmann dazu, „der in den vergangenen zwei Jahren an 80 Prozent unserer Tore beteiligt war“, sagt Udo Brehm. Nein, jetzt, in dieser schwierigen Situation für seinen TSV, da kann er nicht aufhören.

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